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Schillernde Farben, fantastische Motive – Tätowierungen sind beliebter denn je. Unterschätzt werden die Gefahren, die von der Körperkunst ausgehen: Unverträglichkeiten, Allergien, Entzündungen und Infektionen.

Tattoos – Körperkunst mit teilweise unerwünschten Folgen
Etwa jeder zehnte Deutsche hat mindestens ein Tattoo. Viele, vor allem Jüngere, schmücken ihre Haut mit langlebigen, oft großflächigen Kunstwerken. Hinzu kommt eine stetig wachsende Zahl von Menschen, die sich mit einem so genannten Permanent Make-Up Lidstriche, Augenbrauen oder Lippenkonturen dauerhaft einfärben lassen. Wie viele von ihnen hinterher kurzzeitig oder gar dauerhaft mit Problemen zu kämpfen haben, ist nicht bekannt. Denn es existiert nirgendwo eine Datenbank bezüglich Infektionen, Allergien oder noch schwerwiegenderer Folgen des Tätowierens. Während Kosmetika, die auf die Haut aufgetragen werden, durch verschiedene deutsche und europäische Gesetze und Richtlinien gesetzlich geregelt sind, gibt es etwas Vergleichbares für Tattoo-Farben nicht.

Verunreinigung und Hygienemängel möglich
Tätowierfarben bergen eine Reihe von Gesundheitsrisiken. Sie sind manchmal mit Krankheitskeimen verunreinigt. Eine Stichprobenuntersuchung des Bundesinstituts für Risikobewertung fand Staphylokokken, Streptokokken und Pseudomonaden. Trotz zugesetzter Konservierungsmittel konnten die Keime in den Farben überleben. Folglich gibt es vier mögliche Infektionswege: durch die Farbe, durch unzureichende Desinfektion der Haut, durch Hygienemängel bei der Gerätereinigung und nicht zuletzt durch Fehlverhalten des Tätowierten selbst. Gemessen an der großen Zahl von Tattoos werden zwar nur verhältnismäßig wenige Infektionen gemeldet, die aber reichten von lokalen Entzündungsreaktionen bis hin zu lebensbedrohlichen Infektionen. Die Behörden überlegen derzeit, ob künftig nur noch Einmalfarben statt der mehrfach benutzten, offenstehenden Behälter der Tätowierungsfarben erlaubt werden sollen.

Allergien möglich

Gerade Menschen mit bereits bekannten Allergien – beispielsweise auf Metalle – sollten besonders vorsichtig sein. Denn Tätowierfarben können bis zu 100 Einzelsubstanzen enthalten, darunter auch Reste von Schwermetallen wie Nickel, Quecksilber, Chrom, Cadmium oder Kobalt. Gerade gegen Nickel sind viele Menschen allergisch. Auch Reaktionen auf andere Stoffe sind denkbar. Schwarze Tätowierfarben enthalten häufig Rußpartikel. Sie beinhalten auch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), von denen einige nachgewiesenermaßen das Krebsrisiko erhöhen. Schwarze Hennafarben können den Wirkstoff Para-Phenylendiamin (PPD) enthalten, der stark sensibilisierend wirkt. Wer dagegen reagiert, zeigt unter Umständen lebenslang allergische Reaktionen gegen diese Substanz oder gegen Farben mit ähnlicher chemischer Struktur. Häufiger als bei anderen Farben reagieren empfindliche Menschen auf rote Tätowierfarbe. Warum genau, ist noch nicht bekannt. Einen zuverlässigen Test zur Prüfung des Allergierisikos von Tätowierfarben gibt es bis heute nicht, eine Positivliste geprüfter Farben, ebenso wenig.

Tattoofarbe auf Wanderschaft
Insbesondere wenn allergische Beschwerden auftreten, ist auch die Entfernung des Tattoos nicht einfach. Denn mittels Laser können die Farbpigmente eher noch tiefer und breiter in die Haut verstreut werden. Hier hilft nur eine radikale, chirurgische Entfernung. Das Tattoo muss herausgeschnitten werden. Grundsätzlich sollte eine Entfernung nur von Fachleuten vorgenommen werden. Das Sonnenstudio um die Ecke hat diese Expertise in der Regel nicht. Damit bei einem Tattoo dauerhaft Farben und Konturen deutlich sichtbar sind, muss das Tattoo tief genug gestochen werden. Elektrische Tätowierungsmaschinen befördern die Farben mit vibrierenden, spitzen Nadeln in die Haut. Etwa 2,5 mg Farbe pro Quadratzentimeter Haut. Ein Teil davon verbleibt nicht in der Haut selbst, sondern wird mit dem Blut- und Lymphsystem abtransportiert und nicht selten irgendwo eingelagert. Gefärbte Lymphknoten in der Nähe von Tätowierungen konnten schon entfernt werden. Wo die Farbpigmente sonst noch im Körper auf Halde liegen, ist bisher noch unklar. Ebenso, welche Langzeitwirkung das haben könnte.

Weitere Informationen

Weiterführende Links

Webseite wurde vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) initiiert und bietet viele Informationen zum Tätowieren.

Einschätzungen des Bundesinstituts für Risikobewertung zu den Infektionsrisiken durch das Tätowieren.

Ende der weiteren Informationen

Autorin: Eva Maria Siefert
Sendung: hr-fernsehen, "service: gesundheit", 21.03.2019, 18:50 Uhr