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zum Video Hyperakusius

Schwerhörigkeit kennt jeder, dass es aber auch ein "zu viel" an Tönen gibt, wissen nur Wenige. Obwohl die so genannte "Hyperakusis" häufig vorkommt und oft Menschen betrifft, die bestimmte Frequenzen schlecht hören.

Diese Menschen empfinden deshalb Gehörtes in diesem Frequenzbereich als viel zu laut und meist verzerrt, für alle die gut hören, sind die Geräusche dagegen "normal" laut. Um zu verstehen, wie es zu einer Hyperakusis kommt, ist es wichtig, etwas über die Verarbeitung unserer Höreindrücke im Gehirn zu wissen: Trifft ein Geräusch, genauer dessen Schallwellen, auf unser Ohr, gelangt es innerhalb eines Sekundenbruchteils zur Hörschnecke in unserem Innenohr. Dort wird das Geräusch in seine einzelnen Tonkomponenten (Frequenzen) zerlegt, jede Frequenz aktiviert andere Haarzellen, die diese Information dann als Nervenimpuls über die Hörbahnen zuerst zu einer Schaltstelle im Schläfenlappen des Gehirns und dann zum eigentlichen Hörzentrum sendet.

Erinnerungen und Erfahrungen prägen unseren Höreindruck

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Expertin

Gabriele Lux-Wellenhof
Hörakustiker-Meisterin
Akustika Spezial
Kaiserhofstraße 10
60313 Frankfurt
Telefon: 069 21979696
E-Mail: info@akustika-spezial.de, info@gabriele-lux-stiftung.de
Internet: www.akustika-spezial.de/,   www.ohrensausen.de

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Schon auf dem Weg wird das Gehörte bereits überprüft und bewertet, unwichtige Töne werden herausgefiltert, andere Töne bekommen eine besondere Priorität. Deshalb hören es Mütter sofort, wenn der eigene Nachwuchs nach einem Sturz weint, auch wenn gleichzeitig zehn andere Kinder toben und schreien. Das gilt auch für die Lautheit eines Geräusches, auch die wird nicht nur durch die tatsächliche Lautstärke bestimmt, sondern zu einem großen Teil durch unsere Eindrücke, Erfahrungen und Erinnerungen, die wir mit diesem Geräusch verbinden: beispielsweise mit dem Quietschen von Kreide auf einer Tafel. Die Hyperakusis beginnt deshalb oft damit, dass wir ein Geräusch als unangenehm empfinden, beim Hören negative Emotionen wie Angst verspüren. Daraus resultiert dann ein beständiges "Hinhören", ein Beachten und ständiges Suchen nach diesem Geräusch, wodurch das Hörzentrum genau für dieses Geräusch (oder bestimmte Geräusche) immer besser trainiert wird. Sie werden dann selbst bei geringer Lautstärke überlaut gehört und wahrgenommen.

Auslöser für eine Geräuschüberempfindlichkeit:

  • Vorausgegangener Hörsturz oder Tinnitus
  • Übermäßiger Stress
  • Furcht oder Angst vor lauten Geräuschen
  • Migräneerkrankung, besonders häufig bei einer komplizierten Migräne, meist nur vorübergehend
  • Begleitsymptom bei anderen neurologischen Erkrankungen wie Epilepsie, Multiple Sklerose oder einer Gesichtslähmung (s.g. Fazialisparese)
  • Medikamente (ähnlich wie beim Tinnitus)

Begleitsymptome sind häufig

Ständig bestimmte Geräusche zu laut zu hören und das einfach nicht kontrollieren zu können, macht uns schier wahnsinnig. Betroffene leiden deshalb nicht nur unter Angst, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, sondern auch unter einer Vielzahl von anderen Symptomen. Gerade zu Beginn sind Schwindel und Gleichgewichtsstörungen sowie Übelkeit und Schweißausbrühe häufig. Oft ist der Herzrhythmus unregelmäßig, Extraschläge und Herzrasen treten auf, der Blutdruck ist zu hoch. Da gerade die Kreislaufbeschwerden direkt mit den Ohrgeräuschen zusammen hängen, sollten diese zuerst behandelt werden. Oft verschwinden dann die Herz- und Blutdruckbeschwerden von alleine.

Alles auf Anfang und Hören neu lernen

Ziel der Therapie bei Tinnitus und Hyperakusis ist es, die auf die „falschen“ Geräusche gerichtete Aufmerksamkeit umzulenken: sozusagen das Hinhören zu verlernen. Die augenblicklich am häufigsten hierzu angewendete Methode ist die Retraining-Therapie. Sie wird aber meist als so genannte multimodale Behandlung durchgeführt. Die Behandlung setzt sich also aus mehreren Bausteinen zusammen, zu denen das Erlernen einer Entspannungsmethode, eine Psychotherapie unterschiedlichen Umfangs und oft auch Medikamente gehören, die beispielsweise die häufig gleichzeitig bestehende Depression oder Schlafstörungen mildern sollen. Zusätzlich lernen die Betroffenen, wie Ohrgeräusche oder die fehlerhafte Wahrnehmung entsteht. Schon dadurch werden Ängste abgebaut, die Hörwahrnehmung verändert sich.

