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zum Video Vermeintliche Handyschnäppchen

Die Suche nach einem neuen Smartphone gestaltet sich oft als Qual der Wahl. Und selbst wenn das Wunschmodell gefunden ist, bleibt die Frage, in welchem Shop man es kauft. Die besten Preise für Geräte ohne Vertrag sind im Internet zu finden. Doch es gibt einiges dabei zu beachten.

Bei unserer Internetstichprobe finden wir ein aktuelles High-End-Markengerät mit folgender Preisspanne: Auf der Herstellerseite kostet das deutsche Modell 850 Euro. Deutlich günstiger ist das EU-Modell. Hier gibt es ein Angebot für 460 Euro. Das Nicht-EU-Modell für nur 360 Euro scheint ein Mega-Schnäppchen zu sein.Allerdings gilt hier, besonders genau hinzuschauen, denn Besonderheiten, wie beispielsweise technische Unterschiede, lassen sich für Laien nicht auf den ersten Blick erkennen. Und auch wer sich mit Smartphones auskennt, kann in die eine oder andere Falle tappen.

Aus welchem Land stammt das Smartphone?

Da die Preise für Smartphones an das jeweilige Land, für das sie produziert werden, angepasst werden, sind Geräte aus europäischen Nachbarländern mitunter günstiger. Dies machen sich Händler zunutze und bieten zum Beispiel Geräte aus Polen oder Spanien auf deutschen Internetseiten an. Seriöse Händler machen dies kenntlich, indem sie die Smartphones mit dem Zusatz "EU-Ware" kennzeichnen. Bei vielen Händlern kann man bei der Bestellung allerdings nicht erkennen, ob es sich um ein ausländisches Smartphone handelt oder eines für den deutschen Markt. Ein versteckter Hinweis kann aber der "Ländercode" sein, ein unscheinbarer Zahlen- und Buchstabencode, der jeweils mit einem Länderkürzel endet.

EU-Smartphones

Ein Android Smartphone
Prinzipiell können Sie mit EU-Handys auch in Deutschland telefonieren - Probleme könnte es allerdings bei Updates geben. Bild © picture-alliance/dpa

Mit EU-Smartphones verhält es sich ähnlich wie mit EU-Autos. Hier lässt sich einiges sparen und es gibt – wenn überhaupt - nur geringe Unterschiede bei der technischen Ausstattung. Und das Wichtigste: Die Handys lassen sich auch in Deutschland problemlos verwenden.

Dennoch birgt so ein EU-Schnäppchen auch Risiken. Denn die wichtigen Updates für die Geräte stehen nicht zeitgleich mit denen der deutschen Modelle bereit. Die Update-Politik der Hersteller ist je nach Land unterschiedlich und kann zum Sicherheitsrisiko werden, wenn diese für das Smartphone erst zeitverzögert angeboten werden. Ohne die wichtigen Updates können schnell Viren oder Spionagesoftware auf dem Gerät landen.

Smartphones aus Nicht-EU Ländern

SIM-Karte
Nicht alle SIM-Karten funktionieren auch in Deutschland. Bild © dpa

Weniger als die Hälfte kosten mitunter Smartphones aus Übersee. Zu den kleineren Einschränkungen gehört, dass das Netzteil möglicherweise nicht in deutsche Steckdosen passt. Hier kann aber über einen Adapter Abhilfe geschaffen werden. Schlimmer ist, wenn die SIM-Karten der internationale Geräte nicht funktionieren, weil sie nicht für den deutschen oder den EU-Markt vorgesehen sind. Ein Problem, was sich mit dem Gerät nur im Herstellerland umstellen lässt.

Bei IOS-Geräten aus dem arabischen Markt beispielsweise funktionieren außerdem bestimmte Dienste wie "I-Message", also Verschicken und Empfangen von Nachrichten über Internet, nicht. Grund dafür: Dieser Dienst ist im Herkunftsland staatlich verboten. Eingeschränkte Funktionen also, die auch im Nachhinein nicht einfach installiert werden können.

Welche Einschränkungen das ausländische Modell bei einer Nutzung in Deutschland mit sich bringt, ist auf der Angebotsseite der Shop-Betreiber in der Regel nicht vermerkt, das muss man selber herausfinden.

Ausstattungsmerkmale

Wer sich für ein Gerät entscheidet, sollte vom Online-Angebot und speziell von den technischen Daten Screenshots machen, um hinterher belegbar zu machen, was man laut Anzeige gekauft hat. So kann sich der Händler im Nachhinein und Streitfall nicht herausreden, wenn bestimmte Funktionen oder Ausstattungsmerkmale nicht vorhanden sind. Denn leider kommt es immer wieder vor, dass auf Online-Seiten die technischen Daten des deutschen Modells angegeben werden, obwohl ein ausländisches Model verkauft wird. Wer auf Nummer sicher gehen und Ärger vermeiden will, sollte sich vom Händler diese vor dem Kauf noch einmal schriftlich bestätigen lassen

Keine Sprachbarrieren

Übrigens: Auf die deutsche Bedienungsanleitung muss man beim Kauf von ausländischen Geräten grundsätzlich verzichten. Und auch die Menüführung ist auf die Sprache des Landes eingestellt, für das produziert wurde. Beides ist undramatisch und leicht zu lösen. Im Einstellungsmenü lässt sich problemlos auf "deutsch" wechseln und auch das deutsche Handbuch kann auf der Seite des Herstellers heruntergeladen werden.

Sendung: hr-fernsehen, "service: trends", 06.02.2019, 18:50 Uhr