Mehr als eine Million Menschen in Deutschland sollen afrikanische Wurzeln haben. Schwarze Künstler*innen, schwarze Paketbot*innen, schwarze Friseur*innen oder schwarze Wissenschaftler*innen - sie alle gehören zu unserem Land, für die meisten ganz selbstverständlich. Doch der Weg hierher war nicht immer einfach, Selbstvertrauen aufzubauen hat gedauert. Drei Afro-Deutsche zeigen, wie sie ihren eigenen Weg gefunden haben im Umgang mit Alltagsrassismus und Vorurteilen.

Mirrianne Mahn hat ihren Platz gefunden. Seit ein paar Wochen sitzt sie als Abgeordnete in der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung. Es war nicht leicht für die 32-Jährige. „Na klar, wusste ich immer, dass ich zu Deutschland gehöre“, sagt sie. „Aber die weiße Mehrheitsgesellschaft hat mir nicht immer das Gefühl gegeben, dass sie das genauso sieht.“ Sie ist im Hunsrück aufgewachsen. Außer ihr gab es dort nur ein weiteres nicht-weißes Mädchen. Die beiden galten als Kuriosum. Auch nach ihrem Umzug nach Frankfurt musste sich Mirrianne Mahn durchbeißen. Sie baute einen Catering-Service auf. „Da kam es schon mal vor, dass ich morgens zu meinem Food-Truck runterkam und jemand Bananenschalen daran geschmiert hatte“, erinnert sie sich. In der U-Bahn merkt sie heute noch oft, dass sie angestarrt wird, weil sie schwarz ist. Mirrianne Mahn bekam Depressionen. Auch einen Suizidversuch hat sie unternommen. Heute ist sie eine selbstbewusste Frau, doch der Kampf hat Spuren hinterlassen.

Tim Mulhanga hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Nach der Schule absolvierte der gebürtige Dresdner eine Ausbildung als Uhrmacher in der sächsischen Provinz. „Wenn ich dort samstags auf einer Party über die Stränge geschlagen habe, wusste das am nächsten Tag der ganze Ort“, sagt er. „Und die haben das N-Wort benutzt, ohne darüber nachzudenken.“ Nach zwei Jahren in England ist Tim jetzt in Frankfurt gelandet und studiert Politikwissenschaft. Hier fühlt er sich wohl. Der Rassismus in Deutschland sei weniger geworden, aber immer noch da. „Es wäre zu schön, wenn es eine absolute Selbstverständlichkeit wäre, schwarz und deutsch zu sein“, sagt Tim Mulhanga. Damit es möglichst bald soweit ist, engagiert er sich, organisiert Ausstellungen und Diskussionen.

Sendung: hr-fernsehen, 06.06.2021, 18:30 Uhr