Verengte Gefäße

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zum Video Wenn das Blut nicht mehr fließen kann - Schaufensterkrankheit

Schaufensterkrankheit wird es genannt, wenn Menschen aufgrund einer Durchblutungsstörung in den Beinen nur noch wenige Meter schmerzfrei gehen können. Ursache sind verengte Gefäße, die nicht mehr ausreichend Blut zu den Muskeln transportieren.

Zwanghaftes Bummeln - Schaufensterkrankheit

Der Schmerz kommt plötzlich, ist besonders heftig in den Waden und zwingt die Betroffenen zum Stehenbleiben. Nicht selten schon nach kaum 200 Metern. Wenn das die Patienten ihrem Arzt berichten, tippt der sofort auf die so genannte Schaufensterkrankheit. Eine gute Namensgebung, denn beim Gehen müssen die Betroffenen praktisch vor jedem Schaufenster anhalten und warten, bis die Schmerzen in der Wade nachlassen. Die heftigen, krampfartigen Wadenschmerzen treten nach immer kürzeren Gehstrecken auf. Dahinter stecken schwerwiegende Durchblutungsstörungen, verursacht durch Kalk- und Fettablagerungen in den Gefäßen. Im Extremfall kommt es zu einem vollständigen Gefäßverschluss.Ohne Operation droht dann sogar eine Amputation.

Mangelnde Durchblutung unter Belastung

Wenn es beim Gehen plötzlich in der Wade schmerzt, denken die Betroffenen meist an Magnesiummangel oder auch mal an schon bestehende Rückenprobleme. Das verzögert nicht selten die Diagnose, denn vor allem, wenn gleichzeitig Risikofaktoren für Gefäßverkalkungen existieren, steckt viel häufiger eine ernst zu nehmende Gefäßkrankheit hinter den Beschwerden: Bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) ist durch eine fortschreitende Verkalkung in den Arterien die Durchblutung in den Extremitäten gestört. Die Beine sind dabei häufiger betroffen als die Arme (Häufigkeit 9:1). Beschwerden treten vor allem bei Belastung auf: dann nämlich benötigen die Muskeln besonders viel Sauerstoff und damit mehr Blut. So durchströmen in Ruhe unsere Beine pro Minute etwa 120 bis 150 Milliliter Blut, bei zügigem Gehen aber beträgt die benötigte Blutmenge 500 - 1000 Milliliter!

Der Schmerz signalisiert den Sauerstoffmangel der Muskulatur

Die pAVK entwickelt sich schleichend und bleibt oft lange unbemerkt. Denn anfangs kann der Körper die Minderdurchblutung gut ausgleichen, beispielsweise indem er dünne, bisher wenig gebrauchte Gefäße für die Durchblutung öffnet. Unser Körper ist sogar in der Lage, neue Umgehungskreisläufe um verstopfte Gefäße herum zu bilden. Die Schmerzen treten meist nach einer bestimmten Gehstrecke auf, weshalb das Ausmaß der Durchblutungsstörung von den Ärzten auch durch die Länge der schmerzfreien Gehstrecke beschrieben wird. Mit dem Schmerz signalisieren die Muskeln, dass sie unter Sauerstoffmangel leiden. Der Schmerz entwickelt sich also aus denselben Gründen wie beispielsweise der Brustschmerz beim Herzinfarkt.

Schmerzort gibt Hinweise auf Verschluss

Egal ob in Armen und Beinen, am Herz oder beispielsweise in Organen wie Nieren oder Darm: Ist das versorgende Blutgefäß eingeengt, dann verspürt der Betroffene während der Belastung Schmerzen in den betroffenen Körperteilen. An den Beinen beispielsweise meist in den Waden, denn weiter weg vom Körperstamm sind die Blutgefäße kleiner. Ablagerungen engen dadurch den Gefäßdurchmesser stärker ein. Bei Wadenschmerz nach einer bestimmten Gehstrecke liegt die Engstelle meist im Oberschenkelbereich. Je nach Ort des Verschlusses verspüren die Betroffenen den Schmerz aber auch im Oberschenkel – beispielsweise bei Engstellen in den Beckengefäßen - oder im Fuß (bei Verengungen im Knie- oder Wadenbereich).

