Wenn Diäten nicht mehr helfen – dann eine Magen-OP?

Bei der so genannten Schlauchmagen-OP entfernt der Chirurg einen Teil des Magens. Um den Gewichtsverlust noch zu verbessern, wird die Methode inzwischen häufig durch eine weitere Operation erweitert: Einige Monate nach der Magenverkleinerung wird ähnlich wie beim Magenbypass der Zwölffingerdarm vom Magen getrennt und erst im letzten Dünndarmdrittel wieder neu angeschlossen. Der Fachausdruck dafür: Duodenal Switch.

Dadurch werden die Verdauungssäfte erst im letzten Dünndarmabschnitt zugeführt, was die Aufnahme von Stärke und Fett deutlich reduziert. Die Kombination beider Verfahren erzielt den größten Gewichtsverlust; Patienten mit extremer Adipositas (BMI > 50) profitieren ebenso wie Betroffene mit einem insulinpflichtigen Diabetes.

OP meist erst nach Scheitern anderer Methoden

Was jetzt so einfach klingt, ist es keineswegs. Denn je nach OP-Methode müssen viele Tabletten eingenommen werden, um Vitamine und Mineralstoffe zu ersetzen. Es muss ein vorgegebener Ernährungsplan eingehalten werden, weil es sonst zu Mangelzuständen kommt. Deshalb haben bariatrische Operationen nichts mit Lifestyle und schnellem Abnehmen zu tun und kommen erst in Betracht, wenn zuvor andere Methoden zur Gewichtsreduktion versucht wurden und gescheitert sind. Die Operationen sind zum Teil komplizierte und schwerwiegende Eingriffe, die manchmal dauerhafte und belastende Verdauungsstörungen zur Folge haben können. Die Operation kann in vielen Fällen nicht wieder rückgängig gemacht werden, deshalb sollte vor einem solchen Eingriff eine gute Beratung und eine längere Bedenkzeit in Anspruch genommen werden. Zudem übernehmen die Krankenkassen die Kosten für einen solchen Eingriff nicht regelhaft und meist nur dann, wenn andere Methoden zum Abnehmen erfolglos geblieben sind.

Lebenserwartung steigt

Die Operation ist dann sozusagen der letzte Ausweg. Für extrem übergewichtige Diabetiker allerdings, das haben Studien ergeben, bietet sich so im Vergleich zu nichtoperierten übergewichtigen Diabetikern die Chance auf ein längeres Leben. Untersucht wurde das unter anderem in einer großen schwedischen Studie. Hier nahmen Patienten nach bariatrischen Operationen nicht nur deutlich stärker und dauerhaft ab, sie erlitten auch 30 Prozent weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle und sogar 50 Prozent weniger Todesfälle durch ein solches Ereignis. Denn generell gilt: Wer über Jahre einen BMI über 40 hat, dessen durchschnittliche Lebenserwartung verkürzt sich um 10 bis 15 Jahre. In der schwedischen Studie waren die operierten Patienten auch bei weiteren Faktoren wie Lebensqualität, Krebserkrankungen, Gelenkverschleiß und Diabetes deutlich im Vorteil.

Wann zahlt die Krankenkasse?

Grundlage der Kostenübernahmeentscheidung der Krankenkassen sind die wissenschaftlichen Leitlinien der Deutschen Adipositas-Gesellschaft. Vor der OP muss immer ein Antrag gestellt und der Eingriff dann von den Kassen genehmigt werden. Oft haben einzelne Kassen auch mit ganz bestimmten Zentren Vergütungsvereinbarungen. Am einfachsten ist es, sich zunächst bei einem Adipositaszentrum vorzustellen, weil man dann schon erfährt, ob eine Operation nötig und möglich ist. Falls ja, dann bietet das Zentrum in der Regel aktive Hilfe beim Erstellen und Ausfüllen des Kostenübernahmeantrags bei der Krankenkasse. Informationen und Hilfe findet man sonst auch noch bei Selbsthilfegruppen.

Voraussetzungen für die Kostenübernahme einer bariatrischen Operation durch gesetzliche Krankenkassen:

  • Alter zwischen 18 und ca. 65 Jahren
  • BMI > 40 kg/m²; oder BMI > 35 kg/m² mit erheblichen Begleiterkrankungen (bspw. Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck, Schlafapnoe)
  • Erschöpfung aller konservativen Behandlungsmöglichkeiten - darunter versteht man mindestens zwei dokumentierte vergebliche Versuche, das Gewicht zu reduzieren, entweder unter ärztlicher Aufsicht oder im Rahmen von Selbsthilfegruppen oder anderen Diätgruppen (z. B. Weight Watchers®)
  • Eher genehmigt wird der Antrag, wenn der Betreffende nachweisen kann, dass eine gezielte Ernährungstherapie (mit Ernährungsberater/Ernährungsmediziner  - mindestens sechs Monate), eine mehrmonatige Bewegungstherapie oder auch eine Verhaltenstherapie (psychologische Stellungnahme hier aber oft ausreichend) nicht zu einer dauerhaften Gewichtsreduktion führten
  • Indikation wegen schwerer Begleit- und Folgeerkrankungen, Immobilität, sehr hoher Insulinbedarf oder spezieller psychosozialer Umstände
  • tolerables Operationsrisiko
  • ausreichende Motivation des Betroffenen auch zur Einhaltung von Ernährungsvorgaben, regelmäßiger Kontrolltermine und gesunder Lebensführung nach der OP
  • keine manifeste psychiatrische Erkrankung (keine Suchtkrankheiten oder Essstörungen)
  • psychiatrisches/psychotherapeutisches Gutachten bzw. entsprechende Stellungnahme
  • Möglichkeit einer lebenslangen medizinischen Nachbetreuung
Weitere Informationen

Links

Eine Übersicht über die möglichen operativen Methoden finden Sie auf den Internetseiten des Adipositaszentrums Fulda https://www.klinikum-fulda.de/medizinischezentren/adipositaszentrum/operationsverfahren-im-detail/

Übersicht über zertifizierte Zentren Adipositas- und metabolische Chirurgie der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie e.V.
http://www.dgav.de/zertifizierung/zertifizierte-zentren/adipositas-und-metabolische-chirurgie.html

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-fernsehen, "service: gesundheit", 14.03.2019, 18:50 Uhr