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zum Video Behandlungsmöglichkeiten einer Schaufensterkrankheit

Bei einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit ist zumindest eine große Arterie in Bein oder Arm verengt oder verstopft. Ziel der Behandlung ist, die Engstelle zu beseitigen.

Arterielle Verschlusskrankheit - Behandlungsmöglichkeiten

Vorrangiges Ziel ist es, vorhandene Risikofaktoren zu stoppen. Und zwar sofort. Heißt: Nicht rauchen, Blutdruck, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes behandeln. Aber auch regelmäßiger Gefäßsport und Gehtraining. Denn: mit Hilfe eines Gehtrainings lässt sich der Körper dazu animieren, neue Umgehungskreisläufe zu bilden und so die Durchblutung zu verbessern. Nötig ist allerdings ein langfristiges und regelmäßiges Training, denn für diese Umbauprozesse benötigt der Körper einige Zeit. Insbesondere in Großstädten gibt es ähnlich den Herzsportgruppen sogenannte AVK-Gruppen. Mit konsequentem Gehtraining lässt sich übrigens eine ebenso gute Langzeitwirkung erzielen wie durch die Ballonaufdehnung oder eine Bypassoperation. Das ergab 2015 eine in 29 Kliniken in den USA und Kanada durchgeführte Studie!

Kaum medikamentöse Therapie

Eine durchblutungsfördernde Pille gibt es nicht. Die medikamentöse Behandlung stützt sich vor allem auf Medikamente, die eine weitere Verkalkung der Blutgefäße verlangsamen. Beispielsweise Fettsenker (Statine) und Mittel, die das Zusammenklumpen der Blutplättchen verhindern (bspw. Acetylsalicylsäure, Clopidogrel). Hierzu gehören selbstverständlich indirekt dann auch Blutdrucksenker und Arzneimittel gegen Diabetes, denn sind diese Erkrankungen unter Kontrolle, sinkt auch das Risiko für die pAVK. Medikamente, die direkt die Durchblutung bzw. die Fließeigenschaften des Blutes fördern sollen, haben in Studien bisher nicht oder nur unter sehr bestimmten Voraussetzungen wirksame Ergebnisse liefern können. Sie bleiben Fachärzten und speziellen Indikationen vorbehalten.

Aufdehnen, Stent oder Bypass

Wie bei den Herzkranzgefäßen lassen sich auch die verkalkten Schlagadern an Armen und Beinen erweitern. Auch hier geschieht das mit einem Ballonkatheter, der genau an der verengten Stelle platziert und dann aufgeblasen wird. Dadurch wird der Kalk in die Wand gedrückt und das Gefäß ist wieder frei. In vielen Fällen ist bereits die Ballonaufdehnung ausreichend, zudem kann sie bei Bedarf wiederholt werden. Dann oft mit noch besserem Ergebnis. Eine längere Offenheitsrate des Gefäßes scheint auch erreicht zu werden, wenn nach der ersten Aufdehnung als Zweites ein mit Medikamenten beschichteter Ballon verwendet wird. Die Medikamente werden so in die Gefäßwand eingebracht und sollen ein vermehrtes Gewebewachstum und damit eine erneute Verengung verhindern.

Interdisziplinäre Behandlungsentscheidungen

Anders als bei den Herzkranzgefäßen werden Gefäßstützen - sogenannte Stents - bei der pAVK nicht immer eingesetzt. Denn die Stentimplantation selbst kann ein verstärktes Gewebewachstum verursachen. In den ersten Monaten kann es in der Metallstütze verstärkt zu Thrombosen und damit einem vollständigen Gefäßverschluss kommen. Eine weitere Möglichkeit besteht in einer Bypassoperation, bei der die Engstelle entweder durch eine eigene, zuvor entnommene Ader, oder durch einen künstlichen Bypass umgangen wird. Ob also ein Gefäß aufgedehnt, ein Stent implantiert wird oder ein Bypass nötig ist, entscheidet sich anhand der individuellen Durchblutungs- und Gefäßsituation des Patienten. Getroffen wird sie in der Regel von einem interdisziplinären Ärzteteam, zu dem beispielsweise Gefäßmediziner, Angiologen, Radiologen und Gefäßchirurgen gehören.

Weitere Informationen

Risikofaktoren für Arteriosklerose

1. Rauchen
Rauchen ist gesundheitsschädlich. Durch den Verbrennungsprozess werden tausende hochgiftige Substanzen freigesetzt, die mit dem Rauch eingeatmet werden. Die Giftstoffe im Qualm fördern die Entstehung der Arteriosklerose und damit die häufigsten Herz-Kreislauferkrankungen: Bluthochdruck, Verkalkung der Herzkranzgefäße (sogenannte Koronare Herzkrankheit - KHK), Schlaganfall und Hirnblutungen, arterielle Verschlusskrankheit (sogenanntes Raucherbein).

2. Bluthochdruck
Unser Blutdruck steigt in bestimmten Situationen ganz automatisch an: zum Beispiel bei Schmerz, psychischem Stress oder körperlicher Anstrengung. Im Schlaf dagegen sinkt der Blutdruck normalerweise wieder. Kurzzeitige Blutdruckschwankungen sind völlig normal, ein ständig zu hoher Blutdruck dagegen führt zu dauerhaften Schäden an Herz und Gefäßen. Bei mehr als 90 Prozent der Bluthochdruckerkrankungen, handelt es sich um eine sog. primäre oder essentielle Hypertonie, bei der der Mix aus ungesundem Lebensstil mit Rauchen, Fehlernährung, Bewegungsmangel, aber auch einer genetischen Veranlagung zum Bluthochdruck führt.

