Grafik einer Gürtelrose.

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zum Video Gürtelrose - Mehr als eine Hauterkrankung

Nach einiger Zeit sind die Pusteln wieder verschwunden, aber die Erreger der Windpocken, die Varicella-Zoster Viren, wandern entlang der Nerven ins Rückenmark und bleiben dort jahrzehntelang unbemerkt.

In einigen Fällen nutzen die Varizellen viele Jahre später eine Schwäche der Immunabwehr, um eine neue Krankheit auszulösen: die Gürtelrose. Sie verursacht heftige Nervenschmerzen, die nicht selten chronisch werden. Ein neuer Impfstoff soll auch ältere Betroffene und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem schützen. Im Unterschied zum bereits länger erhältlichen Lebendimpfstoff ist der neue Impfstoff wesentlich wirksamer und verträglicher. Denn er besteht aus einem Totimpfstoff mit zusätzlichem Wirkverstärker.

Symptome der Gürtelrose

Zum Ausbruch der Gürtelrose kommt es, wenn die Viren wieder aktiv werden, zum Beispiel bei Stress, starker Sonneneinwirkung oder Immunschwäche im Alter. Dann wandern die Viren zurück in die Haut und bilden rote, juckende und schmerzende Bläschen, die sich gürtelförmig ausbreiten und normalerweise innerhalb von acht Tagen bis vier Wochen wieder abheilen.

Typische Symptome:

  • massiver Hautausschlag, der in der Regel halbseitig auftritt und sich meist ringförmig am Rücken und unter der Brust ausbreitet, aber auch im Gesicht auftreten kann
  • Blasenbildung
  • absterbendes Gewebe
  • brennende Schmerzen, Stechen, Kribbeln, Jucken, Missempfindungen wie bei einem Sonnenbrand
  • oft heftige Schmerzattacken in einer Körperregion

Achtung bei einseitigen Rückenschmerzen, gefolgt von einem Ausschlag!

Oft treten schon zwei bis drei Tage vor der Bläschenbildung Schmerzen auf, die für Rückenverspannungen gehalten werden. Wer einseitige Schmerzen im Rücken hat und ein paar Tage darauf einen Ausschlag in der gleichen Region bekommt, sollte mit dem Verdacht auf Gürtelrose sofort einen Arzt aufsuchen. Bei immunschwachen Patienten kann sich die Gürtelrose über den Körper ausbreiten und lebensbedrohlich werden. Sind das Gesicht oder die Augen betroffen, droht der Verlust des Sehvermögens. Vor allem ältere Patienten sollten bei solchen Beschwerden umgehend einen Arzt aufsuchen, um Folgeschäden wie chronische Schmerzen, Gesichtslähmungen und Augenschäden zu vermeiden.

Höheres Risiko für Gürtelrose im Alter

In Deutschland erkranken jährlich etwa 400.000 Menschen an einer Gürtelrose. Mehr als 60 Prozent von ihnen sind älter als 50 Jahre. Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu. Das erhöhte Erkrankungsrisiko wird darauf zurückgeführt, dass das Immunsystem mit zunehmendem Alter weniger leistungsfähig ist.

Rechtzeitig behandeln

Wird die Gürtelrose rechtzeitig, also in der Regel innerhalb von 36 Stunden, maximal aber 72 Stunden, mit virushemmenden Medikamenten behandelt, verläuft sie oft ohne Folgen. Geschieht dies aber nicht, können die starken Schmerzen chronisch werden und weiter anhalten, wenn die Hauterscheinungen längst verschwunden sind. Experten sprechen von der sogenannten postherpetischen Neuralgie. Deshalb ist die frühe Schmerztherapie mit regelmäßigen Spritzen beziehungsweise Infusionen, sofern die Erkrankung am Kopf auftritt, wichtig.

Therapie bei Gürtelrose: Viren bekämpfen, Schmerzen lindern

  • Zur Virenbekämpfung der Gürtelrose werden sogenannte Virostatika wie Aciclovir eingesetzt, in der akuten Phase häufig als Infusion mehrmals am Tag. Anders als Herpes-Viren, die für Lippen- oder Genitalherpes verantwortlich sind, sind Herpes-Zoster-Viren noch nicht gegen diese Medikamente resistent - eine Behandlung schlägt in der Regel schnell an.
  • Zur Schmerzlinderung kommen statt üblicher Schmerzmittel oder zusätzlich zu üblichen Schmerzmitteln wie Paracetamol oder Ibuprofen mindestens vier Wochen lang Antiepileptika und Antidepressiva zum Einsatz. Diese Medikamente dämpfen die Aktivität der betroffenen Nerven und lindern so die sogenannten neuropathischen Schmerzen.

