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Es rauscht, pfeift, zischt oder rattert im Ohr, und bei fast jedem ist ein solches Geräusch schon mal kurz im Ohr aufgetaucht und zum Glück kurz darauf wieder vollständig verschwunden.

Bei manchen Menschen allerdings nisten sie sich als Dauertöne in Ohr und Kopf ein und bereiten den Betroffenen erheblichen Qualen. Mancher erträgt dann die Stille beim Waldspaziergang nicht mehr, andere den Geräuschpegel in einem Raum voller Menschen. Als Tinnitus aurium, der lateinische Begriff für "das Klingeln in den Ohren", bezeichnen Ärzte die Hörwahrnehmung eines Individuums, die allerdings niemand außer diesem Menschen hören kann. Deshalb auch subjektiver Tinnitus. Ein konstanter, pulssynchroner Dauerton, der also im Rhythmus des Herzschlags auftritt, kann dagegen auch durch eine Gefäßmissbildung ausgelöst werden, dann spricht man von einem objektiven Tinnitus, dessen Ursache beispielsweise mit einer OP behoben werden kann.

Weitere Informationen

Ausgewählte Adressen in Hessen für Tinnitus und Hyperakusis

Deutsche Tinnitus-Liga e.V. (DTL)
Postfach 210351 42353 Wuppertal
Telefon: 0202 24652-0 (Zentrale)
E-Mail: dtl@tinnitus-liga.de
Internet: www.tinnitus-liga.de

Deutsche Gesellschaft für Hals- Nasen- Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie, e.V.
Geschäftsstelle
Friedrich-Wilhelm-Str. 2
53113 Bonn
Telefon  0228 923922-0
E-Mail: info@hno.org

Tinnitus-Klinik Dr. Hesse
am Krankenhaus Bad Arolsen
Große Allee 50
34454 Bad Arolsen
Telefon: 05691 800330
E-Mail: info@tinnitus-klinik.net
Internet: www.tinnitus-klinik.net

MEDIAN Kaiserberg-Klinik
Bad Nauheim
Am Kaiserberg 8-10
61231 Bad Nauheim
Telefon: 06032 7030
Internet: www.median-kliniken.de/de/standorte/median-kaiserberg-klinik-bad-nauheim/klinikprofil/

HELIOS Rehakliniken Bad Berleburg - Baumrainklinik
Lerchenweg 8
57319 Bad Berleburg
Telefon: 02751 8830000
Internet: http://www.helios-kliniken.de/klinik/bad-berleburg-baumrainklinik.html

Tinnitus Hyperakusis Zentrum
Goethestraße 21
60313 Frankfurt
Telefon: 069 20336
E-Mail: kontakt@tinnitusabhilfe.de
Internet: http://www.tinnitus-frankfurt.de/

Tinnitus-Center der Kopfklinik Frankfurt GmbH
Dreieichstraße 59
60594 Frankfurt/Main
Telefon: 069 507758-0
E-Mail: info@tinnitus-center-frankfurt.de
Internet: http://www.tinnitus-center-frankfurt.de/

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Dadurch kann ein Tinnitus ausgelöst werden:

  • Lärm, Hörsturz, Knalltrauma, Schwerhörigkeit
  • Stress
  • Schnupfen, starke Erkältung, Mittelohrentzündung
  • Verstopfter äußerer Gehörgang (meist durch Ohrenschmalz), Fremdkörper im Gehörgang
  • Tauchunfälle,Probleme in der Halswirbelsäule, Arthrosen und Fehlstellungen im Kiefergelenk, Otosklerose (Verkalkung und damit Unbeweglichkeit der Gehörknöchelchen)
  • Morbus Menière (Drehschwindel)
  • Medikamente, meist jedoch nur bei zu hohen Dosierungen, z.B. Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure, Entwässerungsmittel wie Furosemid, Antiepileptika wie Carbamazepin, Asthmamittel wie Salbutamol oder Aminophyllin, das Parkinsonmedikament  Levodopa, die Antibiotika Tetra- und Doxyzyklin und Aminoglykoside, Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol oder so genannte KO-Tropfen (GHB, 4-Hydroxybutansäure)]

Hohe Spontanheilungsrate

Und das sind nur einige der vermutlich über 400 verschiedenen auslösenden Faktoren. So viele verschiedene Auslöser fanden sich bei einer Mitgliederbefragung der Deutschen Tinnitus-Liga, einer der größten Selbsthilfeorganisationen Deutschlands. Ähnlich wie Schmerz ist der Tinnitus deshalb eher ein Symptom und keine eigenständige Krankheit, ist das Pfeifen, Brummen oder Klingeln im Ohr ein Warnsignal des Körpers, dass bei den Betroffenen im körperlichen oder seelischen Bereich etwas nicht in Ordnung ist. Da niemand die Entstehungsursache des Tinnitus kennt, und der Dauerton in 60 bis 80 Prozent der Fälle innerhalb weniger Tage spontan wieder verschwindet, gibt es keine eindeutigen Behandlungsempfehlungen. Häufig bekommen die Patienten durchblutungsfördernde Medikamente entweder in Form von Infusionen oder Tabletten, hochdosiertes Kortison oder Viren hemmende Mittel werden gegeben.

