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zum Video Unerwartete Zollgebühren

Viele Online-Shops locken mit Schnäppchenpreisen. Häufig landen Kunden aber völlig ahnungslos bei Verkäufern, deren Sitz sich in einem Nicht-EU-Land befindet. Und so kann plötzlich Post vom Zoll mit einer Rechnung über die fällige Einfuhrsteuer ins Haus flattern.

Wenn die gewünschten Produkte in Deutschland nicht erhältlich oder zu teuer sind, dann suchen viele Kunden die Ware auf ausländischen Webseiten. Im Ausland finden sich zumeist Anbieter, bei denen die gesuchten Produkte zu einem weitaus günstigeren Preis zu haben sind. Vor allem Elektronik, Video-Spiele und Modeartikel landen in den virtuellen Warenkörben. Besonders beliebt sind Online-Shops aus China und den USA. "Gearbest", "AliExpress", "LightInTheBox" oder "Wish" sind nur einige der international bekannten Online-Portale, über die man direkt bei chinesischen oder amerikanischen Händlern kaufen kann.

Kein Hinweis auf Standortangabe

Auch ohne es zu merken, bestellen viele Kunden bei einem Händler aus einem Nicht-EU-Land. Auf Online-Plattformen, wie eBay oder Amazon, sind Drittanbieter aus der ganzen Welt aktiv und bieten ihre Ware an. Der Name des Verkäufers wird auf den Plattformen zwar angezeigt, jedoch lässt sich meist nur erahnen, wer sich dahinter versteckt. So kann es passieren, dass Kunden wochenlang auf ihre Bestellung warten und zu allem Ärger noch Steuern beim Zoll entrichten müssen. Damit dies nicht geschieht, ist es ratsam auf den Produktseiten der Anbieter nachzuforschen, ob ein Händler aus einem Nicht-EU-Land oder einem Zwischenlager in der EU versendet. Zum Beispiel in dem man bei Amazon auf "Verkauf durch" klickt, auf eBay den Artikelstandort verfolgt oder den Sitz eines Händlers in den Verkäuferinformationen, im Impressum, in den AGB oder im Widerrufsrecht recherchiert. Auch Nutzerbewertungen können weiterhelfen. Vorsichtig sollte man dann sein, wenn im Internet gar keine Informationen zu dem Online-Shop zu finden sind.

Teurer Ärger mit den Zollgebühren

Gefälschtes Handyzubehör
Gerade Elektronikartikel kommen sehr oft aus chinesischen Shops. Bild © picture alliance / Boris Roessler/dpa

Ob Einfuhrabgaben entstehen, hängt immer vom Warenwert und der Art der Sendung ab. Das Wichtigste dabei ist der eigentliche Warenwert. Bei einer Berechnung, ob ein Artikel einfuhrumsatzsteuerpflichtig ist oder nicht, sind die Versandkosten immer zum Produktpreis dazu zu zählen.

Diese Wertgrenzen hat der Zoll festgelegt:

  • Wenn der Warenwert nicht höher als 22 Euro ist, dann ist die Sendung von einer Einfuhrabgabesteuer befreit.
  • Alle Sendungen mit einem Warenwert zwischen 22 und 150 Euro sind zwar zollfrei, doch wird eine Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von 19 Prozent erhoben.
  • Ab einem Wert von mehr als 150 Euro werden die Angaben nach dem Zolltarif Einfuhrumsatzsteuer und Zollsatz berechnet. Weitere Ausnahmen für Warensendungen, für die keine Verbrauchsteuerbefreiung greift, sind auf der Webseite des Zolls aufgeführt.

Sinnvoll ist es, schon vor der Bestellung die fälligen Zoll- und Einfuhrgebühren zu klären. Schnell und einfach funktioniert das über die kostenlose "Zoll- und Post"-App. Einen erhöhten Zollsatz haben unter anderem Textilien, Schuhe mit textilem Anteil, DVD-Player und Fahrräder. Wer sich zum Beispiel ein Fahrrad für 600 Euro aus Amerika bestellt, muss mit Extrakosten von mehr als 200 Euro rechnen.

Weitere Informationen

App

"Zoll- und Post"-App: https://www.bundesfinanzministerium.de/Web/DE/Service/Apps_Rechner/Zoll-Post-App/zoll-post-app.html

Ende der weiteren Informationen

Die Tricks der Händler beim Deklarieren

Ob eine Sendung einfuhrumsatzsteuerpflichtig ist oder nicht hängt auch davon ab, was der Verkäufer wirklich deklariert: Wenn der Händler die Warensendung als Geschenk verschickt, dann ist der Inhalt prinzipiell von einer Einfuhrumsatzsteuer befreit. Aber auch nur dann, wenn der Inhalt derselbe ist wie vom Händler deklariert und die Ware einen Wert von 45 Euro nicht übersteigt.

