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Viele Menschen können nicht einschlafen, wachen während der Nacht immer wieder auf oder empfinden ihre Schlafdauer als zu kurz. Nach Ansicht von Experten leiden mehr als zehn Prozent der Deutschen unter unspezifischen Schlafstörungen.

Schlafstörungen sind Stress für unser Herz

Viele Menschen können nicht einschlafen, wachen während der Nacht immer wieder auf oder empfinden ihre Schlafdauer als zu kurz. Nach Ansicht von Experten leiden mehr als zehn Prozent der Deutschen unter unspezifischen Schlafstörungen. Weniger als 42 Stunden Schlaf pro Woche gelten als Schlafmangel. Wer häufig schlecht schläft, nicht einschlafen oder durchschlafen kann, hat ein bis zu 30 Prozent höheres Risiko, eine schwere Herz-Kreislauferkrankung wie Herzinfarkt, Herzschwäche oder Schlaganfall zu entwickeln. Studien zeigen: Ständiger beruflicher oder privater Stress sind für jeden dritten Herzinfarkt verantwortlich. Welche Symptome sind typisch und wie kann man vorbeugen?

Körperliche Ursachen von Schlafstörungen

Häufig hat eine Schlafstörung körperliche Ursachen wie Diabetes, Asthma oder eine Schilddrüsenfehlfunktion. Auch eine Depression, wechselnde Arbeitszeiten und Schichtarbeit können zu Schlafstörungen führen. In schlaflosen Nächten kann es zu einer depressiven Verstimmung kommen. Wer zwischen zwei und vier Uhr nachts noch wach ist, grübelt eher über Probleme, die tagsüber meist nicht so bedrohlich wirken. Bei Frauen können die Wechseljahre der Auslöser sein. Sie haben dann ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, weil die gefäßschützende Wirkung der Östrogene wegfällt. Außerdem steigt in den Wechseljahren oft der Blutdruck.

Übergewicht durch zu wenig Schlaf

Wer im Durchschnitt weniger als sechs Stunden pro Nacht schläft, hat außerdem ein Risiko, eine Zuckerstoffwechselstörung zu entwickeln. Außerdem schwinden auf Dauer die Kräfte, ein Ausgleich durch Sport ist oft nicht mehr möglich. Viele Menschen mit Schlafstörungen haben nach einer durchwachten Nacht Heißhungerattacken, vor allem auf Süßes. Dadurch steigt oft das Körpergewicht.

Hoher Blutdruck in der Nacht

Bei Menschen, die schlecht schlafen, bleibt der Blutdruck nachts zu hoch und senkt sich nicht ab. Bei Schlafmangel bleibt außerdem die Herzfrequenz bei rund 80 Schlägen pro Minute, statt auf 50 bis 60 zu sinken. Beides wirkt sich negativ auf die Gefäße aus - das Risiko für Arteriosklerose steigt.

Schlafstörungen behandeln

Sind Vorerkrankungen und Schnarchen als Ursachen von Schlafstörungen ausgeschlossen, empfehlen Mediziner eine Restriktionstherapie, Entspannungsverfahren und Medikamente:

  • Restriktionstherapie: Ziel ist es, einen möglichst hohen Schlafdruck aufzubauen. Dazu gehen Betroffene später als gewöhnlich ins Bett und stehen früher auf. Dadurch soll sich die im Bett verbrachte Zeit der tatsächlichen geschlafenen Zeit annähern. Die Schlafdauer sollte mindestens sechs Stunden betragen. Die Therapie darf nur unter medizinischer Aufsicht durchgeführt werden. Sie gilt als wirksam, aber anspruchsvoll - viele Betroffene brechen sie ab.
  • Entspannungsverfahren: Schon mit 30 Minuten Meditation pro Tag können Betroffene lernen, zur Ruhe zu kommen, auch wenn sie beim Einschlafen unter Zeitdruck stehen.
  • Schlafmittel: Schlafmittel sollte man nicht länger als zehn Tage einnehmen und danach mindestens ebenso lange absetzen. Als besonders gefährlich gelten sogenannte Benzodiazepine, weil sie abhängig machen können.
  • Antidepressiva: Ebenfalls schlaffördernd in kleinen Dosen sind Antidepressiva. Sie sollten nur in Absprache mit dem Arzt genommen werden. Die Wirkung tritt in der Regel erst nach Tagen bis Wochen ein.

Bisher wird schlechter Schlaf von Krankenkassen nicht als Krankheit anerkannt und auch von vielen Ärzten nicht ernst genommen, kritisieren Experten. Tatsächlich seien Schlafstörungen als Risikofaktor aber so gravierend, dass sie stärker beachtet werden sollten. Bei Frauen in den Wechseljahren könne zeitweise eine Hormontherapie sinnvoll sein.

