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zum Video Zuckerfrei – Stellt der Handel die Politik in den Schatten?

Beim Einkaufen lauert überall Zucker. Die Welt wird immer dicker, die Politik schaut tatenlos zu. Der Handel will jetzt selbst gegensteuern. mex will wissen: Sind Strategien von Rewe oder Danone wirklich sinnvoll? Wie gut klappt der Verzicht auf Zucker?

Ernährungsberaterin Marina Mohr geht mit uns auf Einkaufstour. Sie ist Expertin im Bereich ausgewogene Ernährung. Unsere Aufgabe: Nur Produkte ohne Zucker landen in unseren Einkaufswagen. Ist das in einem ganz gewöhnlichen Supermarkt überhaupt möglich?

Die erste Station ist Obst und Gemüse. Klar, hier können wir bedenkenlos zugreifen. Weiter geht es in die Wurstabteilung. Hier ist der Blick aufs Etikett ernüchternd. Ob Salami, Streichwurst oder Fleischwurst; überall versteckt sich der Zucker, unter ganz verschiedenen Decknamen: „Wenn wir uns da jetzt mal die Zutatenliste angucken, finden wir die Glucose, Dextrose, Maltrose, man kann es sich so merken, alles was auf „ose“ endet, das sind irgendwelche Zuckerverbindungen“, meint unsere Expertin.

Wir geben nicht auf und finden schließlich doch noch ein Produkt: rohen Schinken, Prosciutto. Hier ist tatsächlich kein Gramm Zucker verarbeitet. Ernährungsberaterin Marina Mohr sagt: „Grundsätzlich gilt: unverarbeitete Fleisch Produkte, zum Beispiel Schinken, auch Fleisch von der Frischetheke, da ist kein Zucker drin.“ Direkt gegenüber steht Joghurt. Er ist eine wahre Zuckerbombe mit bis zu 4 Zuckerwürfeln pro Becher. Zum Beispiel Danone Activia Joghurt. Eine Faustregel: je fettreduzierter ein Produkt, desto mehr Zucker steckt drin. Mohr sagt: „Der Geschmack muss irgendwo her kommen, der Zucker bringt den Geschmack.“

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Weniger Zucker, besserer Geschmack

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Und auch in Produkten, in denen wir keinen Zucker vermuten würden; ist er massenweise verarbeitet: Egal ob in Pizzatomaten mit 10 Gramm, im Knäckebrot mit 8 Gramm oder gar in sauren Essiggurken mit 12 Gramm auf jeweils 100 Gramm. In einer Tüte Cranberries stecken gar über 50 Prozent Zucker, so viel wie in einer Tafel Schokolade. Das mex-Zwischen-Fazit: Die zuckerfreie Ausbeute in unserer Stichprobe ist bescheiden. Wir finden nur wenige Produkte: Käse, Fischstäbchen, Vollkornknäckebrot und unbehandelte Produkte.

Doch immer mehr Verbraucher sind aufgeklärt, stören sich an dem Zucker und vor allem daran, dass sie kaum ausweichen können. Rewe hat dieses neue Gesundheitsbewusstsein seiner Kunden aufgegriffen und in einer großen Marketingkampagne den Zuckergehalt von 100 Produkten reduziert. Schmecken die Kunden den Unterschied? Wir haben drei Produkte für eine Geschmacksprobe ausgewählt:

  • Kekse; hier ist der Zucker um 15 Prozent reduziert
  • Eistee, mit jetzt 30 Prozent weniger Zucker
  • Dosenpfirsiche, hier stecken 60 Prozent weniger Zucker drin

Zum Vergleich ziehen wir die Produkte der Mitbewerber heran, mit deutlich mehr Zucker. Das Ergebnis: Viele haben keinen Unterschied geschmeckt und wenn, war das weniger süße sogar besser.

„Unverschämtheit, die Menschen so zu verarschen“

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Auch die ersten Hersteller wollen ihr Image verbessern mit einer Lebensmittelampel, dem sogenannten NutriScore nach französischem Vorbild. A und B steht für eine ausgewogene Ernährung. Zeigt das Lebensmittel D oder E, ist es sehr süß, salzig oder fett.

Aktuell druckt der Hersteller Danone das Ampelmodell nach französischem Vorbild auf seine Joghurts. Deutschlandchef Richard Treckman erkärt warum: „Es ist wissenschaftlich anerkannt, es ist für den Verbraucher sehr einfach zu verstehen, und das Wichtigste, es verändert das Einkaufs- und Konsumverhalten hin zu einer gesünderen Ernährung.“

Das Kinderprodukt Fruchtzwerge erhält die gute Note B. Kommt das bei den Kunden an? Ein Kunde beschwert sich: „Ganz ernsthaft gucken Sie doch mal, das ist für Kinder! 10 Gramm Zucker ist viel zu viel. Das ist eine Frechheit, es ist eine Unverschämtheit die Menschen so zu verarschen.“

Vorzuwerfen ist das Danone wohl kaum. Dass sich ein Hersteller selbst eine schlechte Note gibt, ist kaum zu erwarten. Hier ist die Politik mit strengen Vorgaben gefragt.

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Das mex-Fazit

Lebensmittelampel und weniger Zucker – die Initiativen kommen aus dem Handel, die Politik schläft. So wird es schwierig, den Zuckerfallen auszuweichen.

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Autorin: Anke Heinhaus