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zum Video Die Betrugsmaschen der Alarmanlagen-Mafia – der Fall

Mit Beginn der dunklen Jahreszeiten will Familie Chapuis aus Friedberg ihr Eigenheim besser vor Einbrechern schützen, denn bei ihnen wurde bereits eingebrochen. Eine Alarmanlage muss also her. Aber viele unseriöse Firmen tummeln sich auf dem Markt und werben mit Wundergeräten, an denen angeblich kein Langfinger vorbeikommt. Was ist dran an diesen Werbeversprechen? Die Familie spielt Lockvogel.

"Einfach das Wundergerät in eine Ecke stellen und das ganze Gebäude ist sicher vor Einbrechern." Solche oder ähnliche markige Werbesätze aus diversen Anzeigen in Zeitungen, Broschüren oder im Internet überschwemmen derzeit den Markt. Mit der Angst der Menschen machen dubiose Anbieter von Alarmanlagen Millionengeschäfte. Die dunkle Jahreszeit ist wie geschaffen, um die Werbetrommel für solche Wunder-Alarmanlagen mit ihrer angeblich enormen Überwachungsleistung zu rühren.

Ein kleines Gerät, das ohne Montage, ohne Fachkenntnis und Zusatzequipment auskommen will und ein Gebäude von bis zu 300 Quadratmeter absichern soll. Diese Leistung wird durch ein eingebautes Druckmessgerät möglich, dass ähnlich wie ein Barometer funktioniert. Geringe Luftschwankungen, wie sie beim Öffnen einer Tür oder eines Fensters entstehen, erkennt das Gerät und schlägt Alarm. Soweit die Theorie.

Die Technik funktioniert nur unter Laborbedingungen

Diese „kosmischen Einbrecherfallen“, wie sie von den Händlern angepriesen werden, haben allerdings ein großes Manko: Im Notfall funktionieren sie nicht. Die Technik funktioniert nur unter idealen Laborbedingungen und versagt in der Praxis. Denn die Geräte müssen extrem empfindlich eingestellt werden, damit sie geringe Veränderungen des Luftdrucks wahrnehmen können. Damit steigt aber gleichzeitig auch die Zahl der Fehlalarme drastisch an. Hier genügt bereits ein Luftzug, wie er beispielsweise durch ein undichtes Fenster oder eine Tür entsteht. Auch Dunstabzugshauben in der Küche, Kamine und Kachelöfen, das Zünden von Öl- oder Gasheizungen, Gewitter oder sonstige Wetterveränderungen, starker Wind, vorbeifahrende LKW oder Busse, ein Überschallknall oder ein Vogel der gegen die Scheibe fliegt, stellen die Anlagen vor größte Herausforderungen und können Fehlalarm auslösen.

Um diese Fehlalarme zu reduzieren, müssen die Anlagen wesentlich unempfindlicher eingestellt werden, mit dem Ergebnis, dass sie dann gar nicht mehr reagieren, also auch nicht im Falle eines Einbruchs. Das allein ist Grund genug die Technik dieser Systeme kritisch zu hinterfragen.

Sendung: hr-fernsehen, "service: trends", 11.10.2017, 18:50 Uhr