So entstehen die Gefäßverkalkungen

Der entscheidende Gewebeteil bei der Entstehung einer Arteriosklerose ist die zarte Gefäßinnenhaut, das so genannte Endothel. Ist dessen Funktion gestört, dann wird die dünne Innenwand durchlässig. An diesen Stellen dringt Blutplasma ein, also zellfreier Teil des Blutes. Dadurch quillt die Gefäßwand auf und die glatte Fläche wird uneben. An diesen unebenen Stellen bleiben nun immer mehr Fette (z. B. Cholesterin) aus dem Blut hängen und setzen sich fest. Die Zellen reagieren darauf mit Entzündungen, Botenstoffe werden frei gesetzt und locken Fresszellen an. Die fressen sich voll bis sie platzen, was weitere Fresszellen anlockt. Über Jahre wächst so die Fettablagerung immer weiter und bildet eine so genannte arteriosklerotische Plaque. Die Arterie wird dabei immer enger und verliert ihre Elastizität. Wenn nun dieser Plaque reißt, wird es gefährlich: Der Körper versucht sofort, den Riss mit einem Blutgerinnsel zuzumauern und das Blutgefäß verstopft.

So lässt sich eine pAVK nachweisen

Erste Hinweise gibt die Schilderung des Patienten, der über Schmerzen unter Belastung berichtet. Beispielsweise nach einer ziemlich konstanten Wegstrecke oder nach einer definierten Fahrradstrecke. Als Nächstes wird der Arzt an definierten Stellen an den Beinen und am Fuß den Puls ertasten (Leiste, Kniebeuge, hinter dem Sprunggelenk und über dem Fußspann). Mittels Ultraschall lassen sich die Arterien zweifach darstellen. Ein Pulston zeigt, dass das Gefäß pulsiert, Nebengeräusche geben Hinweise auf eine Engstelle. Im Bild lässt sich dann oft der einengende Kalk direkt erkennen. Vor allem wenn eine Operation zur Erweiterung verengter Gefäße geplant ist, müssen die Gefäße mit Kontrastmitteln dargestellt werden.

Nachweis ohne Hilfsmittel: Ratschow-Lagerungsprobe

Der Patient legt sich auf den Rücken, die Beine werden in einem Winkel von 90° angehoben. Dann soll der Patient nur die Füße im Sprunggelenk im schnellen Wechsel beugen und strecken. Etwa 30 solcher Bewegungen pro Minute. Nach zwei Minuten schnell aufsetzen und die Füße herabhängen lassen. Dann misst der Arzt, wie lange es dauert, bis sich die Venen am Fuß wieder füllen. Dabei gibt es folgende Richtwerte:

  • Innerhalb von 5 Sekunden zeigt sich eine leichte Rötung der Füße. Bei einer pAVK dauert es messbar länger (20 bis 60 Sekunden)
  • Die Venen am Fußrücken füllen sich innerhalb von 20 Sekunden - bei pAVK oft über 60 Sekunden
  • Weitere Hinweise auf eine pAVK: Schon während des Tests werden die Füße (oder ein Fuß) unnatürlich blass. Unterschiedliche Ergebnisse beider Füße. Schmerzen beim Test im Fuß (nicht im Gelenk!)

Der schleichende Krankheitsverlauf – unterschiedliche Stadien der pAVK

Stadium I
Die Verkalkungen sind zwar durch spezielle Untersuchungen wie den Arm-Bein-Index (s. u. Untersuchungsmethoden) oder eine Röntgendarstellung der Gefäße nachzuweisen, verursachen aber keine Beschwerden. Stadium I ist daher meist ein Zufallsbefund.

Stadium II
Das Blutgefäß ist bereits spürbar eingeengt, die Schmerzen beim Gehen zwingen den Betroffenen zu regelmäßigen Erholungspausen. Mediziner sprechen auch von einer „Claudicatio intermittens“ also einem „unterbrochenen Hinken“. Unterschieden wird hier das Stadium II a – Gehstrecke bis zum Schmerz größer als 200 Meter – vom Stadium II b. Hier liegt die schmerzfreie Gehstrecke unter 200 Meter.

Stadium III
Die Schmerzen treten jetzt bereits bei ganz geringen Belastungen oder sogar in Ruhe auf (-> Ruheschmerz!). Vor allem nachts, wenn die Beine horizontal liegen.

Stadium IV
Da nun die Durchblutung selbst in Ruhe nicht mehr ausreicht, werden vor allem weiter entfernte Gewebe zu schlecht durchblutet und ernährt. An den Beinen sind das die Zehen oder Teile des Fußes. Verletzungen heilen nicht mehr, es kommt zu Entzündungen, Hautverfärbungen, Zehen können absterben. Es droht die Amputation von Zehen oder gar des gesamten Fußes.

Autorin: Eva Maria Siefert

Sendung: hr-fernsehen, "service: gesundheit", 04.10.2018 18:50 Uhr