3. Diabetes mellitus
Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, an der allein in Deutschland fast acht Millionen Menschen leiden. Dabei ist der durch einen Fehler im Immunsystem verursachte Typ-1-Diabetes mit einem Anteil von nur fünf Prozent eher selten und betrifft vor allem junge Menschen. Viel häufiger ist der Typ-2-Diabetes, dessen Entstehung ebenfalls wesentlich durch unseren Lebensstil begünstigt wird. Vor allem die Kombination aus erblicher Veranlagung, Übergewicht und Bewegungsmangel lässt die Diabetikerzahlen sprunghaft ansteigen. Dauerhaft oder wiederkehrend zu hohe Blutzuckerwerte begünstigen ebenfalls die Verkalkung der Gefäße. Neben den Herzkranzgefäßen auch in den Beinen. Hier kommt es oft zu einer gefährlichen Spätkomplikation der Zuckerkrankheit: dem diabetischen Fußsyndrom. Etwa 70 Prozent aller Diabetiker haben Nervenschädigungen, die zu einem Verlust an Nervenempfindungen führen. Wärme, Kälte, aber auch Steinchen oder ein drückender Schuh werden nicht mehr bemerkt. Kleine Wunden entstehen, die bei gleichzeitiger pAVK noch schlechter heilen und schlimmstenfalls zu einer Amputation führen können.

4. Zu hohe Cholesterinwerte
Zwar sind Fette wichtiger Baustein für Zellwände, Ausgangsstoff für Gallensäuren, Vitamin D und etliche Hormone. Leider aber wandelt der Körper auch überschüssige Kohlenhydrate in Fette um, sozusagen als lagerfähige Energiereserve für schlechte Zeiten. Ein dauerhafter Kohlenhydrat- und damit Fettüberschuss führt zu Leberverfettung und zur Ablagerung überschüssiger Fette in den Gefäßen – und ist damit der Startpunkt für die Arteriosklerose.


5. Bewegungsmangel
Bewegungsmangel lässt die Blutgefäße früher verkalken und fördert zudem Übergewicht. Wer von Kindesbeinen an regelmäßig Sport treibt sorgt dafür, dass die Knochen auch im Alter lange stabil bleiben, der normale altersbedingte Muskelabbau nur sehr langsam fortschreitet und vor allem das Herz-Kreislaufsystem gut trainiert wird. Die Gefäße bleiben elastisch, verkalken seltener und wesentlich langsamer. Sportliche Höchstleistungen sind nicht nötig, um das Herz-Kreislaufsystem zu trainieren. Täglich ein halbstündiger, flotter Spaziergang ist schon ausreichend. Eine ideale Sportart für Einsteiger ist Nordic Walking, denn dabei werden von der Rücken- bis zur Bein- und Armmuskulatur alle Muskelgruppen ebenso wie Herz und Gefäße gefordert und trainiert. Auch Wandern, Schwimmen, oder Fahrradfahren sind geeignete Sportarten. Das Wesentlich aber ist: die sportliche Betätigung sollte Ihnen Spaß machen. Sie sollten regelmäßig mindestens zweimal pro Woche trainieren und sich nicht überfordern!

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Kontaktadressen

Deutsche Gesellschaft für Angiologie -Gesellschaft für Gefäßmedizin e. V.
Haus der Bundespressekonferenz
Schiffbauerdamm 40
10117 Berlin
Telefon: 030-20888831
E-Mail: info@dga-gefaessmedizin.de
Infos unter: www.dga-gefaessmedizin.de

Deutsche Gefäßliga e. V.
Mühlenstraße 21-25
50321 Brühl
Telefon: 02232-7699790
E-Mail: info@deutsche-gefaessliga.de
Infos unter: www.deutsche-gefaessliga.de

AVK-Selbsthilfegruppen-Bundesverband
e. V.

An der Oberhecke 34
55270 Sörgenloch/Mainz
Telefon: 06136-924050
E-Mail: avk.bv.mp@t-online.de
Infos unter: www.avk-bundesverband.de

Internetlinks:

Weitere Informationen

Online-Risikocheck für das persönliche pAVK-Risiko

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www.patienten-information.de/mdb/downloads/kip/herz-gefaesse/pavk-kip.pdf
Patienten-Informationsblatt des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ) zum Herunterladen

www.verschlusssache-pavk.de/fileadmin/template/images/DGA-PAVK-Broschuere.pdf
Download einer 40-seitigen Broschüre, die Patienten und Angehörige umfassend über die Erkrankung, die Behandlungsmöglichkeiten und das Eigentraining informiert. Herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Angiologie - Gesellschaft für Gefäßmedizin e. V.. Die Broschüre ist zwar knapp zehn Jahre alt, viele Basisinformationen sind aber zeitlos und noch heute gültig.

www.deutsche-gefaessliga.de/index.php/gefaesssportgruppen/gehtraining
Auf den Internetseiten der Deutschen Gefäßliga gibt es Hinweise zum Gefäßtraining und zu lokalen Gefäßsportgruppen, u. a. auch eine Gehtraining-Broschüre, die für den Unkostenbeitrag von 2 Euro bestellt werden kann (für Mitglieder kostenfrei)

Zum Hören

www.deutschlandfunkkultur.de/gefaessverkalkung-die-kaum-bekannte-volkskrankheit.966.de.html?dram:article_id=428257
Hörfunkfeature "Gefäßverkalkung - Die kaum bekannte Volkskrankheit"von Peter Kolakowski vom 16.09.2018. Das Feature kann man kostenfrei derzeit noch unter o. g. Link hören.

Autorin: Eva Maria Siefert

Sendung: hr-fernsehen, "service: gesundheit", 04.10.2018 18:50 Uhr