Fehlerhafter Lückentext

Wissenschaftler vermuten, dass Tinnitus durch eine fehlerhafte Informationsverarbeitung im Gehirn ausgelöst wird. Dass nach einer Schädigung der feinen Haarzellen im Innenohr, beispielsweise durch Lärm oder eine Durchblutungsstörung, das Gehirn versucht, wie beim Ausfüllen eines Lückentextes die nun fehlenden Signale aus diesen durch Rückkopplung auszugleichen. Möglicherweise nimmt unser Gehirn aber auch die elektrischen Impulse beschädigter Zellen überdeutlich wahr. So wie auch Tinnitus-Geplagte ihr eigenes Ohrgeräusch übermäßig laut hören, obwohl der Dauerton in Wirklichkeit nur knapp 20 Dezibel (dB) über der Hörschwelle liegt. Also eigentlich nur so laut ist wie das Rauschen von Blättern im Wind. Auch deshalb können sich Gesunde kaum vorstellen, warum die Betroffenen unter diesem Geräusch so leiden.  

Zermürbende Dauerbeschallung

Experten glauben, dass die rund-um-die-Uhr-Dauerbeschallung vergleichbar ist mit Dauerlärm, und deshalb ähnliche Auswirkungen hat: Die Betroffenen fühlen sich gemartert, schlafen schlecht, können sich schlecht konzentrieren und leiden sehr oft an Depressionen und einem deutlichen Verlust an Lebensqualität. So sehr, dass bei diesen Patienten sogar Selbstmordabsichten aufkommen. Wegen dieser schweren Belastung sollte ein Tinnitus auch frühzeitig, also noch im Akutstadium, von erfahrenen Ärzten behandelt werden. Für die Einordnung in einen akuten oder chronischen Tinnitus ist die Dauer des Ohrgeräusches entscheidend. Besteht der Tinnitus weniger als drei Monate, spricht man von einem akuten Tinnitus, alles was länger besteht, gilt als chronisch.

Hinhören verlernen

Die Experten sind sich einig, dass es beim Tinnitus zu einer fehlerhaften Verarbeitung von Hörreizen in der Hörrinde kommt. Genau hier setzen auch die unterschiedlichen Therapien an, deren Ziel es ist, entweder durch eine Art Grundrauschen das Geräusch immer leiser werden zu lassen, oder das „falsche“ Hinhören wieder zu verlernen. Beispielsweise ist es Wissenschaftlern der Universität Münster gelungen, mit einer maßgeschneiderten Klangtherapie bei ihrer Studiengruppe den Tinnitus zu lindern. Die Betroffenen haben dafür eine auf ihren Tinnitus abgestimmte, individuell modulierte Musik mehrere Stunden pro Woche gehört. Die Forscher hatten jeweils genau die Frequenzen aus der Musik herausgefiltert, die der individuellen Tinnitus-Frequenz entsprachen. Nach einem Jahr der Behandlung berichtete eine statistisch signifikante Zahl der Betroffenen aus der Studiengruppe, dass ihr Tinnitus leiser geworden sei.

Krankenkasse zahlt App

Die kommerziellen Anbieter von "Tinnitracks" setzen auf ein ähnliches Konzept, die Basis ihres Musikprogramms ist aber die hauseigene Musikbibliothek des Patienten. Der muss die durch den Hals-Nasen-Ohrenarzt festgestellte Frequenz des Ohrgeräusches angeben, dann wird die eigene Musikbibliothek durchsucht und geprüft, welche Songs sich eignen. Die sollte man dann in ruhiger Umgebung über Kopfhörer mindestens 90 Minuten täglich und über mindestens ein Jahr hören. Das Angebot wird zwar kritisch von Tinnitus-Experten und der Deutschen Tinnitus-Liga beäugt, inzwischen aber hat die Firma Verträge mit vielen Krankenkassen geschlossen, die die Kosten für die Frequenzbestimmung und die App auf dem Smartphone für zwölf Monate übernehmen.

Sendung: hr-fernsehen, "service: gesundheit", 28.09.2017, 18:50 Uhr