Wenn Diäten nicht mehr helfen – dann eine Magen-OP?
Ärzte bei einer Schlauchmagen-OP. Bild © hr

Insulin selbst begünstigt den Aufbau von Fettreserven und die Gewichtzunahme. Wenn schon ein Typ-2-Diabetes besteht und Insulin nach Schema gespritzt wird, dann ist es für die Betroffenen fast unmöglich, erhebliches Übergewicht wieder los zu werden. Gerade für diese Patienten kommen chirurgischen Maßnahmen in Frage, bei denen mit unterschiedlichen Methoden der Magen verkleinert und so die Nahrungsaufnahme begrenzt wird.

Viele dieser Eingriffe sind sehr komplex und fordern sehr viel Erfahrung des Behandlungsteams, dazu eine auf adipöse Patienten ausgelegte Ausstattung der Klinik. In der Regel sind es spezialisierte Adipositaszentren. Als Qualitätskriterium gilt die Zahl der jeweiligen Eingriffe. Mindestens 150 bariatrische Operationen, so der Fachausdruck solcher Eingriffe, sollten pro Jahr am Zentrum durchführt werden.

Ein kleiner Eingriff und dazu wieder umkehrbar ist das Einsetzen eines Magenballons, der dem Körper Sättigung vorgaukelt, auch wenn der Betreffende noch nichts oder wenig gegessen hat. Diese Therapiemethode dient jedoch nur als unterstützende Maßnahme zur Ernährungsumstellung. Die Pfunde purzeln nur mäßig. Sehr motivierte Patienten können maximal fünfzehn bis dreißig Kilo abnehmen. Nach sechs Monaten muss der Ballon entfernt werden. Jahrelang wurde mit einem Magenband der Mageneingang von Übergewichtigen künstlich verkleinert. Allerdings verrutscht dieses Band oftmals und führt zu erheblichen Komplikationen und Organschädigungen. Die Langzeitergebnisse sind schlecht. Hinzu kommt, dass die Operierten meist ständig Hunger haben und trotzdem die Gewichtsabnahme oft unzureichend ist, so dass dieses Verfahren in den meisten Adipositaszentren nicht mehr eingesetzt wird.

Beste Ergebnisse: Dauerhafte Magenverkleinerung

Bei erheblichem Übergewicht werden heute im Wesentlichen zwei Eingriffe durchgeführt, die eine dauerhafte Verkleinerung des Magens beinhalten. Beim Magenbypass wird der Magen einige Zentimeter unterhalb des Mageneingangs quer abgetrennt, so dass nur noch ein kleiner Restmagen übrig bleibt. Dessen Fassungsvermögen liegt bei etwa 200 Millilitern, was etwa einem Glas Saft oder einer wirklich kleinen Mahlzeit entspricht. Der Dünndarm wird durchtrennt, das eine Ende wird an den kleinen Restmagen angeschlossen, um den Nahrungsbrei aus dem Restmagen in den Darm weiterzuleiten. Das ausgeschaltete Magen- und Zwölffingerdarmsegment verbleibt so im Oberbauch. Weil in diesen Dünndarmabschnitt wichtige Verdauungssäfte aus der Bauchspeicheldrüse und die Gallenflüssigkeit fließen, wird es im mittleren Dünndarmabschnitt angeschlossen. Diese Operationsmethode ähnelt sehr der früher oft eingesetzten Methode bei Magenkrebs und Magengeschwüren, nur dass heute mit Hilfe der Endoskopie dafür nur noch einige wenige kleine Schnitte nötig sind. Vor allem Patienten mit überschießender Magensäure (Sodbrennen, Reflux etc.) profitieren von einem Magenbypass.

Schlauchmagen-OP und Duodenal switch noch effektiver

Bei der so genannten Schlauchmagen-OP entfernt der Chirurg ebenfalls einen Teil des Magens, allerdings nicht quer, sondern längs entlang der kleinen Magenbiegung, so dass der Magen in seiner Länge erhalten bleibt. Zurück bleibt dann ein Magenschlauch. Die eigentliche Verdauungsleistung bleibt bei diesem Verfahren aber weitgehend erhalten. Weil der Magen aber nun nur noch ein Fassungsvermögen von 85 – 100 ml hat, wird nach der OP auch weniger des Hungerhormons Ghrelin gebildet. Der Patient isst weniger, weil er schnell satt ist.

Sendung: hr-fernsehen, "service: gesundheit", 14.03.2019, 18:50 Uhr