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zum Video E-Sports-Boom in Hessen

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Auf Konsole oder PC – für junge Hessen ist Zocken der Sport des 21. Jahrhunderts. Clubs und Sponsoren nehmen immer mehr Geld in die Hand. Vom Trend zum Wirtschaftsfaktor. Mex erklärt, wie viel Potential im eSports steckt.

Was ist eSports überhaupt? Mex trifft Jan Köhler vom 1. EC Frankfurt. Der eSports-Verein ist der größte in der Region mit 150 Mitgliedern. Treffpunkt ist heute die Zocker-Kneipe „1337“ in Bornheim: "eSport ist der Wettkampf zwischen Spielern und Spielerinnen auf einer Konsole oder auf Internetplattformen oder am PC mit verschiedenen Computerspielen. Gespielt werden auf der einen Seite Sportsimulationen, Actionspiele und Strategiespiele."

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eSport-Wettbewerbe schauen weltweit bis zu 450 Millionen Zuschauer im Jahr – über Onlinestreaming oder vor Ort in Hallen. Allein 2018 wurden auf über 730 Veranstaltungen um Preisgelder von insgesamt 48 Millionen Euro gespielt.

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Besonders in Asien ist eSports extrem populär und längst ein anerkannter Sport. Hierzulande sieht das noch anders aus. Für den Landessportbund Hessen etwa sind „eSports“ oder „E-Gaming“ eher Sammelbegriffe für unterschiedliche Spiele. Deshalb sei es "mit dem zurzeit angewendeten Sportbegriff nicht vereinbar."

ESL One Event in der Barclay Card Arena in Hamburg

Viele eSport-Wettkämpfe laufen zwar oft "auf Hochleistungssport-Niveau" ab, sagt Jan. Für ihn ist aber ein anderer Punkt im Vergleich zu klassischen Sportarten entscheidend: "Wie wir es jetzt bei unserem Verein sehen, gibt es einfach die gleichen Strukturen wie bei traditionellen Sportvereinen auch. Die Leute wollen sich treffen, auch Offline treffen, also in Kneipen treffen, die wollen zusammen trainieren."

"Die Jugend will diesen Sport"

Und so hat Jan mit seinem Verein eine Mission: den eSports in Hessen in die Gesellschaft tragen, Strukturen schaffen, Talente fördern, Sponsoren binden – und irgendwann damit Geld verdienen. Doch taugt eSports überhaupt als Finanzmodell? Mex trifft Prof. Wilhelm Weber, Hochschule Darmstadt, am Frankfurter Mainufer, auf halber Strecke zur Bornheimer Zockerkneipe. Der eSports-Experte sagt: "Die Jugend will diesen Sport. Firmen wissen das!" Er rechnet "im nächsten Jahr mit 1,4 Milliarden Umsatz weltweit. Da ist vielleicht noch wenig im Verhältnis zu Fußball, der ja allein in Europa 23 Milliarden Euro pro Jahr generiert. Man muss ja dann mit diesen Sportarten vergleichen. Und da bin ich mal gespannt. Also es wird exponentiell nach oben steigen."

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Sponsoring, Werbung und Medienrechte – vor allem aus diesen Größen machte der eSport 2017 weltweit einen Umsatz von umgerechnet 590 Millionen Euro. 2018 waren es schon 790 Millionen

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eSports zündet den Finanzturbo: Das in der Szene sehr erfolgreiche Team „Astralis“ etwa ging Ende 2019 an die Börse. Das Ziel: Einnahmen von zusätzlich 20 Millionen Euro. Aber: "Das ist riskant und eine Ausnahme", sagt Weber: "Die Branche eSports ist sich einig, dass wir erst einmal ganz langsam, moderat starten, mit vernünftigen Gehältern, mit vernünftigen Vermittlungsgebühren, mit vernünftigen Werbeverträgen, und nicht gleich Börsengang oder mit Milliarden wie bei Facebook. Das wäre für den eSport fatal."

Erst zocken, dann ins Stadion

Die große Kohle mit Zocken will man bei Darmstadt 98 nicht scheffeln. Nils Balder koordiniert Spiele und Spieler, darunter Yannick und Marc – die beiden eSportler zocken für die Lilien in der "Virtuellen Bundesliga", finanziell auf Anfänger-Niveau. Balder sagt: "Also ich glaube, dass es aktuell für viele eSportler in Deutschland einfach nur noch nen Hobby ist, die sich neben dem Studium, neben der Ausbildung, auch etwas dazu verdienen können."

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zum hessenschau.de Video Eintracht eröffnet eSport-Trainingszentrum

Esport bei der Eitracht
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Das weiß auch die Geschäftsführung um Michael Weilguny: Die Darmstädter investieren erst seit einem Jahr im unteren 5-Stelligen Bereich in Infrastruktur und Personal. eSports: ein interessanter Marketing-Testballon für die Lilien: "Das veränderte Mediennutzungsverhalten ist halt einfach ein wichtiger Grund. Weil die Kinder und Jugendlichen eben nicht mehr klassisch über das lineare TV immer für den Fußball begeistern zu sind – sondern wir sie eben auch an anderen Ecken abholen wollen. Zum Beispiel eben an der Konsole, und sie dann eben auch im zweiten Step ins Stadion zu holen."

eSport an der Uni

Kleinere Vereine wie Darmstadt 98 probieren sich noch aus. Große wie Bayern München legen einen drauf: Das eSports-Team des FCB etwa kassiert in den nächsten drei Jahren Sponsorengelder von über 15 Millionen Euro. Es liegt Goldgräberstimmung in der Luft.

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Also wohin entwickelt sich eSports in der Zukunft? Das erfährt Mex von Jan Köhler. Der schreibt gerade seine Doktorarbeit über die Wettkampf-Zockerei – beaufsichtigt wird die von Prof. Wilhelm Weber. Und so schätzt Jan, "dass in 5 bis 10 Jahren der eSports genauso groß sein wird wie der traditionelle Sport jetzt. Dass es genauso viele Vereine, Zuschauer und Arenen gibt."

eSports wächst wirtschaftlich und akademisch. An der Hochschule Darmstadt wird das Ganze bald zum Studienfach, verrät Prof. Weber. Nicht nur Konsole und Controller, sondern auch "Marketing für eSports: Also wie kriege ich denn Sponsoren und so weiter. Zivil- und Unternehmensrecht. Sportrecht, Schiedsrichterschulung. Statistik 1 und 2, Business-Englisch 1 und 2. Also ihr seht schon: Da passiert unglaublich viel!"

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Das Mex-Fazit:

Bekanntheit, Marke, Reichweite – eSports ist ein mächtiges Marketing-Instrument. Auch der wirtschaftliche Aufwärtstrend wird noch länger anhalten. Nicht umsonst investieren immer mehr Vereine und Sponsoren aus Hessen in die professionelle Zockerei.

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