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Tipps für gesunden Schlaf

Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin gibt diese Tipps für einen gesunden Schlaf:

  • jeden Tag um dieselbe Zeit aufstehen
  • in einem bequemen Bett schlafen
  • Schlafzimmer richtig abdunkeln, zum Beispiel Wecker mit heller Anzeige zur Seite stellen
  • nur schlafen gehen, wenn man wirklich müde ist
  • regelmäßig Sport treiben.
  • vor dem Zubettgehen Entspannungsrituale durchführen, zum Beispiel 30 Minuten Meditation
  • mindestens vier Stunden vor dem Zubettgehen keine koffeinhaltigen Getränke oder Medikamente einnehmen
  • kurz vor dem Schlafen nicht rauchen
  • Mittagsschlaf vermeiden.
  • Alkoholkonsum reduzieren oder ganz auf Alkohol verzichten
  • Schlaftabletten vermeiden oder sparsam einsetzen, maximal zehn Tage in Folge. Nie zusammen mit Alkohol einnehmen.
  • aufstehen, wenn man nicht einschlafen kann.
  • beim Einschlafen nicht auf die Uhr schauen, damit kein Zeitdruck entsteht.
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Schlafen in vier Phasen

Im Schlaf verarbeitet der Körper Erlebnisse und gibt Kraft für den nächsten Tag. Dabei durchläuft er einen Zyklus aus vier Phasen:

  • Die Einschlafphase dauert 5 bis 20 Minuten.
  • In der Schlafphase entspannt sich der Körper noch mehr, die Pupillen werden enger, die Augenbewegungen kommen zum Stillstand. Bei Schnarchern sind laute Atemgeräusche zu hören.
  • In der Tiefschlafphase sammelt der Körper neue Kräfte und erholt sich. Das Herz schlägt langsamer, der Blutdruck sinkt.
  • In der Traumschlafphase bleiben die Muskeln schlaff, die Körperreflexe sind ausgeschaltet. Dafür arbeitet das Gehirn: Die Pupillen weiten sich, die Augen rollen schnell und unkontrolliert (Rapid Eye Movement).

Nach etwa anderthalb Stunden beginnt der Zyklus erneut. Bis zum Aufwachen wiederholen sich die Phasen bis zu fünf Mal.

Warum Stress uns Lebenszeit kostet

Stress versetzt Körper in Alarmbereitschaft

Problematisch ist Dauerstress, denn Stress verstärkt sich, wenn man sich zwischendurch nicht hin und wieder entspannt oder mit Bewegung für Ausgleich sorgt. Immer mehr Menschen macht das krank - bis hin zum Herzinfarkt. Eigentlich soll Stress den Körper bei Gefahr in Alarmbereitschaft versetzen: Drohte früher eine Verletzung oder lief ein gefährliches Tier über den Weg, machte sich der Körper so bereit zu kämpfen oder wegzulaufen. Deshalb werden bei Angst und Anspannung die Stresshormone Adrenalin und Kortisol ausgeschüttet, um Reaktions- und Leistungsfähigkeit zu steigern: Die Gefäße weiten sich, Blutdruck und Pulsfrequenz steigen, mehr Blut fließt durch die Adern und zugleich wird die Gerinnung aktiviert, damit man im Fall einer Verletzung nicht verblutet.

Dauerstress: Gefäße verengen sich

Bei Dauerstress passiert genau das Gegenteil: Die Gefäße verengen sich, es kommt schneller zur Ablagerung von Fett und Kalk in den Gefäßwänden. Und diese Arteriosklerose ist eine Vorstufe des Herzinfarkts. Viele Betroffene sind sich ihres Stresslevels gar nicht bewusst. Umso wichtiger ist es, Alarmzeichen ernst zu nehmen: Druck und Schmerzen in der Brust, Übelkeit, Unruhe, Schmerzen in Arm oder Rücken sind typische Zeichen eines Herzinfarkts. Dann sofort den Notarzt rufen, jede Minute zählt!

Entspannung ist wichtig!

In der Reha lernen Infarktpatienten den Stresslevel zu reduzieren, indem sie entspannen, Leistungsdruck verringern und Stress mit Bewegung abbauen. Einige Patienten müssen aber zunächst lernen, ihre Belastung überhaupt wahrzunehmen: Sie müssen erkennen, dass es nicht normal ist, dauernd unter Hochdruck zu arbeiten. Gut als Ausgleich sind zum Beispiel Entspannungstechniken wie die Progressive Muskelentspannung zu erlernen.

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Experten im Beitrag

Dr. Andrea Iwansky
Fachärztin für Innere Medizin, Pneumologie
Colonnaden 9, 20354 Hamburg
Telefon: 040/342281
Internet: www.facharztpraxis-colonnaden.de

Prof. Dr. Johann Bauersachs, Direktor
Klinik für Kardiologie und Angiologie
Zentrum Innere Medizin
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover
Telefon: 0511/5323841
Internet: www.mh-hannover.de

Dr. Melanie Hümmelgen
Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie
Leitende Ärztin der Kardiologischen Abteilung und stellv. Ärztliche Direktorin
RehaCentrum Hamburg
Martinistraße 66
20246 Hamburg
Telefon: 040/253063505
Internet: www.rehahamburg.de

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Patientenratgeber zu Schlafstörungen zum Herunterladen:
Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM)
DGSM-Geschäftsstelle, c/o HEPHATA-Klinik
Schimmelpfengstraße 6
34613 Schwalmstadt-Treysa
Internet: www.dgsm.de

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Sendung: hr-fernsehen, "Unser Herz - jeder Schlag zählt", 09.01.2019, 21:00 Uhr