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zum Video Illegale Arzneimittel

Medikamente per Mausklick – der Internethandel boomt, auch mit gefälschter Ware aus Asien, die gefährlichen Nebenwirkungen hat.

Petra Mönter leidet unter starkem Übergewicht. Jahrelang versucht sie vergeblich abzunehmen, doch geschafft hat sie es nie. Vor ihrer Schwangerschaft, mit Mitte 20, war sie noch 30 Kilo leichter. Jetzt wünscht sie sich ihre alte Figur zurück. Im Internet entdeckt sie ein Schlankheitsmittel. Vermeintliche Wunderpillen, die rein pflanzlich wirken sollen. Mit den Schlankheitsmitteln wollte sie möglichst schnell ihre überflüssigen Pfunde loswerden. Denn als fülliger Mensch fühlte sie sich von der Gesellschaft häufig ausgegrenzt. Petra Mönter nimmt die Schlankheitspille täglich und ist begeistert, denn endlich purzeln die Kilos bereits nach einer Woche rasant.

Aber sie bekommt auch Magenkrämpfe und Bauchschmerzen. Anfänglich glaubt sie, dass es eine normale Reaktion auf ihre Diät sei und ignoriert die Beschwerden. Doch die Nebenwirkungen werden immer schlimmer. Zusätzlich bekommt sie Schweißausbrüche, Kreislaufprobleme und hat starke Brustschmerzen, ähnlich wie bei einem Herzinfarkt. Noch immer ist Petra Mönter davon überzeugt, dass die Nebenwirkungen zum Abnehmen dazugehören. Bis sie auf einen Artikel im Internet stößt, in dem vor den starken Nebenwirkungen der Schlankheitspillen gewarnt wird. Sie enthalten Betablocker, Schilddrüsenhormone in höchster Potenz und Aufputschmittel. Erst jetzt lässt Petra Mönter von den Pillen ab, die in Deutschland zudem auch gar nicht zugelassen sind.

Solche illegalen Arzneimittel, beispielsweise aus Beschlagnahmungen, werden im Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker in Eschborn untersucht. Darunter häufig auch diverse andere Schlankheitspräparate mit ähnlich gefährlichen Wirkstoffen. Die Professorin Mona Tawab hat beispielsweise in vielen angeblich rein pflanzlichen Schlankheitsmitteln einen Wirkstoff namens Sibutramin entdeckt. Dieser hochwirksame Stoff wurde jedoch schon längst vom Markt genommen, weil auch er sehr starke Nebenwirkungen hat. Er verursacht Herzrasen und erhöht den Blutdruck.

Medikamente werden teilweise in der Garage produziert

Schlankheitspillen, aber auch rezeptfreie Potenzmittel aus dem Internet kommen häufig aus China, Indien oder Asien und werden dort meist in Hinterhöfen kostengünstig produziert. Viagra aus dem Internet beispielsweise erfüllt nicht die Qualitätsstandards eines in Deutschland zugelassenen Präparats. Teilweise werden die Medikamente in Garagen produziert, in Betonmischmaschinen. Sie können auch mit erheblich toxischen Substanzen verunreinigt sein und enthalten überhaupt keinen, zu wenig oder zu viel Wirkstoff. Wenn sie zu viel Wirkstoff enthalten, kann das besonders gefährlich werden, weil dann die Nebenwirkungen mit voller Wucht zuschlagen. Es droht massiver Blutdruckabfall bis hin zum Kreislaufkollaps.

Der Kauf von Potenzmitteln und Schlankheitspräparaten aus dem Internet, ohne einen Arztbesuch, ohne Rezept, scheint zwar verlockend, ist aber eine Straftat. Denn Grundsätzlich ist es verboten, verschreibungspflichtige Medikamente ohne Rezept von nicht zugelassenen Apotheken zu bestellen und sich zu besorgen. Es drohen Geldbußen bis hin zu Freiheitsstrafen.

Im Postzentrum am Frankfurter Flughafen kontrolliert der Zoll regelmäßig Päckchen nach illegalen Arzneimitteln. Denn hier kommen Potenzpillen, Schlankheitsmittel und Co. an, bevor sie zuhause beim Besteller landen. Mit speziellen Röntgengeräten werden verdächtige Sendungen gescannt und kontrolliert, ob sich darin Blister-Packungen oder einzelne Tabletten befinden. Sehr häufig wird auf den Päckchen ein falscher Inhalt deklariert, um die illegalen Medikamente auf diese Weise einzuschleusen. Auf einem Paket aus Indien steht beispielsweise "Samples", also "Muster" drauf, was im Prinzip alles bedeuten kann. Noch dreister ist ein asiatischer Händler. Auf seinem Päckchen steht "Mobile Parts", also Teile für Mobiltelefone. Ein klarer Betrugsversuch, denn der Absender wusste, dass die Arzneimittel nicht einfuhrfähig sind. Die Sendung wird beschlagnahmt und der Zoll ermittelt gegen Besteller und Versender.

Weitere Informationen

Verbraucher sollten beim Kauf in Online-Apotheken darauf achten, dass die Webseite das EU-Logo trägt. Es zeigt ein weißes Kreuz vor einem grüngestreiften Hintergrund. Trägt die Webseite dieses Logo, minimiert das die Wahrscheinlichkeit, dass Verbraucher auf einen Betrüger hereinfallen, der im Netz gefälschte Medikamente verkauft. Verbraucher sollten jedoch nicht nur prüfen, ob das Logo vorhanden ist, sondern es auch anklicken. Dann sehen sie, ob der Anbieter im nationalen Arzneimittel-Verkäufer-Register geführt wird. Dadurch können sie sichergehen, dass es ein legaler Anbieter ist.

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Sendung: hr-fernsehen, "service: trends", 13.03.2019, 18:50 Uhr