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zum Video Rentner in Minijobs

Peter Ott ist 66 Jahre alt und hat sein Leben lang als Kaufmann für eine große deutsche Kaufhauskette gearbeitet. Weil es ihm zu Hause langweilig wurde und er sich noch fit fühlt, arbeitet er als Minijobber im Fahrdienst für das "Seniorenhaus Bethanien" in Schaafheim.

Mehrmals pro Woche holt er Senioren zuhause ab, bringt sie zur Tagespflege ins Seniorenhaus und fährt sie abends wieder nach Hause.

Peter Ott hat das Glück von seiner Rente alleine gut leben zu können. Aber so wie ihm geht es nicht allen deutschen Rentnern, die sich mit 450 Euro-Jobs noch etwas dazu verdienen müssen. Außerdem hat ein Minijob noch weitere Vorteile: Es gibt bezahlten Urlaub und eine Lohn-Fortzahlung im Krankheitsfall. Zumindest kann ein Minijob helfen, eine Rentenlücke ein Stück weit zu verkleinern.

Arbeiten im Ruhestand

In Deutschland arbeiten viele Menschen über das Rentenalter hinaus. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit haben im Jahr 2017 mehr als 240.000 Ruheständler sozialversicherungspflichtig gearbeitet, 980.000 Rentner gingen einem Minijob nach und 411.000 waren selbstständig. Durchschnittlich arbeiteten die Rentner 32 Stunden pro Woche, zumeist in Teilzeit. Die Flexirente (01.01.2017) soll Anreize schaffen, damit mehr Menschen länger ganz oder in Teilzeit arbeiten. Die Kombination aus Teilrente und Hinzuverdienst soll einfacher werden. Durch freiwillige Beiträge, längere Beschäftigungszeiten und höhere Hinzuverdienst-Möglichkeiten ist letztlich eine höhere Rente möglich. Wer vorzeitig in Ruhestand geht, dem drohen Rentenabschläge. Jeder Monat vorgezogene Rente führt zu einem Abschlag von 0,3 Prozent. Durch die neue Flexirente können ab dem 50. Lebensjahr freiwillige Sonderzahlungen in die Rentenkasse geleistet und damit Abschläge ausgeglichen werden. Die Rentenkasse informiert, wie hoch diese sein müssen. Im Einvernehmen mit dem Arbeitgeber kann aber auch der eigene Renteneintritt einfach für eine befristete Zeit verschoben werden. Diese Fristen können später verlängert werden. Man ist also kein Rentner, sondern bleibt normaler Arbeitnehmer. Der spätere Eintritt ins Rentenalter bringt finanzielle Vorteile, da die Höhe der eigenen Rente für jedes Jahr um sechs Prozent steigt. Für einen Durchschnittsverdiener sind das immerhin rund 107 Euro brutto, die monatlich zur Rente dazu kommen. Außerdem muss ein älterer Arbeitnehmer auch keinen Beitrag zur Arbeitslosenversicherung mehr zahlen. Denn sollte er tatsächlich seinen Job verlieren, kann er einfach die Rente beantragen. Die Beiträge zur Rentenversicherung müssen allerdings weiter gezahlt werden, denn sie erhöhen ja auch die späteren Altersbezüge.

Wie viel darf ich dazu verdienen?

Nach welcher Variante sich eine Weiterarbeit lohnt, ist bei jedem Arbeitnehmer anders und keine leichte Rechnung. Hier hilft eine ausführliche, persönliche Beratung bei der Deutschen Rentenversicherung (www.deutsche-rentenversicherung.de). Einige Arbeitnehmer wollen ihre Arbeit auch vor Erreichen der Regelaltersgrenze nur reduzieren und eine Teilrente beantragen. Wer mit einer Teilrente einen Nebenjob annimmt, darf hier nicht mehr als 6.300 Euro im Jahr dazu verdienen, sonst drohen Rentenabzüge. Das gilt übrigens auch für Menschen, die eine Rente wegen Erwerbsminderung beziehen. Wenn es ihre Gesundheit zulässt, dürfen auch sie bis zu 6.300 Euro im Jahr dazu verdienen.Viele Menschen, auch Rentner, arbeiten in Minijobs, die einen monatlichen Verdienst von 450 Euro nicht übersteigen dürfen. Auch Minijobs unterliegen seit 2013 der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung. Arbeitgeber zahlen für ihre Minijobber einen Pauschalbeitrag von 15 Prozent. Die Minijobber selbst zahlen zusätzlich einen Eigenbeitrag von 3,6 Prozent. Bei einem monatlichen Verdienst von 450 Euro liegt der Eigenbeitrag damit bei 16,20 Euro im Monat. Dadurch kommen Rentner aber in den Genuss des vollen Schutzes der gesetzlichen Rentenversicherung. Außerdem wird die Beschäftigungszeit in einem Minijob auf die Wartezeit für die Altersrente angerechnet. Bei einem Monatsverdienst von 450 Euro steigt die monatliche Rente dadurch nach einem Jahr um durchschnittlich 4,50 Euro.

