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zum Video Plasma gegen Bakterien

In der Medizin werden heiße Plasmen bereits seit den 1960er-Jahren eingesetzt, vorwiegend um Instrumente zu sterilisieren, aber auch um Blutgefäße zu veröden. Doch erst seit den 1990er Jahren ist es möglich, auch kalte Plasmen zu erzeugen, die körperverträgliche Temperaturen unterhalb von 40 Grad Celsius haben.

Verwendung finden vor allem Sauerstoff und Stickstoff. Das dann erzeugte Niedertemperatur-Plasma enthält nur teilweise ionisierte Gase. Die darin enthaltenen freien Elektronen sind extrem reaktionsfreudig. Es entstehen reaktive Radikale wie Superoxidradikale, Hydroxylradikale, Stickstoffmonoxid, Stickstoffdioxid und atomarer Sauerstoff, die vor allem antibakteriell wirken.

Nebenwirkungsfreie Bakterienvernichtung

Ohne dass auf eine Wunde Desinfektionsmittel aufgetragen wird, kann eine Kaltplasmabehandlung die Bakterienbesiedlung in erheblichem Umfang (bis zu 99,9 %) reduzieren. Das ist vor allem deshalb besonders bemerkenswert, weil Patienten mit chronischen Wunden öfter stationär in Kliniken behandelt werden, in den Wunden zudem immer wieder Bakterien nachweisbar sind, weshalb diese Patienten dann auch mehrfach antibiotisch behandelt werden. Durch diesen Teufelskreis finden sich in solchen Wunden gehäuft multiresistente Keime, gegen die kaum noch ein bekanntes Antibiotikum wirkt. Die Wirkung des kalten Plasmas auf Bakterien, Pilze und Viren ist offenbar vielfältig. Nachgewiesen ist, dass die enthaltenen freien Radikale das Erbgut der Keime zerstören, ohne dass Gleiches dann auch bei den menschlichen Zellen der Umgebung passiert. Grund dafür ist offenbar, dass das empfindliche Erbgut in unseren menschlichen Zellen durch den umgebenden Zellkern besonders geschützt wird. Der aber fehlt den krankmachenden Keimen. Experten glauben, dass dies ein Grund für die gute keimabtötende Wirkung ist.

Keine Kostenübernahme durch GKV

Bisherige Studien konnten keine erheblichen Nebenwirkungen der Plasmatherapie nachweisen. Neben der Vernichtung aggressiver Keime regt die Plasmatherapie aber auch die Zellteilung, die Durchblutung und Regeneration des Gewebes an, was die Abheilung der chronischen Wunden beschleunigt. Wodurch diese Effekte entstehen, ist noch unbekannt und Forschungsgegenstand. Derzeit wird die Plasmatherapie vor allem bei Wundheilungsstörungen und in der Zahnheilkunde bei Kiefernekrosen angewendet. Allerdings müssen Arzt und Patient einiges an Geduld aufbringen, denn das kalte Plasma muss mehrere Wochen regelmäßig angewendet werden, bis die Wunde gänzlich abgeheilt ist. Da die Therapie aber noch sehr neu ist, wird die Behandlung auch nicht von den gesetzlichen Kassen übernommen. Bei privat Versicherten gibt es Einzelfallentscheidungen zur Kostenübernahme durch deren Versicherung.

Hoffnung auch für die Tumortherapie

Im Zuge der Forschungen zeigte sich in Laborversuchen auch ein wachstumshemmender Effekt der Plasmatherapie auf entartete Zellen. Dabei setzt das Plasma offenbar die sogenannte Apoptose wieder in Gang, eine Art Selbstzerstörungsprogramm kranker Zellen, das in entarteten Zellen meist nicht mehr funktioniert. Durch die Apoptose aber werden auch kleinste, lange noch nicht sichtbare Zellentartungen entdeckt, die Zellen vernichtet und nach einigen Tagen bilden sich dann gesunde Ersatzzellen und die Wunde kann abheilen. Hier allerdings stecken die Forschungen noch in den Kinderschuhen. Zudem können so nur kleine Tumornester, die sonst kaum entdeckt und behandelt werden können, therapiert werden. Denn die Plasmatherapie wirkt nur an der Oberfläche. Größere Krebsgeschwulste lassen sich damit nicht entfernen.

Weitere Informationen

Adressen und Internetlinks

Berufsverband Der Deutschen Dermatologen e. V. (BVDD)
Robert-Koch-Platz 7
10115 Berlin
Telefon: 030 24625353
Internet: www.uptoderm.de

Nationales Zentrum für Plasmamedizin e. V.
Langenbeck-Virchow-Haus
Luisenstr. 58/59
10117 Berlin
E-Mail:info@plasma-medizin.de
Internet: www.plasma-medizin.de/

Internetlinks:

  • www.medizintechnologie.de/infopool/medizin-technologie/2017/heisser-hoffnungstraeger/

Informationen zur Kaltplasmatherapie auf den Seiten der nationalen Informationsplattform Medizintechnik, Plattform wird gefördert vom BM für Bildung und Forschung.

  • www.wissenschaft.de/archiv/-/journal_content/56/12054/5800943/Kaltes-Plasma-–-ein-Wunderstoff%3F/

Link zu einem Artikel der Zeitschrift >Bild der Wissenschaft< über die Möglichkeiten der Plasmatherapie nicht nur in der Medizin

Ende der weiteren Informationen

Autorin: Eva Maria Siefert

Sendung: hr-fernsehen, "service: gesundheit", 25.01.2018 18:50 Uhr