Obst, Gebäck, Würste, Unterhosen, Desinfektionsmittel – jeden Morgen sortiert Leokadija Lescika neue Produkte in ihren alten Lieferwagen. Dann geht es los - acht bis neun Stunden durch die lettische Provinz. Für ihre Kunden, die oft alt und allein unter schwierigen Bedingungen leben, ist die wöchentliche Visite der klapprigen Verkaufstheke ein "Gottesgeschenk". Sechs Tage die Woche klappert die 67-jährige Leokadija Lescika mit ihrem Fahrer, Andris Klesa, mehr als hundert Verkaufsstellen ab. In den kleinen Dörfern und den vielen Einzelgehöften wird der rollende Tante-Emma-Laden schon sehnlichst erwartet. Das nächste Geschäft ist oft 20 Kilometer entfernt. Ohne Pkw bedeutet der Einkauf eine beschwerliche Tagesreise mit Bus oder Bahn. Für ihre Kunden ist so die wöchentliche Visite des klapprigen Verkaufsbusses ein „Gottesgeschenk“. Gerne erfüllt Leokadija kleine Sonderwünsche und wenn die schmale Rente am Ende des Monats nicht mal mehr für das Brot reicht, gewährt sie auch Kredit. Die Region ist durch Überalterung, Abwanderung und fehlende Arbeitsplätze geprägt. Jeden Tag beten Leokadija Lescika und ihr Fahrer, dass ihr rollender Laden weiter durchhält. Trotz der harten Arbeit reichen die Einnahmen nicht, um eine größere Reparatur des Verkaufswagens zu bezahlen, von einem neuen Fahrzeug ganz zu schweigen. .