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zum Video Immunsystem gegen Krebs aktivieren

Bei einigen neuen Behandlungsstrategien ist das Ziel, den Krebs wieder für das Immunsystem sichtbar und erkennbar zu machen. Damit soll dann das patienteneigene Abwehrsystem die Krebszellen bekämpfen und in Schach halten.

Zunächst aber mussten die Wissenschaftler herausfinden, warum unser sonst so gut funktionierendes Immunsystem für das Krebswachstum „blind“ ist: Krebszellen verändern sich so lange, bis sie sich von außen kaum von normalen Zellen unterscheiden – der Prozess heißt Immun-Editing.

Krebszellen enttarnen

Für den Fall, dass diese Tarnung mal versagt, senden sie einfach hemmende Signale, die einen Immunangriff blockieren (s.g. Immunevasion). Schlicht gesagt: sie verkleiden sich, und falls doch einer misstrauisch wird, werfen sie Nebelkerzen. Medikamente, die Krebszellen enttarnen gibt es schon, bekanntester Vertreter ist Rituximab. Leider lassen sich damit aber nur wenige Tumorarten behandeln. Hoffnung setzen Forscher in ein anderes Therapieregime, bei dem Immun- und Gentherapie kombiniert werden. Dafür werden die Immunzellen des Patienten mit einem maßgeschneiderten Detektor ausgestattet, der Krebszellen erkennen und beseitigen kann. Allerdings kann es bei dieser CAR-T-Zelltherapie zu schwerwiegenden Nebenwirkungen kommen, die durch den erheblichen Eingriff in das Immunsystem erklärt werden können. Trotz kleiner Studien und dort guter Ergebnisse muss hier noch weiter geforscht werden.

Nobelpreis für Checkpoint-Hemmer

Arzt
Bild © Colourbox.de

Der US-amerikanische Immunologe James Allison und der japanische Immunologe Tasuku Honjo widmeten sich in ihrer Grundlagenforschung der Frage, wie enttarnte Krebszellen trotzdem den Abwehrzellen entkommen können. Allison entdeckte einen T-Zell-Rezeptor, durch den die zelltötende Wirkung der Abwehrzelle gebremst werden kann. Wird der durch einen dafür entwickelten Antikörper ausgeschaltet, kann das Immunsystem die Krebszellen erkennen und abtöten. Die Therapie ist jedoch bislang nur bei schwarzem Hautkrebs erfolgreich. Honjo fand einen weiteren Rezeptor und dazu den zugehörigen „Schlüssel“, durch den in der Krebszelle der zuvor abgeschaltete Modus des programmierten Zelltodes ausgelöst werden kann. Beide Wissenschaftler erhielten 2018 den Medizin-Nobelpreis, weil sie Mechanismen entdeckten, die blockierte Immunzellen im Kampf gegen Krebs wieder aktivieren können.

Noch einige Wirkstoffe in der Pipeline

Die zugehörigen Wirkstoffe haben als sogenannte Checkpoint-Hemmer schon den Weg in die Klinik gefunden, u.a. bei unserem Patienten. Weitere sind in unterschiedlichen Entwicklungsstufen, weshalb Onkologen derzeit zuversichtlich in die Zukunft blicken. Unproblematisch ist der Eingriff am Immunsystem nicht, bekannteste Nebenwirkung sind Entzündungen, die manchmal auch schwerwiegend verlaufen. Über Langzeitwirkungen lässt sich noch nicht so viel sagen, sicher ist, dass ein Absetzen der Wirkstoffe zum erneuten Tumorwachstum führen wird. Aber auch, dass selbst wenn der Krebs bereits gestreut hat, dies kein Todesurteil sein muss. Wichtig ist es, sich in einem interdisziplinären Zentrum beraten und behandeln zu lassen, im Zweifel auch eine zweite Meinung woanders einholen. Neben den in unserer Linkliste genannten Anlaufstellen lässt sich auch über die Weiße Liste nach zertifizierten Krebszentren suchen.

Sendung: hr-fernsehen, "service: gesundheit", 14.02.2019 18:50 Uhr