Internetportale helfen bei der Jobsuche

Bei der Suche nach einem geeigneten Nebenverdienst helfen Internetportale, wie beispielsweise www.minijob-zentrale.de. Einige sind auch speziell auf Senioren zugeschnitten, dazu gehören: www.rentner-boerse.de oder www.rentarentner.com. Hier können aktive Senioren ihr Profil einstellen, in dem sie ein Foto hochladen, sich kurz beschreiben und die Tätigkeiten angeben, die Sie verrichten können wie zum Beispiel Gartenarbeit, Bürotätigkeiten, Kinderbetreuung. Daraufhin können Menschen, die Jobs zu vergeben haben, die Profile nach einem geeigneten, Arbeit suchenden Rentner durchstöbern und mit ihm Kontakt aufnehmen. Bei den meisten Anbietern ist eine Anmeldung mit einem Passwort notwendig. Dadurch bleibt Fremden der Zugriff verwehrt, und die Kontaktdaten sind nur für registrierte Nutzer sichtbar.

 Beweggründe

Für die meisten der aktiven Senioren steht nicht unbedingt der finanzielle Aspekt im Vordergrund. Stattdessen wollen sie auch nach dem Ruhestand noch aktiv bleiben, gebraucht werden, ihr Wissen weitergeben, mit Kollegen im Gespräch sein und sich einbringen. Daneben können sich viele Senioren mit ihrer Rente häufig nicht ihren gewohnten Lebensstandard (Urlaub, Sport) sichern und sie nehmen auch aus diesem Grund verschiedene Tätigkeit an, solange die Gesundheit mitspielt.

Allerdings fallen leider rund ein Drittel aller Rentner, die einer Beschäftigung nachgehen, unter die Armutsgrenze. Wer nicht mit einer üppigen Rente gesegnet ist, kann mit einem Rentnerjob sein schmales Budget deutlich aufbessern.

Auffällig ist, dass auch sehr gut ausgebildete Rentner häufig nur einfache Tätigkeiten ausüben wollen. Das liegt meist daran, dass sie nicht mehr bereit sind, den Leistungsdruck aus ihrem früheren Arbeitsleben fortzuführen. In den meisten Rentnerjobportalen stehen daher meist Tätigkeiten hoch im Kurs, die kurzweilig sind und neue Kontakte mit anderen Menschen ergeben. Eine weitere Gruppe arbeitender Senioren versucht mit der Beschäftigung eine Struktur in den Rentenalltag zu bringen. Denn für die meisten stellt der Eintritt in den Ruhestand einen bedeutenden Einschnitt in das bisherige Leben dar. Nur wenige haben beispielsweise detailliert ihre neue Rollenverteilung geplant. Von einem Tag auf den anderen steht diese dann in vielen Haushalten völlig auf dem Kopf.

Entlohnung

Der Lohn ist immer Verhandlungssache, bewegt sich aber, je nach Aufwand, zwischen null (ehrenamtliche Tätigkeit) und 30,- Euro pro Stunde. Vorab sollte jeder Jobsuchende mit seinem künftigen Arbeitgeber klären, ob beispielsweise Anfahrtskosten in der Bezahlung mit enthalten sind, um ärgerliche Missverständnisse und anschließenden Streit zu vermeiden. Wer die Regelaltersgrenze erreicht hat, darf unbegrenzt hinzuverdienen, muss aber Zusatzeinkünfte beim Finanzamt angeben. Jede Tätigkeit muss also unbedingt vom Auftraggeber quittiert werden.

Haftung und Versicherung

Auch hinsichtlich Haftung und Versicherung ist einiges zu beachten. Bei Einkäufen, Behördengängen oder der Beaufsichtigung von Kindern schuldet der Auftragnehmer nur die ordnungsgemäße Erfüllung der ihm übertragenen Aufgabe, da es sich hier um einen reinen Dienstvertrag handelt. Anders ist das bei Werkverträgen, wo der Rentner beispielsweise bei durchgeführten Reparaturen persönlich für möglich entstandene Schäden haften muss, wenn die Arbeit nicht fachgerecht ausgeführt sein sollte. Übrigens: Die eigene Haftpflichtversicherung zahlt nur bei Fehlverhalten im privaten Umfeld. Verletzt sich ein Rentner bei einer Tätigkeit, greift die Krankenversicherung.


Sendung: hr-fernsehen, "service: trends", 08.02.2019, 18:50 Uhr