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Sprite oder Fanta – in Deutschland sind die Getränke mehr als doppelt so süß als in Großbritannien. Auch in Frankreich ist weniger Zucker in der Limo. Wo es die Zuckersteuer oder Lebensmittelampeln gibt, geht es auch mit weniger Kalorien.

Beispiel Sprite: In Deutschland sind es 9,1 Gramm Zucker pro 100 ml, in Großbritannien 3,3, in Frankreich 2 Gramm. Oder die Halbliter-Flasche Fanta: In der deutschen Version stecken umgerechnet 15 Zuckerwürfel, in der französischen 11, in der britischen 8 Stück. Wie kann das sein?

Ganz einfach: Die Zuckersteuer macht den Unterschied. In Großbritannien zum Beispiel werden die Softdrink-Hersteller ab 5 Gramm pro 100 ml zur Kasse gebeten. Also senken die Unternehmen den Zuckergehalt unter diese Marke. Die Steuer wirkt. Die Steuer schlägt auch bei Eigenmarken deutscher Hersteller durch. In der deutschen Cola von Lidl steckt doppelt so viel Zucker wie in der britischen Variante. Und auch in der Limonade von Aldi ist der Zuckergehalt in Deutschland fast doppelt so hoch wie in Großbritannien.

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Mex: Schlank durch Zuckersteuer

Seien wir mal ehrlich: Viele von uns sind zu dick. Vielleicht könnte eine Zuckersteuer helfen. Aber Umfragen zufolge ist die Hälfte der Deutschen dagegen. Wir fragen unseren Gesundheitsexperten Gerd Glaeske.

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 Angst vor der Zuckerlobby

Oliver Huizinga von der Verbraucherorganisation Foodwatch setzt sich deshalb schon länger für eine Zuckersteuer auch in Deutschland ein. Doch die Politik blockiere, meint der Verbraucherschützer: „Hierzulande traut man sich nicht sich mit der Lebensmittelindustrie anzulegen. Die zuständige Ministerin schlägt sich sogar auf die Seite der Zuckerlobby, also das muss wirklich aufhören, das muss sich wirklich ändern, sonst werden wir die Epidemie an Übergewicht, die Epidemie an Typ2-Diabetes nicht in den Griff bekommen. Hier muss die Politik gegenüber der Industrie klare Kante zeigen.“

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Hier zeigt die Politik klare Kante: Neben Großbritannien gibt es eine Zuckersteuer zum Beispiel in Frankreich, Belgien, Portugal und Norwegen. Insgesamt 9 Länder in Europa. Nicht mit dabei ist Deutschland. Warum nicht? Wir fragen im Ministerium von Julia Klöckner nach. Schriftlich teilt man uns als Begründung mit:

„Unklar ist, ob die Einführung der Steuer auf Dauer den Konsum der Verbraucher verändert.“ Stattdessen solle ein gesunder Lebensstil „vor allem durch Transparenz, Information und Ernährungskompetenz“ erreicht werden.

Kein Geschmacksunterschied

Die Getränke-Hersteller berufen sich gerne auf den Kundengeschmack. Gibt es bei der Sprite einen Unterschied? Unser kleine Check ergibt: Der Kunde schmeckt keinen Unterschied. Die Hersteller kündigen zwar an, den Zucker zu reduzieren. Aber nach eigenen Regeln. Noch bekommen die Deutschen im EU-Vergleich die Zucker- und Kalorienbomben ab. Und nicht nur das: Auch bei der Kennzeichnung der Nährwerte Zucker, Fett und Salz hinkt Deutschland hinterher.

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In Großbritannien gibt es schon seit längerem eine so genannte Lebensmittel-Ampel. Ende 2017 hat Frankreich ein eigenes Modell eingeführt, angeschoben von der Regierung.

