Medikamente stehen auf einem Tisch

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zum Video Erkältungsmittel

Rein statistisch erwischt uns einmal pro Jahr eine Erkältung: Niesen, Husten, Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen, so das ganze Programm eben. Verursacher sind in der Regel Viren, die ein weitgehend gesundes, körpereigenes Abwehrsystem normalerweise selbst bekämpfen und ausrotten können.

Es niest und hustet in allen Zimmern …

Man fühlt sich einige Tage krank und sollte sich deshalb auch Ruhe gönnen. Ganz nach der alten Regel: drei Tage kommt die Erkältung, drei Tage bleibt sie, drei Tage geht sie. Ist auch wissenschaftlich belegbar, denn erst vermehren sich die Erreger, dann kommt unsere eigene Abwehr in Gang. Schließlich dauert es nochmal etwa drei Tage, bis die Schleimhautschäden wieder repariert sind. In dieser Krankheitsphase ist man dann auch schon nicht mehr ansteckend. Viel schlafen hilft, ausreichend trinken auch, gesundes, vitaminreiches Essen tut ein Übriges. Auf Sport sollte man verzichten, dazu eine unterstützende, also symptomatische Therapie zum Schleimlösen und vielleicht noch was gegen Kopf- und Gliederschmerzen. Das ist in der Regel ausreichend.

Da gibt es doch was von …

Bis die Erkältung wieder weg ist, braucht es etwas Zeit. Und die hat heute kaum noch jemand. In Apotheken und Hausarztpraxen fragt jeder zweite Erkältungspatient nach irgendeinem Supermittel, das alle Beschwerden lindert oder besser sofort verschwinden lässt. Das aber gibt es leider nicht, und Experten wie der Pharmakologe Professor Martin Wehling warnen vor der Einnahme der viel beworbenen und oft verkauften Kombipräparate bei Erkältungen. Weil sie zeitgleich viele unterschiedliche Beschwerden bekämpfen sollen, enthalten sie ein Gemisch aus verschiedenen Wirkstoffen, die sich häufig nicht sinnvoll ergänzen oder den Körper unnötig belasten. Denn sie wirken nicht gezielt an Ort und Stelle, sondern systemisch, also im ganzen Körper. Und führen zu nicht unerheblichen Nebenwirkungen, z. B. zu Müdigkeit, weil so genannte Antihistaminika zugesetzt sind. Dies ist gefährlich beim Autofahren oder wenn man an Maschinen arbeitet. Hinzu kommt, dass unerwünschte Nebenwirkungen einzelner Substanzen durch die Kombination verstärkt werden können. Experten empfehlen daher lieber Einzelsubstanzen. Da lassen sich die tägliche Einnahmemenge und das Risiko besser abschätzen.

Nebenwirkungen schon bei empfohlener Dosis

Das gilt auch für Medikamente gegen Fieber und Schmerzen. Hier kommen vor allem die Wirkstoffe Paracetamol und Ibuprofen zum Einsatz. Die früher sehr gebräuchliche Acetylsalicylsäure (z. B. Aspirin®) wird nicht mehr empfohlen, weil der Wirkstoff die gerinnungsfördernde Funktion der Blutplättchen für eine Woche komplett lahm legt. Und bei Kindern eine lebensbedrohliche Arzneimittelreaktion auslösen kann. Beim Paracetamol liegt die Tageshöchstdosis für Erwachsene bei maximal 8 Tabletten à 500 mg. Sonst drohen Leberschäden. Und Ibuprofen kann die Entstehung von Herz-Kreislaufkrankheiten begünstigen. Wie oft man das vorher genommen haben muss, ist nicht bekannt. Möglicherweise reicht dafür schon die Einnahme während einer Erkältung. Zudem begünstigen Ibuprofen und andere Wirkstoffe aus der Gruppe der NSAR (Nicht steroidale Anti-Rheumatika; bspw. Diclophenac, Naproxen, Ibuprofen) die Bildung von Magengeschwüren und Blutungen im Magen-Darm-Trakt - sogar wenn die Mittel in normaler Dosierung eingenommen werden.

Abwarten und Tee trinken …

Erkältungen können in der Regel mit einfachen Hausmitteln und rezeptfreien Medikamenten aus der Apotheke behandelt werden. Allerdings: ob Hausmittel oder Medikament - das alles kann eine Erkältung nicht beenden, sondern mildert nur die Beschwerden und verkürzt kaum den Krankheitsverlauf. Ruhe und körperliche Schonung sind entscheidend, was nicht heißt, dass Sie den ganzen Tag das Bett hüten müssen. Warm eingepackt ist ein Spaziergang sogar sehr empfehlenswert.

