Inkontinenz

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zum Video Blasenentzündung natürlich behandeln

Jede zweite Frau in Deutschland leidet mindestens einmal im Leben an einer Blasenentzündung. Auch Männer sind betroffen, allerdings wesentlich seltener. Der Grund dafür liegt in der weiblichen Anatomie.

Bei der Frau ist die Harnröhre ca. 3-5 cm lang, beim Mann dagegen 20-25 cm. Frauen leiden viermal häufiger an einer Harnwegsinfektion als Männer, weil die Bakterien über die kurze Harnröhre viel schneller in die Blase gelangen können. Von Natur aus tummeln sich bei jedem Menschen im Bereich der Harnröhrenöffnung ganz verschiedene Bakterien. Sie leben natürlich auf der Haut, vor allem aber existieren in Scheide und Darm viele Bakterien. Normalerweise besteht eine Art Schutzbarriere am Beginn der Harnröhre, die verhindert, dass die Bakterien die Harnröhre aufwärts in Richtung Harnblase wandern.

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Typische Symptome einer Blaseninfektion

  • brennende Schmerzen beim Wasserlassen
  • Bauchkrämpfe
  • häufiger Harndrang, aber nur minimale Urinmenge
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Geringe Beschwerden bei chronischen Blasenentzündungen

Wird aber die Schleimhautdurchblutung im Bereich der Harnröhrenöffnung deutlich vermindert, beispielsweise wenn wir frieren, nasse Schwimmsachen anhaben oder auf kaltem Grund sitzen, wird diese Schutzbarriere durchlässig und die Bakterien können leicht in die Harnblase wandern. Sind die Krankheitserreger einmal in der Blase angekommen, vermehren sie sich schnell. Wie stark die Schmerzen sind, ist jedoch individuell sehr unterschiedlich. Gerade bei chronisch wiederkehrenden Blasenentzündungen spüren viele nur ein mäßiges Ziepen beim Wasserlassen. Das begünstigt natürlich, dass die Infektion erst spät bemerkt wird und sich Keime als chronischer Entzündungsherd dauerhaft in der Blase festsetzen. Betroffen sind vor allem Frauen.

Gefährlich bei aufsteigender Infektion

Wird die Entzündung in der Blase nicht oder nicht ausreichend behandelt oder durch anatomische Besonderheiten wie Verengungen in Harnleiter oder Harnröhre oder durch Steine begünstigt, können die Bakterien aber auch von der Blase weiter durch die Harnleiter bis in das Nierenbecken aufsteigen. Mediziner sprechen dann von einer aufsteigenden Harnwegsinfektion, bei der auch die oberen Harnwege mit dem Nierenbecken betroffen sind (im Gegensatz zu einer unteren Harnwegsinfektion, bei der nur Blase und Harnröhre entzündet sind). Kommt bei einer Blasenentzündung Fieber hinzu, ein dumpfer Schmerz in einer Flanke oder ein Druckgefühl im Bereich der rechten oder linken Niere beim vorsichtigen Klopfen am Rücken, dann sollte man umgehend einen Arzt aufsuchen.

Ursachen für Harnwegsinfektionen

Als Hauptursache gilt die mangelnde Trinkmenge, denn weil nur wenig Urin über die Niere ausgeschieden wird, muss die Blase nur selten entleert werden. Im stehenden Urin vermehren sich Keime bestens. Gleiches gilt folglich auch für Abflussstörungen aus der Blase bspw. durch Knickbildung, Steine, Gries oder Tumore, die dafür sorgen, dass nach dem Toilettengang immer Restharn in der Blase bleibt. Einen ähnlichen Effekt kann bei älteren Männern eine vergrößerte Prostata haben. Bei Frauen kommt es nach dem Geschlechtsverkehr oft zu Infektionen. Das liegt daran, dass Scheide, Harnröhre und Blase nah beisammen liegen. Beim Geschlechtsverkehr können die Bakterien leichter in die Blase gelangen. Allerdings vergehen meist ein, zwei Tage, bis die Beschwerden auftreten, weshalb viele betroffene Frauen diesen Zusammenhang nicht sehen.

Sauer oder basisch?

Auch eine falsche oder übermäßige Hygiene, bei der bspw. seifenhaltige Waschlotionen verwendet werden, kann Harnwegsinfektionen begünstigen. Das natürliche Milieu im Intimbereich verändert sich, es wird mehr alkalisch (basisch), die Bakterien können sich leichter vermehren. Normalerweise ist der Urin leicht sauer. Der niedrige pH-Wert hindert viele Bakterien daran, sich gut zu vermehren und auszubreiten. Allerdings gibt es auch viele säurefeste Bakterien wie bspw. Strepto-, Entero- und Staphylokokken oder Mykobakterien und Listerien, die im sauren Milieu durchaus gut gedeihen. Andere Bakterien wachsen im alkalischen Milieu schlechter, bei einigen Bakterienarten ist im Wachstumsverlauf mal eine saure, mal eine basische Umgebung besser.