Um sich von der Einfuhrumsatzsteuer zu befreien oder günstigere Abgaben zu zahlen, schreiben unseriöse Händler gern billigere Ware auf die Sendung drauf. Der Zoll kennt die Tricks der Händler und kontrolliert deswegen die Warensendungen aus den Nicht-EU-Ländern verstärkt. Wenn der Verdacht aufkommt, dass es sich um ein vermeintliches Geschenk-Paket oder eine nicht ordnungsgemäß deklarierte Sendung handelt – weil zum Beispiel keine Zollinhaltserklärung beiliegt –, dann kann der Zoll den Empfänger auffordern, die Sendung persönlich in der Behörde abzuholen, diese zu öffnen, mit einem ordentlichen Beleg abzugleichen und gegebenenfalls nachzuversteuern.

Vermeintliche Designerkleidung und große Enttäuschungen

Wer sich für Billigmode aus dem Netz entscheidet, der sollte sich bei seiner Bestellung nicht vom professionellen Look der Online-Shops und den zufriedenen Kundenbewertungen täuschen lassen. Denn nicht immer sitzen die Firmen in EU-Ländern und nicht immer halten die Angaben zu Produkten auf Online-Portalen auch das, was sie versprechen. Wenn der 10 Euro-Pulli aus Polyester und nicht aus Baumwolle ist, das 20 Euro-Abschlussballkleid sich als unförmiger Sack statt figurbetontes Designerkleid herausstellt, die Lieferzeit einen Monat statt einer Woche beträgt, das XL-Shirt kleiner ausfällt als angenommen oder die Kleidung so penetrant nach Chemikalien riecht, dass man sie nicht tragen kann – dann ist der Kunde enttäuscht. Deswegen sollte man sich vor einer Bestellung aus einem Nicht-EU-Land Gewissheit darüber machen, wer liefert und welches Material geliefert wird. Auch mit Produktfälschungen und fälschlichen Sicherheitszertifikaten ist zu rechnen. Plagiate und Produkte mit unechten CE-Zertifikaten können vom Zoll einbehalten und gegebenenfalls vernichtet werden.

Kosten tragen immer die Käufer

Zusätzliche Kosten, die nicht in dem beim Bezahlen angezeigten Gesamtpreis enthalten sind und bei der Einfuhr einer Ware aus einem Nicht-EU-Land nach Deutschland entstehen, müssen immer vom Käufer getragen werden. Bis die Verbrauchersteuer gezahlt wurde, ist der Zoll berechtigt die Ware einzubehalten. Postsendungen werden nach 14 Tagen an den Versender zurückgeschickt, Briefsendungen schon nach sieben Tagen. Die Lagerung von Postsendungen ist außerdem ab dem 10. Tag kostenpflichtig. Der Käufer ist nicht gezwungen die Ware beim Zoll abzuholen und kann in einer kurzen Mitteilung an den Zoll die Annahme der Bestellung verweigern. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass das Geld für die gekaufte Ware auch vom Händler rückerstattet wird.

Macht der Zoll bei einer Kontrolle den Fund eines Plagiats, also eines Produktes mit einem gefälschten Logo einer bekannten Firma oder eines bekannten Herstellers, werden die Beamten die Ware einbehalten. Nachdem der Markeninhaber informiert wurde, kann die Ware vernichtet werden – und in einigen Fällen auch der Käufer in Form einer Abmahnung zur Rechenschaft gezogen werden. Bei einem Kauf eines gefälschten Produktes kann – auch bei Privatgebrauch – „geschäftlicher Verkehr“ vermutet werden. Für eine Abmahnung und gegebenenfalls eine Anwaltsrechnung können für den Besteller mehrere Hundert Euro anfallen.

Meine Rechte als Käufer

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Wenn es bei den Shops überhaupt einen Kundenservice gibt, ist er oft nicht erreichbar oder die Mitarbeiter sprechen kein deutsch. Bild © picture-alliance/dpa

Nach EU-Recht hat ein Käufer das Recht, die vom Händler gekaufte Ware nachgebessert, ersetzt, vergünstigt oder den Kaufpreis erstattet zu bekommen, wenn die Ware sich als mangelhaft, nicht funktionierend oder anders als in der Werbung angegeben erweist.

Das europäische Recht gilt für Käufe in Nicht-EU-Ländern aber nicht. Somit werden Reklamationen bei Anbietern aus Ländern wie China kaum möglich. Hier wird dem Käufer viel Geduld und Durchsetzungsvermögen abverlangt. Einige der Online-Shops verhalten sich kundenfreundlich, andere Händler schließen eine Erstattung des vollen Kaufpreises von Anfang an aus und sind für ihre Kunden nur schwer oder gar nicht erreichbar. Ärgerpotential hält meist schon der Kundenservice parat, denn der reagiert oft nicht auf Anfragen oder spricht kein Deutsch und nur gebrochenes Englisch. Mitunter scheitert eine Kontaktaufnahme auch daran, dass der Händler keine Kontaktdaten und/oder kein Impressum nennt. Auch hier ist zu empfehlen, sich vor dem Kauf Gewissheit über den Händler und seinen Standort, sowie über ein mögliches Widerrufsrecht zu verschaffen. Dieser Hinweis fehlt bei vielen der Online-Händler.

Sendung: hr-fernsehen, "service: trends", 06.02.2019, 18:50 Uhr