Eine Plastikfigur steht in Frankfurt/Main auf dem Stellenangebot in einer Tageszeitung

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Trotz Rente oder Frührente noch weiterarbeiten - mit einem Minijob geht das unkompliziert. Denn wer nicht mehr als 450 Euro im Monat verdient, bleibt auf jeden Fall unter den Hinzuverdienstgrenzen, die es zumindest für Frührentner ja gibt. Gründe für einen Minijob gibt es viele.

Weil Geld fehlt, weil man gerne noch weiterarbeiten will, oder weil man auch in höherem Alter nochmal was Neues ausprobieren will. So wie Peter Ott aus Schaafheim.

Warum Peter Ott einen Minijob macht

Peter Ott ist 66 Jahre alt. Sein Leben lang hat er als Kaufmann für eine große deutsche Kaufhauskette gearbeitet – bis zur Rente. Jetzt arbeitet er als Minijobber im Fahrdienst für das Seniorenhaus Bethanien in Schaafheim. Mehrmals pro Woche holt er Senioren zu Hause ab und bringt sie zur Tagespflege ins Seniorenhaus. Abends fährt er sie wieder heim. Peter Ott könnte auch von seiner Rente alleine leben, freut sich aber über den Zusatzverdienst. Durch eine Vorruhestandsregelung war er schon mit 59 Jahren zu Hause, hat aber dann festgestellt, dass das für ihn „noch nicht der Weisheit letzter Schluss“ ist. Er hat sich eine neue Aufgabe gesucht – mit Verantwortung, aber auch mit sozialem Engagement.

Warum sein Chef gerne ältere Minijobber einstellt

Tom Best, der Leiter des Seniorenhauses Bethanien in Schaafheim, stellt gerne ältere Fahrer sein. Frührentner seien normalerweise gut im Autofahren und umsichtig. Vor allem aber schätzt er, dass ältere Menschen Lebenserfahrung haben. Im Umgang mit zum Teil dementiell erkrankten Senioren sei das notwendig. Es gebe Fahrer, die im Umgang mit ihren Klienten so herzlich und lieb seien, dass klar sei, dass der Fahrdienst mehr als ein Job für sie sei. Ihm mache das Freude.

Was seine Kunden zu Peter Ott sagen

Marianne Schulze, Seniorin aus Schaafheim, hat einen gebrochenen Lendenwirbel und kann weder Auto noch Bus fahren. Sie ist auf den Fahrdienst angewiesen, findet Peter Ott „spitze“ und bekommt durch ihn ein Stück Lebensqualität zurück.

Weitere Informationen

Fünf Dinge, die man über Minijobs wissen sollte:

Tipps von Madeline Scholz von der Minijob-Zentrale in Essen

Welche Rechte Minijobber haben:
Ein Minijob ist per Definition eine geringfügige Beschäftigung. Entweder mit der Verdienstgrenze von 450 Euro im Monat oder als Job, der von vornherein auf eine bestimmte Zeit begrenzt ist. Minijobber gelten als Teilzeitbeschäftigte und haben grundsätzlich die gleichen Rechte wie Vollzeitbeschäftigte. Sie können etwa Lohnfortzahlung im Krankheitsfall genauso in Anspruch nehmen wie Mutterschutz. Bei einer Kündigung gelten ebenfalls die gesetzlichen Kündigungsfristen. Zu den Rechten gehört auch bezahlter Urlaub. Pauschal sind das 4 Wochen im Jahr. Auch für Minijobber gilt der Mindestlohn von derzeit 8,84 Euro brutto je Zeitstunde.

Welche Abgaben Minijobber zahlen müssen: Die Abgaben für einen Minijob zahlt zum Großteil der Arbeitgeber. Minijobber tragen lediglich einen Eigenanteil zur Rentenversicherung von 3,6 Prozent des Arbeitsentgelts. Minijobber im Privathaushalt zahlen 13,6 Prozent. Ein rentenversicherungspflichtiger Minijobber erwirbt vollwertige Pflichtbeitragszeiten und kann damit von zahlreichen Leistungen der Rentenversicherung profitieren (z.B. Anspruch auf eine Reha-Maßnahme). Man kann sich als Minijobber aber auch von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen. Minijobs sind steuerpflichtig. Der Arbeitgeber entscheidet, ob der Minijob pauschal mit zwei Prozent oder individuell nach der Lohnsteuerklasse des Minijobbers versteuert wird. Für Minijobber, die noch einen Haupt-Job haben, ist die Pauschalsteuer in der Regel günstiger. Die Pauschalsteuer wird mit den anderen Abgaben von der Minijob-Zentrale eingezogen.