Störgeräusch auslöschen

Zudem erhält der Patient ein spezielles, auf ihn abgestimmtes "Hörgerät" (s.g. "Noiser"), das konstant einen individuell abgestimmten Rauschton sendet, das sogenannte rosa Rauschen. Es kann aber auch das Geräusch eines Wasserfalles oder das Blätterrauschen des Waldes sein. Ähnlich wie bei Wellen, die, wenn sie aufeinander zulaufen sich gegenseitig auslöschen, hört der Patient dadurch anders und nach einigen Wochen werden Tinnitus oder Hyperakusis meist sehr viel leiser. Im besten Fall verschwindet das störende Geräusch ganz. Da Stress und Belastungssituationen sowohl einen Tinnitus auslösen als auch verstärken können, sollten Betroffene ihren Alltag möglichst stressfrei gestalten. Bei der Retraining-Therapie werden die Rauschgeräte als Basismodell in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt, die Beratungsgespräche allerdings in der Regel nicht.

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Adressen und Links

Deutsche Tinnitus-Liga e.V. (DTL)
Postfach 210351 42353 Wuppertal
Telefon: 0202 24652-0 (Zentrale)
E-Mail: dtl@tinnitus-liga.de
Internet: www.tinnitus-liga.de

Deutsche Gesellschaft für Hals- Nasen- Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie, e.V.
Geschäftsstelle
Friedrich-Wilhelm-Str. 2
53113 Bonn
Telefon  0228 923922-0
E-Mail: info@hno.org


Ausgewählte Adressen in Hessen für Tinnitus und Hyperakusis:

Tinnitus-Klinik Dr. Hesse
am Krankenhaus Bad Arolsen
Große Allee 50
34454 Bad Arolsen
Telefon: 05691 800330
E-Mail: info@tinnitus-klinik.net
Internet: www.tinnitus-klinik.net

MEDIAN Kaiserberg-Klinik
Bad Nauheim
Am Kaiserberg 8-10
61231 Bad Nauheim
Telefon: 06032 7030
Internet: www.median-kliniken.de/de/standorte/median-kaiserberg-klinik-bad-nauheim/klinikprofil/

HELIOS Rehakliniken Bad Berleburg - Baumrainklinik
Lerchenweg 8
57319 Bad Berleburg
Telefon: 02751 8830000
Internet: http://www.helios-kliniken.de/klinik/bad-berleburg-baumrainklinik.html

Tinnitus Hyperakusis Zentrum
Goethestraße 21
60313 Frankfurt
Telefon: 069 20336
E-Mail: kontakt@tinnitusabhilfe.de
Internet: http://www.tinnitus-frankfurt.de/

Tinnitus-Center der Kopfklinik Frankfurt GmbH
Dreieichstraße 59
60594 Frankfurt/Main
Telefon: 069 507758-0
E-Mail: info@tinnitus-center-frankfurt.de
Internet: http://www.tinnitus-center-frankfurt.de/


Internetlinks:

Selbsttest "Tinnitus" der Deutschen Tinnitus-Liga:

  • www.tinnitus-liga.de/pages/sonstiges/aktionsleiste/tinnitus---test/tinnitus-testbogen.php

Selbsthilfetipps und Links zu Infobroschüren zum Thema:

  • www.tinnitus-liga.de/pages/tinnitus-sonstige-hoerbeeintraechtigungen/tinnitus/selbsthilfe-tipps.php

Die Deutsche Tinnitus-Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, vor allem Jüngere über die Themen Lärm und Tinnitus und den Schutz des Gehörs zu informieren. Dazu gibt es einige Infos auf den Internetseiten, aber eben auch Posts zu Fragen und Themen via Facebook:

  • www.deutsche-tinnitus-stiftung-charite.de/home/

Link zur Sonormed GmbH, die die App Tinnitracks vertreibt:

  • www.tinnitracks.com/de


Buchtipps:

Gerhard Hesse, Helmut Schaaf
Tinnitus - Leiden und Chance. Mit einem ausführlichen Exkurs zur Geräuschüberempfindlichkeit (Hyperakusis)
Profil Verlag, 3. aktual. und ergänzte Auflage 2008
ISBN-10: 3890196330
ISBN-13: 978-3890196336
Preis: 19 Euro

Dr.med. Eberhard Biesinger
Tinnitus. Endlich Ruhe im Ohr: Ursachen erkennen und ausschalten
Goldmann Verlag 2011
ISBN-10: 3442172950
ISBN-13: 978-34421729
Preis: 8,99 Euro

Psychologische Praxis Hamburg-Mitte, Dipl. Psych. Dieter Eisfeld
Hypnose bei akustischer Überempfindlichkeit und Tinnitus
Verlag Dipl. Psych. Dieter Eisfeld 2013
ASIN: B00BK2WHIK
Preis: 14,95 Euro

Maria Holl
Die Tinnitus-Atemtherapie. So gehen Sie aktiv gegen ihr Ohrgeräusch vor
Schlütersche Verlagsanstalt 2011
ISBN-10: 3899935675
ISBN-13: 978-3899935677
Preis: 16,95 Euro

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Sendung: hr-fernsehen, "service: gesundheit", 28.09.2017, 18:50 Uhr