Grafische Darstellung einer Lunge
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Hinter Atemschwierigkeiten steckt oft eine noch unerkannte chronische Bronchitis. Weltweit ist die chronische Bronchitis eine der häufigsten Erkrankungen. Mindestens 200 bis 300 Millionen Menschen sind betroffen, allein in Deutschland mehr als sieben Millionen Bundesbürger.

Rauchen gilt als Hauptrisiko

In etwa neun von zehn Fällen wird eine chronische Bronchitis durch Rauchen verursacht. Die Schadstoffe im Tabakrauch lähmen die feinen Härchen in den Bronchien, die für die Selbstreinigungsfunktion der Lunge ganz wesentlich sind. Nach jahrelangem Rauchen schließlich verändert sich die Schleimhaut, sie atrophiert, wird also dünner, das Gewebe schwindet und die Flimmerhärchen gehen zu Grunde.

Schleichende Erkrankung

Neben dem Verlust der Selbstreinigungsfunktionen der Lunge kommt es auch zu einer Zerstörung der Bronchialstruktur mit der Folge, dass beim Ausatmen die Bronchien zusammen fallen (kollabieren) und deshalb verbrauchte Luft in den Bronchien verbleibt (so genanntes "Air-trapping"). Weil die Betroffenen nun auch weniger Luft einatmen können, verspüren sie Atemnot. Ärzte sprechen dann von einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung, einer COPD (chronic obstructive pulmonary disease). Als typische Symptome dieser Erkrankung gelten die so genannten AHA-Symptome:

  • Auswurf
  • Husten
  • Atemnot

Je früher, desto mehr Luft

Bei jedem fünften Patienten kommt zu Husten und Auswurf eine Überblähung der Lunge (so genanntes Lungenemphysem) hinzu, die den Gasaustausch stark beeinträchtigt. Außerdem verengen sich die Atemwege dauerhaft - eine so genannten Obstruktion. Zwar gibt es Medikamente, die die Atemwege wieder erweitern können, allerdings kann sich bereits zerstörtes Lungengewebe nicht vollständig erholen.

Feinstaub und Co. schädigen ebenfalls 

Alarmiert sind die Experten durch die Tatsache, dass trotz Rauchverbots in Innenräumen, Gaststätten und auf öffentlichen Plätzen und einer Abnahme der Raucherzahl die Erkrankungszahlen an COPD steigen. Viele der Betroffenen haben nie geraucht oder waren Passivrauchen ausgesetzt. Die Forscher sehen hier eindeutige Belege, dass offenbar auch andere Luftschadstoffe, beispielsweise Feinstaub, eine COPD verursachen können. Je länger Luftschadstoffe oder Tabakrauch dem empfindlichen Gewebe zusetzen können, umso größer ist das Erkrankungsrisiko. Bei über 70-Jährigen liegt es schon bei mehr als 30 Prozent.

Selbsttest

Wer wissen will, wie gut die eigene Lunge funktioniert, kann mit Hilfe einer brennenden Kerze einen ersten Eindruck bekommen. Lungengesunde sollten die nämlich aus einem Abstand von 50 Zentimetern problemlos auspusten können. Der Test gleicht weitgehend dem Ein-Sekunden-Test (Tiffeneau-Test), der in der Lungenfunktionsdiagnostik verwendet wird. Auch hier soll man mit einem Atemstoß so viel Luft wie möglich ausatmen.

Erkältungszeit ist bei COPD gefährlich

COPD-Patienten sind höchst anfällig gegenüber Infektionen der Atemwege. Ausgelöst sowohl durch Viren als auch Bakterien. Ärzte sprechen dann von einer "Exazerbation", doch anders als bei Lungengesunden kommt es dabei zu einer oft massiven und schwerwiegenden Verschlechterung der schon zuvor eingeschränkten Lungenfunktion. Nicht selten müssen COPD-Patienten dann im Krankenhaus behandelt werden. Manchmal kommt es sogar zu lebensbedrohlicher Atemnot.

Folgende Symptome über mehrere Tage gelten als Hinweise auf eine akute Exazerbation:

  • häufigere Atemnot als sonst üblich
  • mehr Husten als sonst
  • mehr Auswurf, zusätzlich: Auswurf wird gelb oder grün
  • Fieber möglich, aber nicht zwingend

Exazerbationen vermeiden

Da sich durch akute Entzündungsschübe die Lungenfunktion und damit die Prognose der Erkrankung deutlich verschlechtert, ist das Ziel, solche Exazerbationen zu vermeiden. Deshalb wird COPD-Patienten geraten, sich beispielsweise gegen Pneumokokken und Grippe impfen zu lassen. Zudem sollten Betroffene umgehend einen Arzt aufsuchen, wenn sie eine Erkältung haben, mehr husten, sich die Belastbarkeit verschlechtert oder sie plötzlich stärkere Luftnot haben. Frühzeitig wird der Arzt dann beispielsweise ein Antibiotikum und gegebenenfalls eine systemische Kortisontherapie beginnen, um eine schwere Bronchitis oder gar Lungenentzündung zu vermeiden.