Ob man mehrere Minijobs nebeneinander ausüben kann: Gehen Minijobber einer versicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung nach, gelten die Minijob-Regeln nur für den zeitlich zuerst begonnenen Minijob. Weitere Minijobs sind versicherungspflichtig. Ohne Hauptbeschäftigung ist es erlaubt, mehrere Minijobs zu haben. Man darf aber mit allen Minijobs nicht die monatliche Verdienstgrenze von 450 Euro überschreiten. Ansonsten werden alle Minijobs sozialversicherungspflichtig.

Warum sich Minijobs für Rentner und Frührentner lohnen: Minijobs bieten die Möglichkeit, im Alter aktiv zu bleiben. Für Rentner vor Erreichen der Regelaltersgrenze gelten Grenzen beim Hinzuverdienst. Ein Minijob mit 450 Euro im Monat ist aber immer drin. Wenn man bereits die Regelaltersgrenze erreicht hat, kann man zur Rente so viel hinzuverdienen, wie man will.

Wo man Minijobs finden kann: Zum Beispiel über die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit, andere Jobbörsen im Internet oder auch über die Anzeigenseiten von Wochenblättern. Geht es um Minijobs im Privathaushalt, bietet die Minijob-Zentrale die kostenlose Haushaltsjob-Börse. Dort besteht die Möglichkeit, Jobs in Privathaushalten zu suchen oder anzubieten. Auch ein Aushang im Supermarkt kann Sinn machen.

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Weitere Informationen

Links:

  • https://jobboerse.arbeitsagentur.de
  • www.haushaltsjob-boerse.de
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Zusatzinformationen zu Minijobs in Privathaushalten

Was das Haushaltsscheckverfahren ist: Das Haushaltsscheck-Verfahren ist ein vereinfachtes Melde- und Beitragsverfahren für Minijobs im Privathaushalt. Der Haushaltsscheck geht online oder per Post an die Minijob-Zentrale. Ansonsten muss sich der Arbeitgeber um nichts kümmern, die Minijob-Zentrale regelt alles Weitere und meldet den Beschäftigten bei der Unfallversicherung an. Arbeitgeber zahlen für eine Haushaltshilfe Abgaben von insgesamt 14,74 Prozent. Diese werden halbjährlich von der Minijob-Zentrale berechnet und eingezogen. Dafür erteilt der Arbeitgeber der Minijob-Zentrale bei der Anmeldung ein Lastschriftmandat.

Warum es wichtig ist, eine Haushaltshilfe anzumelden:  Wer seine Haushaltshilfe nicht anmeldet, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss mit einer Geldbuße von bis zu 5000 Euro rechnen. Außerdem ist die Haushaltshilfe mit der Anmeldung bei der Minijob-Zentrale gesetzlich unfallversichert. So ist ausgeschlossen, dass der Arbeitgeber im Falle eines Unfalls seiner Haushaltshilfe für Behandlungskosten aufkommen muss.

Welcher Stundenlohn üblich ist: Welchen Stundenlohn die Haushaltshilfe bekommt, müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer untereinander aushandeln. Die Höhe des üblichen Stundenlohns kann regional unterschiedlich hoch sein. Wichtig ist, dass auf jeden Fall der Mindestlohn von 8,84 Euro gezahlt wird.

Worin die Vorteile für den Arbeitgeber bestehen:  Neben der Absicherung im Falle eines Unfalls kann der Arbeitgeber 20 Prozent seiner Kosten für die Haushaltshilfe von seiner Steuerschuld abziehen und damit bis zu 510 Euro im Jahr sparen.

Worin die Vorteile für den Arbeitnehmer bestehen: Die Haushaltshilfe zahlt in die Rentenkasse ein und sichert sich damit vollwertige Leistungsansprüche. Außerdem besteht Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall. 80 Prozent dieser Kosten kann sich der Arbeitgeber erstatten lassen. Die Unfallversicherung für die Haushaltshilfe kommt für Unfälle bei der Arbeit, aber auch auf dem Hin- und Rückweg auf.

Sendung: hr-fernsehen, "service: zuhause", 24.09.2018, 18:50 Uhr