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zum Video Hüftschmerzen – Minimalinvasiver Eingriff schützt das Gelenk

Der Knorpel im Hüftgelenk ist ein sehr kostbares Gut. Einmal zerstört, bleibt bislang oft nur die Möglichkeit das Gelenk durch eine Prothese zu ersetzen. Ein minimalinvasiver Eingriff kann den Knorpel vor Zerstörung schützen.

Hüftschmerzen – nicht immer Arthrose

Mittleres Lebensalter und Schmerzen in der Hüfte – da denkt wohl jeder an Verschleiß und eine Hüftgelenkarthrose. Schnell hat der Patient dann auch die Empfehlung zur Operation und zum Hüftgelenkersatz. Manchmal zu schnell, denn selbst Experten warnen, dass oft gar kein Knorpeldefekt vorhanden ist, der für die Beschwerden verantwortlich ist. Und ein Gelenkersatz deshalb gar nicht nötig ist.

Zu eng im Gelenk
Viele kennen solche Beschwerden in der Schulter, beispielsweise wenn der Arm seitlich angehoben wird: bis zur Horizontalen geht das schmerzfrei, hebt man den Arm weiter an, kommt der schneidende Schmerz. Das Gelenk ist enger geworden, es schmerzt, wenn Knochen an Knorpel stößt. Etwas Ähnliches gibt es auch im Hüftgelenk. Hier sind es winzige Verdickungen des Oberschenkelkopfes oder ein Überstand am Rand der Gelenkpfanne. Oft sind die Unebenheiten angeboren, können aber auch Folge einer Durchblutungsstörung, einer Entzündung oder eines Unfalls sein. Bei bestimmten Bewegungen des Oberschenkels stoßen dann Gelenkkopf und Gelenkpfanne schmerzhaft aufeinander. Experten sprechen dann von Impingment, der englische Begriff für einen Zusammenstoß.

Beißzange oder Nockenwelle?
Beim genaueren Betrachten lassen sich zwei Formen schon im Röntgenbild unterscheiden: das Pincer- oder Beißzangen-Impingement, das häufiger bei Frauen auftritt. Hier liegt die Verdickung im Bereich der Gelenkpfanne, der überstehende Pfannenrand kann am Schenkelhals anstoßen. Als Folge kommt es dann zu zystischen Veränderungen und einer Abnutzung der Gelenklippe. Nach einiger Zeit gleichen diese Veränderungen dann denen einer Arthrose. Eher bei Männern und Leistungssportlern sieht man das Cam- oder Nockenwellen-Impingement. Hier ist der sonst kugelrunde Hüftkopf verbreitert und wird bei Bewegung in die Gelenkpfanne gepresst. Im ungünstigen Fall, beispielsweise bei besonders starker Belastung, kann dadurch der Knorpel in der Gelenkpfanne von außen nach innen abreißen.

Frühe Diagnose oft schwierig

Gerade um solch schwerwiegende Schäden zu verhindern, ist die frühe Diagnose entscheidend. Das aber ist schon deshalb schwierig, weil die Beschwerden meist unspezifisch sind. Neben Schmerzen in der Hüfte berichten die Patienten über ausstrahlende Schmerzen oft in den Rücken, oder in die Leiste und sogar bis in den Oberschenkel und das Knie. Grund sind zwei in der Lendenwirbelsäule zusammenlaufende Nerven, die den Schmerz weiter leiten (N. femoralis und N. obturatorius). Auch im Röntgenbild sind anfangs die Unregelmäßigkeiten schwer erkennbar, oft sind dann spezielle Röntgen- oder MRT-Aufnahmen nötig. Bleiben die Knochenunebenheiten unentdeckt, führt das Impingement auf Dauer zum Knorpelverschleiß und damit zur Hüftgelenksarthrose und doch zum Kunstgelenk.

Test gibt Aufschluss
Das Hüftgelenk hat eine relativ große Bewegungsfreiheit, es kann sechs unterschiedliche Bewegungen ausführen: Beugung und Streckung, eine Bewegung zur Körpermitte und von der Körpermitte weg, sowie die Drehung nach innen und außen. Der für ein Impingement typische Schmerz tritt auf, wenn zwei dieser Bewegungen schnell und gleichzeitig ausgeführt werden. Während der Patient auf dem Rücken liegt, bewegt der Arzt das Bein. Streckt es beispielsweise und dreht es gleichzeitig schnell nach innen. Oder beugt es und dreht es schnell nach außen. Verspürt der Patient dann einen einschießenden Schmerz in der Leiste, ist das ein Zeichen für ein Impingement.

Überschüssiges Gewebe bei Spiegelung entfernen
Anfangs und in frühen Stadien gelingt eine Entlastung und Schmerzreduktion mit einer gezielten Physiotherapie. Gerade bei früher Diagnose ist auch eine Hüftgelenksarthroskopie hilfreich, da sich damit der weitere Verschleiß aufhalten oder zumindest verlangsamen lässt. Bei der Spiegelung wird der Operateur überschüssiges Gewebe entfernen. Danach, sollte das Gelenk wieder frei und ohne Anstoßen zu bewegen sein. Es ist möglich und wahrscheinlich, dass im Laufe von Jahren das Gewebe wieder nachwächst. Die Hüftgelenkspiegelung wird noch nicht so lange eingesetzt wie die Kniespiegelung. Zudem setzt es eine bestimmte Haltekonstruktion des Beines am Operationstisch voraus, um das Gelenk wirklich gut einsehen und den Knochenvorsprung entfernen zu können. Patienten sollten daher sorgsam einen erfahrenen Operateur suchen.

Weitere Informationen

Kleines Training für die Füße

1. Fußkreisen
Auf einem Stuhl sitzen, Fuß frei links und rechts herum kreisen. Wenn Sie wollen, können Sie den Fuß mit der Hand unterstützen.

2. Fußgewölbedehnung
Auf Stuhl setzen, Knie anwinkeln und den Fuß auf die Stuhlkante stellen. Eine Hand greift von der Seite die große Zehe, die andere von der anderen Seite die kleine. Beide Seiten werden vorsichtig nach unten gebogen, so dass sich der Fuß nach oben wölbt. Wer selbst seine Füße nicht erreicht, kann die Übung mit einem Helfer machen.

3. Fußkräftigung
Hinter den Stuhl stellen und die Lehne halten, um sicheren Stand zu bekommen. Zunächst im Wechsel, dann gleichzeitig auf die Zehenspitzen stellen.

4. Fußgymnastik
Auf einen Stuhl setzen und mit den Zehen beispielsweise einen Bleistift vom Boden aufheben. Oder eine Zeitung mit den Zehen in kleine Schnipsel reißen – das stärkt die Fußmuskulatur. Auch Trampolinspringen ist gut für die Füße.

5. Fußmassage
Auf einem Stuhl sitzen und einen Igelball oder eine Blackroll unter der Fußsohle umher rollen. Dabei Druck auf den Ball variieren. Wer keinen Igelball hat, kann auch erstmal mit einem Tennisball starten.

6. Achillessehnendehnung
Stellen Sie sich barfuß in Laufrichtung mit beiden Füßen vor eine Wand. Dann einen Fuß hüftbreit nach hinten stellen und dabei die Ferse am Boden belassen bzw. nach unten drücken. Mit der Übung wird die Achillessehne gedehnt. Die Übung 5 Mal wiederholen und nach einer Pause von 30 Sekunden weitere 5 Mal. Bein wechseln.

Ende der weiteren Informationen

Autorin: Eva Maria Siefert

Sendung: hr-fernsehen, "service: gesundheit", 21.02.2019 18:50 Uhr