Vielfältiges Behandlungskonzept

Durch Medikamente, Rauchverzicht und Bewegung kann eine COPD zum Stillstand kommen. Auch die Exposition gegenüber Stäuben sollte vermieden werden. Arzneimittel werden am besten über die Atemluft als Spray oder Pulver gegeben. Sie enthalten unterschiedliche Wirkstoffe, die die Bronchien erweitern. Dadurch verbleibt weniger verbrauchte Luft in den Lungen, die Überblähung wird geringer. Vor allem bei schwereren Formen der COPD enthalten die Sprays auch noch Kortison, das die chronische Entzündung in den Bronchien hemmt. Ähnlich wirken auch neuere Arzneistoffe, die direkt in den Bronchien Entzündungsprozesse hemmen (Leukotrienrezeptor-Antagonisten oder Phosphodiesterase-4-Hemmstoffe). Unterstützend wirken zudem Medikamente, die den Schleim verflüssigen und dadurch das Abhusten erleichtern.

Leitlinien geändert – Bewegung ist der Schlüssel

Statt sich zu schonen sollen die Betroffenen ihre Lungen regelmäßig trainieren. Durch ein dem individuellen Erkrankungsstadium angepasstes Ausdauertraining, weil dabei auch die Lunge mittrainiert wird. Aber auch durch Atemgymnastik, für die es spezielle Schulungen gibt. Dabei wird immer auch das Verhalten im Notfall, also bei plötzlicher Atemnot geschult. So kann mit Hilfe der Lippenbremse die in der Lunge "gefangene" Luft besser wieder ausgeatmet werden. Durch Einsatz der Atemhilfsmuskulatur bspweise beim "Kutschersitz" wird die Atmung erleichtert. Gute Erfahrungen haben die Lungenfachärzte auch mit neueren Methoden gemacht, mit denen überblähte Lungenteile praktisch "entlüftet" werden können. Während dies früher nur durch Entfernung der überblähten Lungenteile gelang, lässt sich das heute durch das Einsetzen von Ventilen erreichen.

Stillstand, aber keine Heilung

Wesentlich ist die Erkenntnis, dass die COPD bisher nicht heilbar ist. Unbehandelt oder bei schnellem Fortschreiten der Krankheit ist dann eine häusliche Sauerstoff-Dauertherapie bis hin zu spezifischen Beatmungstherapien nötig. Letztlich geheilt werden können COPD-Patienten nur durch eine Lungentransplantation. Da aber insgesamt zu wenige Organe zur Verfügung stehen und die Betroffenen meist unter weiteren, schwerwiegenden Krankheiten wie Koronare Herzkrankheit (KHK), Bluthochdruck, Gefäßverkalkung mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit, Neigung zu Schlaganfällen und vielem mehr leiden, kommt nur in wenigen, ausgewählten Fällen eine Lungentransplantation in Frage.

Weitere Informationen

internetlinks

  • Hier finden sich gute und wichtige Tipps zur Atemschulung und zum Verhalten bei Atemnot. Beispielsweise werden Lippenbremse oder Kutschersitz gut erklärt.
  • Unter dieser Webadresse firmiert der 2006 gegründete Verein "COPD – Deutschland e. V.", der vor allem Hilfe zur Selbsthilfe leisten will und Betroffene in Selbsthilfegruppen zusammenbringt. In Hessen gibt es derzeit Selbsthilfegruppen in Kassel, Schlüchtern, Langen und Darmstadt. Auch hat der Verein schon eine Vielzahl an Patientenbroschüren herausgegeben, die kostenlos heruntergeladen werden können.
  • www.copd-aktuell.de Verständlich und informativ ist diese Webseite zur Chronischen Obstruktiven Bronchitis. Zwar steckt dahinter der deutsche Pharmakonzern Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG, der unter anderem sein Geld mit Medikamenten gegen eben diese Erkrankung verdient, aber die Information und Aufklärung steht im Vordergrund und es gibt keine offensichtliche Werbung für eigene Produkte oder die anderer Pharmafirmen. Unter dem Stichwort "Broschürenservice" gibt es eine Reihe guter Patientenratgeber zum Herunterladen.
Ende der weiteren Informationen

Filmautorin: Eva Maria Siefert

Sendung: hr-fernsehen, "service: gesundheit", 06.12.2018, 18:50 Uhr