Blasenentzündung selbst behandeln

Mit unkomplizierten Blasenentzündungen wird unser Körper gut fertig. Jeder zweite Infekt heilt auch ohne Therapie spontan aus. Viel trinken ist die wichtigste Behandlungsregel, vor allem in den ersten Stunden nach Symptombeginn. Mindestens zwei Liter, besser 3 - 4 Liter bei akutem Infekt. Wasser und Kräutertees sind am besten, Obstsäfte wegen der Säure eher nicht, denn säurehaltige Getränke verstärken den brennenden Schmerz. Das gilt übrigens auch für Alkohol und Kaffee.

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Hausmittel, die bei Blasenentzündung helfen

  • Birkenblätter-Tee lässt die Entzündung abklingen.
  • Goldrutentee wirkt wassertreibend, ebenso Bärentraubenblättertee, der zudem auch noch desinfizierend / antibakteriell wirkt.
  • Wasser mit Backpulver sorgt für basischen Urin. Dadurch brennt es weniger beim Wasserlassen: Eine Messerspitze Backpulver oder Natron in einem Glas Wasser auflösen und trinken. Insgesamt drei Mal täglich über den Tag verteilt.
  • D-Mannose. ist ein spezieller Einfachzucker, der das Anhaften der E.-coli-Bakterien an der Schleimhaut von Blase und Harnwegen verhindert. So können die Keime leichter ausgespült werden. D-Mannose kann nicht nur zur schnelleren Genesung beitragen, sondern bei täglicher Einnahme Harnwegsinfekten sogar vorbeugen.
  • Auch Cranberry-oder Preiselbeer-Extrakt hilft im Kampf gegen Bakterien in der Blase. Er kann als (zuckerfreier) Saft getrunken werden. Wirkungsvoll sind etwa 300 bis 750 ml Fruchtsaft. Alternativ können sie als Extrakt in Kapselform eingenommen werden. Die Kapseln sollten dabei etwa 200 bis 500 mg Trocken-Extrakt enthalten.
  • Rettichsaft bekämpft die Entzündung direkt, denn er enthält Senföle. Sie lagern sich in der Harnblase ab, töten Bakterien und regen zudem noch die Blasentätigkeit an: Einen mittelgroßen Rettich schälen und würfeln. 3 EL Rohrzucker dazu mischen und ½ Stunde stehen lassen. Dann alles pürieren und die Masse durch ein Sieb streichen. 1 EL Saft jeweils morgens und abends einnehmen. Nach spätestens drei Tagen sollte man beschwerdefrei sein
  • .Genau in die Richtung weisen auch aktuelle Studien, nach denen Senfölglykoside die Entzündung bekämpfen können. Bewährt haben sich Präparate aus Kapuzinerkresse und Meerrettich. Die gibt es auch fertig in der Apotheke zu kaufen. Diese Therapie wird inzwischen auch von der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin als Ersttherapie eines unkomplizierten Harnwegsinfektes empfohle
  • n.Warme Esskastanien hemmen den ständigen Harndrang und sie schmecken auch noch herrl
  • ichEukalyptus-Wickel helfen gegen Schmerzen der B
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"Impfung" gegen chronische Blasenentzündungen

Der Ausdruck ist irreführend, denn es handelt sich eigentlich nicht um einen Impfstoff, sondern vielmehr um eine "Immunisierung", eine so genannte Immunmodulation. Dabei werden inaktive Bakterien verabreicht, die dann die Immunabwehr aktivieren. Der Körper wird zur Bildung von Abwehrzellen angeregt. Die Behandlung wirkt bei jedem anders. Zwar verschwinden die Infektionen nicht bei allen für immer, Häufigkeit und Stärke nehmen aber meist deutlich ab. Es gibt einmal eine Immunisierung in Form von Tabletten. Die müssen über drei Monate täglich eingenommen werden. Der Wirkstoff kann auch gespritzt werden. Die Injektionen werden im Wochenrhythmus dreimal verabreicht. Eine Auffrischung ist nach einem Jahr nötig. Bei der Behandlung sind allerdings recht häufige und teilweise auch schwere allergische Reaktionen aufgetreten. Weil aussagekräftige Studien fehlen, muss man die „Impfung“ selbst zahlen. Beide Medikamente sind verschreibungspflichtig. Bei den Kapseln muss man mit einem Preis von 1,00 Euro je Kapsel rechnen, bei den Spritzen kostet die zur Grundimmunisierung nötige Menge rund 110,00 Euro, allerdings gibt es derzeit Lieferengpässe.

