Video

zum Video Liebesbetrug im Internet

Wenn es um einen neuen Lebenspartner geht, suchen sehr viele Menschen im Internet. Etwa acht Millionen Deutsche loggen sich monatlich bei Singlebörsen ein. Doch manchmal entpuppt sich der Kontakt zum "Traummann", der wunderschöne E-Mails schreibt, als ein echtes Windei – eine moderne Form des Heiratsschwindels.

Bernd Funke ist sogenanntes Best-Ager-Model. Mit seinen 53 Jahren steht er für die Werbe-Zielgruppe in den besten Jahren: seriös, graue Haare, Brille. Mit diesem Gesicht machen Firmen gerne Werbung.

Seinem Lächeln kauft man alles ab und das haben auch Liebesbetrüger erkannt. Sie klauen Fotos von Bernd Funkes Instagram Account und eröffnen damit Fake-Accounts in den sozialen Netzwerken. Unter erfundenen Namen findet man dort Bernd Funke als Dr. Odin Jacobsen, Dr. Andreas Berge, Dr. Sivert Haarland, Dr. Stefan Gruenewald oder auch mal ohne akademischen Titel als Alfie-James Piper.

Eine der Frauen, die Kontakt zu einem gefälschten Bernd Funke hatte, wurde misstrauisch und hat den echten Bernd Funke über seine Webseite kontaktiert. Da wurde er aufmerksam. Mittlerweile haben ihn schon zehn Frauen angeschrieben. Das findet er richtig heftig. Sein Gesicht und die Fotos sind schließlich sein Kapital als Modell und nun leider auch das Kapital der Liebes-Betrüger.

Über Monate bauen die Betrüger eine Beziehung zu ihren Opfern auf, die sie unverzichtbar im emotionalen Leben der Betroffenen macht, ohne sich jemals getroffen zu haben. Dann schreiben sie von angeblichen geschäftlichen oder privaten Problemen, gefolgt von konkreten Geldanfragen.

Eine der Frauen, die Kontakt zu einem von Bernd Funkes Doppelgängern hatte, erzählt: "Als ich von ihm die erste Kontaktanfrage bekommen habe und sah die Bilder, da habe ich einfach gedacht: "Boah, ist ein attraktiver Mann." Ich habe ja im Laufe der Zeit bestimmt 50 Fotos bekommen. Dann war derjenige sehr charmant. Und auch aufmerksam, und scheinbar interessiert. Ja man verliebt sich tatsächlich. Es ist total verrückt. Er schrieb, er sei ein norwegischer Architekt der in England lebt – und wegen des Brexits nach Deutschland ziehen will. Er hatte gerade ein Projekt in Istanbul. Und wollte vor Abschluss nicht mehr nach Deutschland einreisen. Fotos von der angeblichen Baustelle und passende Bilder von "Bernd Funke" schickte er mit. Und dann wurde plötzlich alles sehr dramatisch. In meinem Fall wurde derjenige inhaftiert wegen Steuerschulden. Und sollte binnen drei Tagen 150.000 Euro überweisen. Dann hat man mir einen Kontoauszug geschickt, dass er ca. 56.000 Euro auf dem Konto hat. Aber der Restbetrag fehle. Also fing bei mir die gewünschte Summe bei 95.000 Euro an."

Die Frau wurde misstrauisch und schrieb ihm, dass sie ihm die Geschichte nicht glauben kann. Sie meldete den Fall der Polizei. Es braucht nur eine kurze Recherche im Netz um herauszufinden, dass diese Art des Liebesbetrugs häufig ist. Von Nigeria und Ghana aus wird die Masche betrieben. Die deutsche Polizei warnt vor dem Romance Scamming – kann aber offenbar gegen die Betrüger im Ausland wenig tun. Betroffenen bleibt also nichts anderes übrig, als selber die falschen Profile aufzuspüren und diese zu löschen. Fast alle sozialen Netzwerke haben übrigens eine Melde-Funktion, und das Löschen funktioniert recht schnell.

Weitere Informationen

Tipps

• Zahlen Sie kein Geld an Personen, die Sie ausschließlich aus dem Internet kennen! Auch, wenn das Geld angeblich für den Flug nach Deutschland gebraucht wird, um sich endlich kennenzulernen. Es handelt sich oft um Betrug, der bei der Polizei angezeigt werden sollte.
• Hat man Verdacht geschöpft, kann man den Namen der Internetbekanntschaft mit dem Zusatz "Scammer" bei einer Suchmaschine eingeben. In vielen Fällen finden sich in Foren über Love-Scam Hinweise, die sich mit dem Vorgehen und dem Profil des eigenen Online-Partners decken.
• Brechen Sie sofort jeglichen Kontakt zu dem vermeintlichen Geliebten ab.
• Falls bereits Zahlungen geleistet wurden, sollte man diese sofort rückgängig machen, falls noch möglich.
• Um Anzeige bei der Polizei zu erstatten, sollten alle Nachrichten als Beweis abgespeichert werden und Überweisungsbelege aufbewahrt werden.
• Betroffene sollten sich nicht scheuen, Hilfe in Anspruch zu nehmen, z.B. von der Polizei-Beratung oder Hilfsportalen, die Rat und Informationen über diese Betrugsmasche geben.

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-fernsehen, "service: zuhause", 04.03.2019, 18:50 Uhr