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Weniger Fett, bessere Noten

Mex besucht den Großraum Paris und fährt in einem Supermarkt der Kette Intermarché. Hier finden wir den so genannten Nutriscore: A und B stehen für ausgewogene, gesunde Produkte. Zeigt die Ampel D oder E ist das Lebensmittel sehr süß, salzig oder fett. Olivier Touzé kümmert sich bei Intermarché um die Umsetzung der Lebensmittel-Ampel. Die ersten Aufdrucke gibt es schon, es sollen schnell mehr werden.

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Olivier Touzé, Qualitätsmanager Intermarché, erzählt: „Bis Ende des Jahres werden wir rund 350 Produkte umgestellt haben, bis Mitte 2019 dann schon 650. Die Ampel ist dann in den Filialen als auch in unserem Online-Shop zu sehen.“

Die Hersteller stehen in Frankreich unter Druck, für ihre Produkte eine möglichst gute Ampel-Bewertung zu bekommen. Also entwickeln sie neue Rezepte, das heißt gesündere Produkte. Touzé sagt: „Bei diesem Schinkensalat zum Beispiel haben wir den Fett-, Zucker- und Salzgehalt gesenkt. Wir haben die Mayonnaise darin verändert. Jetzt sind es 40 Prozent weniger Fett und 30 Prozent weniger Salz. Dadurch hat der Salat die Note B bekommen.“

Mit dem alten Rezept wäre es die Note D gewesen. Das Beispiel zeigt: Die Lebensmittel-Produzenten liefern sich einen Wettbewerb um das gesündere Produkt, die Ampel funktioniert. Gut 70 Hersteller machen in Frankreich schon mit, u.a. die großen Supermarkt-Ketten.

Industrielobby verhindert Fortschritt

Und wie sieht’s in Deutschland aus? Auch zur Lebensmittel-Ampel geht Berlin auf Distanz. Dabei ist fast jeder, der hierzulande mit Gesundheit und Ernährung zu tun hat, für die Lebensmittel-Ampel: Verbraucherschutzminister, Krankenkassen, Ärzte und Verbraucherschützer. Huizinga von Foodwatch führt aus: „Wir brauchen eine Kennzeichnung in Ampelfarben. Sie muss auf der Vorderseite sein, die muss leicht verständlich sein und sie muss einheitlich sein pro 100g. Bislang hat die Ernährungsindustrie erfolgreich solch ein einfaches Modell verhindert und die Bundesregierung hat dabei Schützenhilfe geleistet.“

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Weniger Zucker – Was uns Franzosen und Engländer voraus haben

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Unerwartete Unterstützung kommt jetzt von einem Hersteller – von Danone. Ab 2019 will der Konzern hierzulande das französische Ampelmodell auf seine Joghurts drucken. Deutschland-Chef Richard Trechman erklärt warum: „Es ist wissenschaftlich anerkannt, es ist für den Verbraucher sehr einfach zu verstehen und das Wichtigste: Es verändert das Einkaufs- und Konsumverhalten, hin zu einer gesünderen Ernährung.“

Danone will es wagen

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Verkehrte Welt: Jetzt gibt die Industrie beim Verbraucherschutz den Takt an. Trautmann, Geschäftsführer Danone Deutschland, ergänzt: „Wir würden uns wünschen, dass die Bundesregierung diese Initiative unterstützt, weil wir denken, dass es das Richtige für den Verbraucher ist.“

Und wie sähe das aus, wenn auf allen Lebensmitteln in Deutschland eine Ampel wäre? Dosenmais und Spaghetti bekämen ein A, eingelegte Gurken und Himbeer-Joghurt ein B. Bei Tütensuppe, Knusper-Müsli und  Chips würde die Ampel auf das gelbe C springen. Und auf Nutella, Cola und Co. würde ein rotes E prangen. Kein Wunder, dass gerade diese Hersteller staatliche Regulierungen ablehnen. Dabei zeigen unsere Nachbarländer, wie es besser geht.

Autor: Daniel Hoh, Sebastian Hanisch