Mann steht barfuß in kaltem Wasser.

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zum Video Kneipp – Mit kalten Güssen fit gegen Infekte

Vor mehr als 100 Jahren hat der Bäderarzt und Pfarrer Sebastian Kneipp die Kur erfunden - und noch immer ist sie äußerst beliebt. Das hat einen Grund: Kneippen fördert nicht nur die Durchblutung und stärkt den Kreislauf, sondern bringt auch das Immunsystem nach vorne.

Einen kalten Wasserstrahl gleichmäßig über das Gesicht laufen lassen, beginnend von rechts über die Stirn nach links und das mehrfach wiederholen - dieser Gesichtsguss macht den Körper fit gegen Infekte im Winter. Der Bäderarzt und Pfarrer Sebastian Kneipp hat die Wassertherapie zur Stärkung des Immunsystems vor mehr als 100 Jahren erfunden. Bei regelmäßiger Anwendung wirkt das mit 16 bis 17 Grad Celsius sehr kühle Nass als Heilmittel. Es aktiviert den Stoffwechsel, stabilisiert den Kreislauf und regt das Immunsystem an.

Pfarrer Kneipp hat die Wassertherapie zur Stärkung des Immunsystems erfunden. Studien zufolge genügt es schon, die Güsse an einzelnen Körperstellen durchzuführen.

Effekt ist wissenschaftlich belegt

Wissenschaftler der Universität Jena haben die Wirksamkeit in Studien eindeutig belegt: Die kalten Güsse nach Kneipp sind ein intensiver Reiz für den Körper und stärken so die Abwehrkräfte. Zur Abhärtung genügt es, die Güsse an einzelnen Körperstellen durchzuführen.

Kneippen im Gesicht - Gesichtwaschen mit kaltem Wasser
Auch kaltes Wasser im Gesicht wirkt - besser ist es jedoch die Anwendung mit einem W asserstrahl zu machen. Bild © Imago Images

Mediziner der Essener Abteilung für Naturheilkunde wendeten bei zwei Probanden die Wassergüsse im Gesicht an und untersuchten deren Immunglobulin vom Typ A (IgA-Status). Diese Abwehrkörper kommen im Speichel sowie in der Schleimhaut von Mund, Nase und Rachen vor. Dort sollen sie Eindringlinge abwehren - wie die Erreger von Schnupfen, Husten und grippalen Infekten. Die Abwehrkörper heften sich an die Viren und verhindern das Andocken an die Schleimhaut. Die Abwehrkörper locken zudem körpereigene Fresszellen an, die die Viren vernichten. Das funktioniert jedoch nur, wenn genügend Abwehrzellen vorhanden sind.

Die Probanden der Studie mussten Stirn und Wangen mit einem dicken, kalten Wasserstrahl langsam umspülen - nach der alten Kneipp-Regel dreimal hintereinander. Nach einer Woche mit Kneipp'schen Gesichtsgüssen morgens und abends sowie einer zusätzlichen Stimulation der Zungendurchblutung mit einer Zahnbürste wurde der IgA-Status der Probanden wieder gemessen. Das Ergebnis: Die IgA-Werte bei beiden Probanden stiegen, sie hatten ganze 25 Prozent mehr Immunglobulin als ohne regelmäßigen Gesichtsguss.

Schleimhautdurchblutung wird angeregt

Da zur Bekämpfung der meisten viralen Erreger keine Medikamente zu Verfügung stehen, ist eine starke Körperabwehr wichtig, um Infektionen im Nasen- und Rachenraum zu verhindern. Das Positive an den Kneipp-Güssen sei ihre durchblutungssteigernde Wirkung, vermuten die Experten. Zuerst ziehen sich die Blutgefäße vom kalten Wasser zusammen, dann erweitern sie sich stark - viel mehr Blut strömt hindurch. Je besser Nase, Rachen und Mundschleimhaut durchblutet sind, desto mehr IgA- und Fresszellen werden dort gebildet. Damit die kalten Güsse wirken, müssen sie regelmäßig durchgeführt werden - mindestens dreimal pro Woche.

Auch Wassertreten hilft

Neben den Gesichtsgüssen kann man die klassischen Kneipp-Anwendungen auch selbst durchführen. Zum Beispiel in einer Kneipp'schen Wassertretanlage. Die kalten Reize in Beinen oder an den Unterarmen fördern die Abwehrkräfte. Nur auskühlen sollte man dabei nicht, das würde den Organismus wieder schwächen. Drei bis maximal fünf Minuten pro Anwendung reichen.

Besser schlafen mit Kneipp

Eine neue Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) zeigt, dass Kneipp-Güsse auch gegen Schlafstörungen helfen. Die Güsse mit kaltem Wasser verringern die Körpertemperatur und das hilft beim Einschlafen. Deshalb schläft man auch in kühlen Zimmern oder bei offenem Fenster besser. Die Schlafstörungen der Probanden verringerten sich im Schnitt um 30 Prozent.

Sendung: hr-fernsehen, "service: gesundheit", 28.03.2019, 18:50 Uhr