Fersenschmerz

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zum Video Entzündete Sehnen – Schmerzen in Knie und Ferse

Sehnen verbinden Muskeln und Knochen. Werden sie überlastet, können sie sich entzünden. Starke Schmerzen sind die Folge, die Bewegungen oft unangenehm, manchmal sogar unmöglich machen.

Knochensporn am Sehnenansatz

Es sticht und schmerzt beim Laufen, so als sitze ein Nadelkissen unter der Ferse. Oder auf der Kniescheibe. Anfangs spürt man den Schmerz nur nach einer längeren Belastung, später dann bei jedem Schritt. Und sogar wenn man nach dem Training die Beine hochlegt. Im Bereich der Ferse sind diese Beschwerden typisch für einen Fersensporn, oder - unterhalb der Kniescheibe - für einen so genannten Traktionssporn oder ein Patellaspitzensyndrom (syn. auch Läuferknie, Runners oder Jumpers Knee). Der Name beschreibt, was dann im Ultraschall und oft auch im Röntgenbild zu sehen ist: am Knochen ist ein zusätzlicher knöcherner Anbau zu sehen, der wie eine kleinen Spitze herausragt.

Missglückte Reparatur
Aber natürlich wächst uns nicht plötzlich zusätzlicher Knochen. Ein solcher Sporn entsteht am Ansatz einer Sehne und ist nichts anderes als ein missglückter Reparaturversuch des Körpers. Weshalb beispielsweise beim Fersensporn der seltener gebrauchte medizinische Fachausdruck Fasciitis plantaris auch wesentlich genauer die eigentliche Ursache beschreibt. Denn nicht der Knochen, also das Fersenbein ist entzündet, sondern der Sehnenansatz des Muskels, der eine wichtige Längsverstrebung unserer Fußsohle bewirkt. Analog heißt der medizinische Fachbegriff am Knie sperrig Patellarsehnen-Insertionstendinitis, was nichts anderes als eine Entzündung des Sehnenansatzes an der Kniescheibe beschreibt.

Übertragung von Muskelkraft auf den Knochen
Mithilfe unserer Muskeln können wir uns bewegen. Als Verbindungsglied zwischen Muskel und Knochen dienen Sehnen. Sie übertragen die Kraft auf das Skelettsystem. Sehnen bestehen aus kollagenen Bindegewebsfasern, unbelastet verlaufen sie leicht wellig, unter Anspannung sind sie glatt und straff gespannt. Damit sie schnell und reibungslos gleiten können, liegen sie in bindegewebigen, flüssigkeitsgefüllten Röhren. Bei übermäßiger Belastung oder eben einer Entzündung schwillt das Sehnengewebe an. In der umhüllenden Gleitröhre wird es zu eng, es kommt zu einer schmerzhaften Reibung. Hält der Druck auf die Sehne länger an oder besteht eine wiederkehrende Über- oder Fehlbelastung, kann ein Knochensporn entstehen. Denn Druck oder Fehlbelastung vermindern die Durchblutung und führen zu einem schlechteren Stoffwechsel im Sehnengewebe.

Risiko steigt ab 30 Jahren

Deshalb gelten beispielsweise langes Stehen und Übergewicht bzw. Adipositas als Risikofaktoren für einen Fersensporn. Das Risiko für ein Patellaspitzensyndrom bzw. einen Traktionssporn am Knie steigt neben der sportlichen Überlastung durch eine Verhärtung der vorderen Oberschenkelmuskulatur - häufige Folge von ständigem Sitzen. Hinzu kommt, dass Sehnengewebe ab dem 30. Lebensjahr sowieso an Elastizität verliert. In der knorpeligen Übergangszone kommt es zu einem Verlust an kollagenen Fasern und es wird vermehrt Kalk eingelagert. Betroffenes Sehnengewebe wandelt sich in Faserknorpel um. Der wiederum benötigt zwar weniger Sauerstoff, hat aber die Eigenschaft, Kalk einzulagern. Der Prozess verläuft meist länger unbemerkt, da die Betroffenen zu diesem Zeitpunkt meist noch keine Beschwerden verspüren.

Starke Selbstheilungskräfte
Ab einer gewissen Größe und Masse verursachen die Kalkherde eine Einklemmung und Entzündung der Sehne (Tendinitis calcarea). Jetzt kommt es zu starken Schmerzen. Gerade im Kniebereich kann auch der Schleimbeutel mit entzündet sein. In dieser Akutphase ist meist eine Schonung und Ruhigstellung empfehlenswert. Kühlen lindert, zusätzlich können und müssen oft Schmerzmittel z.B. nichtsteroidale Antirheumatika (bspw. Ibuprofen oder Diclophenac etc.) eingenommen werden. Nicht jede Fehl- und Überlastung muss zwingend vom Arzt behandelt werden. In den meisten Fällen beginnt nach der schmerzhaften Akutphase die Selbstheilung: ins betroffene Sehnengewebe wachsen Blutgefäße ein, wodurch sich die Durchblutung verbessert. Das Immunsystem schickt Fresszellen, die die störenden Kristalle beseitigen. Schließlich baut sich das dann entkalkte Fasergewebe durch verstärkte Kollagenbildung wieder zu normalem Sehnengewebe um.

Meist im Ultraschall erkennbar
Grundsätzlich kann sich am Sehnenansatz jeder Sehne ein knöcherner Sporn bilden. Oft findet man den auch beim Röntgen als Zufallsbefund. Beispielsweise hat jeder zehnte Bundesbürger einen Fersensporn, die meisten spüren davon allerdings nichts. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, das Durchschnittsalter liegt bei 40 bis 60 Jahren. Das Schmerzzentrum kann unter der Ferse liegen (so genannter „unterer“ Fersensporn) oder aber an der Achillessehne („oberer“ Fersensporn, med. Haglund-Exostose). Dagegen macht das Patellaspitzensyndrom fast immer Beschwerden. Schon deshalb, weil es vor allem sportlich Aktive trifft. Schon die Krankengeschichte ist wegweisend für die Diagnose. Hinzu kommen klinische Untersuchung und Ultraschall.

Autorin: Eva Maria Siefert

Sendung: hr-fernsehen, "service: gesundheit", 21.02.2019 18:50 Uhr