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Blasenentzündungen vorbeugen

Viel Trinken
Mindestens 2 Liter pro Tag und bei warmem Wetter auch mehr, um das Schwitzen auszugleichen. Je häufiger die Blase gespült und vollständig entleert wird, umso besser. Zudem können sich die Bakterien dann gar nicht erst in der Blase festsetzen und vermehren. Sie werden mit dem Urin einfach wieder heraus gespült. Wer zu wenig trinkt, begünstigt die Entstehung von Infektionen und die Entwicklung von Nierensteinen. Wiederholte Infektionen begünstigen außerdem, dass sich die Blase schlechter entleeren lässt.

Nach dem Geschlechtsverkehr zur Toilette
Begünstigt wird die Entstehung der Infektion bei Frauen in den Wechseljahren dadurch, dass immer weniger weibliche Hormone produziert werden. Dadurch wird die Schleimhaut in Scheide, Blase und Harnröhre dünner, trockener und empfindlicher. Das senkt die Abwehrkraft und begünstigt bakterielle, aber auch nichtbakterielle Entzündungen. Deshalb, wenn möglich, innerhalb von 30 Minuten nach Geschlechtsverkehr die Blase entleeren.

Toilettengang nicht aufschieben
Bereits beim ersten Harndrang sollte die Toilette aufgesucht werden und die Blase vollständig entleert werden. Gerade wenn eine Knickbildung in der Blase vorliegt, gelingt das auch durch Pressen oft nicht. Besser ist es, dann noch mal kurz vom Toilettensitz aufzustehen. Die Blase nimmt dann eine andere Position ein, und nach dem erneuten Hinsetzen lässt sich der restliche Harn entleeren.

Nasse Badesachen umgehend wechseln
Auch hier sind also nicht besondere Keime im Schwimmbadwasser für die Blasenentzündung verantwortlich, sondern die Verdunstungskälte, die entsteht, wenn man im nassen Badeanzug herumläuft. Dadurch kann der Unterleib stark auskühlen. Es kommt zu einer Minderdurchblutung der Schleimhäute, das Schleimhautmilieu ändert sich, die Keime können in der Harnröhre zur Blase aufsteigen. Die veränderte Durchblutung im Becken kann auch bereits vorhandene Keime aktivieren und so eine Harnwegsentzündung hervorrufen.

Die richtige Hygiene
Der Intimbereich sollte nur mit klarem Wasser oder milden pH-neutralen, duftstofffreien Waschlotionen gereinigt werden. Schaumbäder und Seife reizen die Schleimhaut und fördern dadurch Infektionen. Auch Intimsprays und Spülungen sollten besser gemieden werden. Um zu verhindern, dass Keime in Richtung Harnröhre befördert werden: Den Intimbereich nach dem Toilettengang immer von vorne nach hinten abtrocknen.

Wiederkehrende Infekte ärztlich abklären lassen
Auch anatomische Ursachen können Harnwegsinfekte fördern. Ist die Harnröhre zu eng, kann Restharn in der Blase zurückbleiben. Für Krankheitserreger ist das ideal. Sie werden in geringerem Umfang mit dem Urin ausgespült und können sich schneller vermehren.

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Weiterführende Links

Der Verein "ICA-Deutschland e. V." – gemeinnützige Gesellschaft und Förderverein Interstitielle Cystitis wendet sich besonders an Betroffene und deren Angehörige und will mit vielen Informationen Hilfe zur Selbsthilfe ermöglichen. Als "Interstitielle Cystitis" wird die chronische Blasenentzündung ohne Bakteriennachweis bezeichnet. Neben vielen sehr aktuellen Medizinnachrichten gibt es auf diesen Seiten einen Link zu einem Selbsttest sowie Adressen und Infos zu Selbsthilfegruppen bundesweit.

Informationsseiten zur Blaseninfektion des Berufsverbandes der Frauenärzte Deutschlands

Leitlinien enthalten die derzeit gängigen Behandlungen, basierend auf dem aktuellen Wissen in der Medizin. Ins Netz stellt solche Leitlinien das medizinische Wissensnetzwerk evidence.de an der Fakultät für Medizin der Privaten Universität Witten/Herdecke gGmbH. Die Leitlinie zur Behandlung der Blasenentzündung wurde 1996 erstmals aufgestellt und im Mai 2006 aktualisiert. Bei der Behandlung gibt es zwar neue Ansätze, die Hintergrunderklärungen und Empfehlungen sind aber noch immer gültig.

Autorin: Eva Maria Siefert

Sendung: hr-fernsehen, "service: gesundheit", 07.03.2019 18:50 Uhr