Komplikation: Poster-Zoster-Neuralgie

Auch wenn der Hautausschlag verschwunden und die Gürtelrose abgeheilt ist, klagen viele Betroffene weiter über Schmerzen an Rücken, Brust oder Gesicht, je nachdem, wo die Gürtelrose aufgetreten ist. Je heftiger die Infektion war und je älter der Patient ist, umso länger können die Schmerzen andauern. Bestehen die Beschwerden noch länger als drei Monate nach Abklingen der Gürtelrose, droht eine sogenannte Post-Zoster-Neuralgie: Durch die Viren geschädigte Nerven werden übererregbar und leiten Schmerzsignale ans Gehirn, obwohl gar kein akuter Schmerzreiz vorhanden ist. In diesem Fall sollten sich Betroffene von einem spezialisierten Schmerztherapeuten behandeln lassen. Sind die Beschwerden mit Medikamenten nicht in den Griff zu bekommen, können Maßnahmen wie Sympathikusblocker, Infiltrationen oder Elektrostimulation zum Einsatz kommen.

Sich vor einer Gürtelrose schützen

Seit 2013 ist in Deutschland der Impfstoff Zostavax gegen Herpes Zoster, den Erreger von Windpocken und Gürtelrose, erhältlich. Die Impfung kann schwere Erkrankungsverläufe und auch das Auftreten von chronischen Nervenschmerzen in etwa 50 Prozent der Fälle verhindern.
Der Impfstoff ist für gesunde Menschen ab 50 Jahren zugelassen. Er wird einmalig als Spritze unter die Haut verabreicht. Da es sich um einen Lebendimpfstoff handelt, dürfen Menschen, die eine Immunschwäche haben oder immunsuppressive Medikamente einnehmen, nicht geimpft werden.

So funktioniert der neue Impfstoff gegen Gürtelrose

Für den neuen Impfstoff haben Forscher zunächst ein Antigen aus dem Herpes-Zoster-Virus entnommen und isoliert. Dann haben sie das Virus-Antigen mit einem Wirkverstärker kombiniert: einem kleinen Fettkügelchen. Im Blut zieht der Wirkverstärker Abwehrzellen an wie ein Magnet. Durch den Kontakt mit dem Antigen erinnert sich das Immunsystem wieder an das Virus. Sollte jetzt das Virus wieder aktiv werden, wird es sofort ausgeschaltet. Der Wirkstoff ist auch geeignet bei Menschen, die Medikamente zur Schwächung des Immunsystems einnehmen.

Neuer Impfstoff: Empfehlung und Nebenwirkungen

Artikel über den Impfstoff gegen Gürtelrose.
Bild © hr

Seit Dezember 2018 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) allen Personen ab 60 Jahren die Gürtelrose-Schutzimpfung mit einem sogenannten Totimpfstoff als Standardimpfung. Personen mit einer Grundkrankheit, einer Immunschwäche oder Medikation, die das Immunsystem unterdrückt, wie gegen Rheuma beispielsweise, empfiehlt die Kommission die Impfung bereits ab einem Alter von 50 Jahren (Indikationsimpfung). Die Gürtelrose-Impfung wird erst zur Pflichtleistung der Gesetzlichen Krankenkassen, wenn der Gemeinsame Bundesausschuss über die Aufnahme in die Schutzimpfungsrichtlinie entschieden hat. Dies könnte frühestens ab März 2019 passieren. Die Impfserie für den Herpes-Zoster-Totimpfstoff besteht aus zwei Impfstoffdosen (Spritzen), die im Abstand von mindestens zwei bis maximal sechs Monaten verabreicht werden. Die Kosten belaufen sich für Selbstzahler auf 136 Euro pro Spritze. Die Impfung mit dem Herpes-Zoster-Totimpfstoff gilt als sicher. In den Zulassungsstudien gab es kein Signal für schwere Nebenwirkungen. Allerdings führt die Impfung mit dem Totimpfstoff sehr oft zu Schmerzen an der Injektionsstelle, Rötung und Schwellung oder zu Fieber, Müdigkeit, Muskel- und Kopfschmerzen. Letztere treten etwa bei jeder zehnten geimpften Person auf. Die Impfreaktionen sind jedoch nur von kurzer Dauer und halten ein bis zwei Tage an.

Weitere Informationen

Experten zum Thema

Prof. Dr. Stefan Werner Schneider, Direktor
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg

Telefon: 040 - 74 10 52 63 0
Infos unter: www.uke.de

Deutsche Schmerzliga e. V.
Postfach 74 01 23
60570 Frankfurt

Telefon: 069 - 13 82 80 22 (Montag, Mittwoch, Freitag 9:00 bis 11:00 Uhr)
Infos unter: www.schmerzliga.de

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Weitere Informationen

Internetlinks

Seite der Robert-Koch Instituts, auf der alles Wissenswerte zur Impfung gegen Gürtelrose aufgeführt ist.

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Filmautorinnen: Birgit Augustin, Judith König, Sandra Ließmann
Sendung: hr-fernsehen, "service: gesundheit", 10.01.2019, 18:50 Uhr