Tipps und Hausmittel gegen verschiedene Erkältungssymptome

Fieber

Hilft dem Immunsystem die Krankheitserreger zu bekämpfen, deshalb ist bei mäßig erhöhter Temperatur eine Fiebersenkung nicht empfehlenswert. Aber Bettruhe, bei hohem Fieber Wadenwickel, ausreichend trinken! Pro Grad Fieber verliert ein Erwachsener etwa einen Liter Flüssigkeit. Die muss ersetzt werden. Tees aus Holunder- oder Lindenblüten oder Hagebutte wirken entzündungshemmend und beruhigend. Kein Erkältungsbad nehmen! Das belastet zu sehr den Kreislauf. Alternativ fiebersenkende Arzneimittel wie Ibuprofen oder Paracetamol.

Bei trockenem Reizhusten

Spitzwegerich, Malvenblüten, Fenchelfrüchte und Süßholzwurzel wirken antientzündlich, schleimlösend und hustenreizstillend. Der Schleim wird flüssiger durch pflanzliche Wirkstoffe oder fertige Schleimlöser aus der Apotheke. Nur effektiv, wenn man ausreichend trinkt. Eventuell ist die Einnahme eines Hustenblockers sinnvoll, allerdings vorrangig nachts für einen erholsamen Schlaf. Frei verkäuflich gibt es den Wirkstoff Noscapin, der wie Codein auch aus Schlafmohn hergestellt wird, aber nur ein geringes Suchtpotential hat.

Schnupfen und laufende Nase

Inhalieren mit Salzwasser! Manche Menschen schwören eher auf Eukalyptus oder Kamille, das allerdings reizt oft die Schleimhäute. Kamille kann austrocknen und verursacht oft Allergien. Nasenspülungen, abschwellende Nasensprays, die allerdings wegen des Gewöhnungseffektes nur für höchstens drei bis fünf Tage, maximal eine Woche anwenden.

Halsschmerzen

Schluckweise warme Getränke trinken! Dadurch werden die Schleimhäute befeuchtet und die Schmerzen lassen nach. Mit Salzwasser gurgeln. Alternativ geht das auch mit Salbeitee. Wenig sprechen, um die Stimme und die oft begleitend mit entzündeten Stimmbänder zu schonen. Schmerzmittel wie Paracetamol und Ibuprofen helfen über die ersten Tage hinweg, aber dabei unbedingt die Tageshöchstmenge beachten! Zum Arzt gehen, wenn die Schmerzen trotzdem nicht besser werden. Denn dann steckt hinter der Halsentzündung meist eine bakterielle Infektion, beispielsweise mit Streptokokken. Hier ist die Einnahme eines Antibiotikums nötig.

Weitere Informationen

Kontaktadressen

Robert-Koch-Institut (RKI)
Postfach 65 02 61
13302 Berlin
Telefon: 030-187540
Internet: www.rki.de

Deutsches Grünes Kreuz e.V. (DGK)
Biegenstraße 6
35037 Marburg
Telefon: 06421-2930
E-Mail: dgk@dgk.de
Internet: www.dgk.de

Ende der weiteren Informationen

Internetlinks:

  • www.test.de/thema/erkaeltung/tests

Übersicht der Stiftung Warentest, die bereits seit Jahren regelmäßig Erkältungsmittel unter die Lupe nimmt. Der letzte Test hierzu stammt aus dem Februar 2018.

  • www.carstens-stiftung.de/artikel/top-10-bei-erkaeltung-und-infekten.html

Tipps zur Vorbeugung und Therapie einer Erkältung aus dem Bereich Naturmedizin, herausgegeben von der Carstens-Stiftung, deren Ziel es ist, wissenschaftliche Arbeiten aus dem Bereich der Naturmedizin und Homöopathie zu fördern und zu verbreiten.

  • www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/medikamenten-check-viele-erkaeltungsmittel-wirken-kaum-a-937439.html

Erkältungsmitteltest Test im Auftrag des Spiegels vom Februar 2014.

Sendung: hr-fernsehen, "service: gesundheit", 08.11.2018 18:50 Uhr