Wie wohnt man in Hessen ungewöhnlich, originell oder "abgefahren" - etwa neben dem Bahngleis oder in einem ehemaligen Schlachthof, in einem mittelalterlichen Wach- und Speicherturm oder auf einem ausgedienten Kriegsschiff?

Die Filmautorinnen Juliane Hipp und Thea Eymüller sind im südlichen Hessen unterwegs und lernen Menschen kennen, die ihre Türen zu ihrem besonderen Zuhause öffnen: Bewohner und Architekten, Künstler und Handwerker, Träumer und Visionäre. Was hat sie bewogen, an diesen Ort zu ziehen? Was investieren sie an Kraft und Nerven, um sich ihr ganz persönliches Nest zu bauen?

Welche Lösungen und außergewöhnlichen Clous haben sich Architekten ausgedacht, etwa anstatt die alte Scheune abzureißen einfach das Haus in die Scheune zu bauen, und wie lebt es sich in solch außergewöhnlichem Ambiente? Ein Bilderbogen über Wohnprojekte der ganz anderen Art.

Klein-Auheim

Die Odenwaldbahn fährt zwar noch an ihm vorbei, aber seit 1988 ist der alte Bahnhof von Klein-Auheim nicht mehr in Betrieb. Er hat eine neue Bedeutung erhalten und ist jetzt Kulturdenkmal, in dem Wohnungen entstanden sind. 2007 kaufte der Frankfurter Architekt Kai Oesterle die heruntergekommene Güterhalle und baute sie zu zwei Wohneinheiten aus.

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Kai Oesterle
bauphase I Projektentwicklung GmbH
Wiesenstraße 23
60385 Frankfurt Main
Telefon: 94597384
Mail: ko@bau-phase.com
Internet: www.bau-phase.com

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Groß-Bieberau

Ein Haus in einer Scheune, dreistöckig und sehr modern. Große Fenster, Lichtschächte im Inneren und einige Lichtbänder im Dach bringen viel Helligkeit ins Haus. Die Darmstädter Architektin Chris Dähne war angetan von Frank Schönbergers Idee und entwickelte für ihn das Konzept einer "Stapellandschaft" - für ein "Haus im Haus". Der energetische Vorteil: das neue Haus benötigt keine besondere Isolation, die dicke Scheunenmauer dient als Klimapuffer und Schutzhülle.

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Architektin Chris Dähne
ab.rm
Gesellschaft für interdisziplinäres Arbeiten in den Bereichen: Architektur, Urbanistik, Design und Kunst
Albig, Bangert und Dähne GbR
Kleyerstraße 8
64295 Darmstadt
Telefon: 06151-8708500
Mail: info@abrm.de
Internet: www.abrm.de

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Lich-Eberstadt

Am nördlichen Rand der Wetterau in Lich-Eberstadt liegt ein historisches Landgut, das von der Malerin Annette Habicht umgestaltet wurde. Den ehemaligen Heuboden unter dem Dach hat sie in ihr Atelier verwandelt. Hier und auf Mallorca gibt sie Malkurse. Auf dem alten Landgut finden sich viele Mitbringsel aus Mallorca: Hibiskus, Agaven, Steinmauern oder Geländer wie bei einer Finka.

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Akademie des Zeichnens und Malwerkstatt
-Atelier Eberstadt-
Annette Habicht
Arnsburger Straße 50
35423 Lich-Eberstadt
Internet: www.i-love-malreisen.de

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Offenbach

Auch in Offenbach lässt es sich außergewöhnlich wohnen. Zum Beispiel in einem Industriedenkmal, dem Alten Schlachthof. Bis Ende der 1980er Jahre wurde hier geschlachtet bis sich die Hygienevorschriften verschärften. Die Stadt beschloss, ihn aufzugeben und ein modernes Wohn- und Gewerbezentrum entstehen zu lassen. Dabei war man lange stolz auf den eigenen Schlachthof: 1914 wurde er eröffnet, mit modernster Technik und damals höchstem Hygienestandard. Wo einst die Innereien verarbeitet wurden, in der Kuddelei, residiert heute eine Bürogemeinschaft und mitten drin: der Architekt Hans Mathis, der das kleine Backsteinhaus mit seiner Frau gekauft und umgebaut hat.

Und es blieb auch nicht bei dem einen Gebäude. Zusammen mit seinen Söhnen, inzwischen auch Architekten, machte er sich 2004 an die ehemalige Schweineschlachthalle. Sie stand lange leer und jetzt sind hier neun Eigentumswohnungen und ein Büro untergebracht mit einem mediterranen Innenhof in der Mitte. Die alte Struktur der Halle mit den Gusssäulen und der stählernen Dachkonstruktion ist erhalten geblieben und gefällt auch dem städtischen Denkmalschutz.

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Architekt Hans Mathis
Mathis Architektur & Desgin GmbH
Siegmund-Merzbach-Platz 7
63071 Offenbach
Telefon: 8004406
Mail: h.mathis@mathis-architektur.com
Internet: www.mathisarchitektur.com

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Frankfurt am Main

An der Niddamündung in Höchst liegen mehrere Hausboote. Eines hat Sascha Bronte vor einigen Jahren gekauft und renoviert. Seitdem kämpft er täglich mit Vogeldreck, aber seiner Begeisterung für das Leben auf dem Wasser tut dies keinen Abbruch. In solchen Fällen ist ein Nachbar mit Erfahrung hilfreich. Zum Beispiel Alfred Goronzi, der seit über 25 Jahren nebenan in einem alten Kriegsschiff wohnt.

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Hausboot-Konzerte (Frankfurt-Höchst)
Hausboot Venus
Mainberg 4
65929 Frankfurt
(direkt an der Niddamündung in den Main)
Internet: www.hausboot-venus.de

Band "Chordjacks"
c/o Dani Schröder
Mobil: 0157 73752963
Mail: dschroeder@email.de
Internet: www.chordjacks.com

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Wickstadt

Auch in Wickstadt gibt es eine außergewöhnliche und einmalige Wohnstätte, eine Art "Dornröschenturm". 1977 haben Bärbel und Harald Fischer den Turm von einem Bekannten übernommen. Für Harald Fischer war das mehr als ein glücklicher Zufall: Schon als Kind war er begeistert von dem alten Wach- und Speicherturm aus der Zeit um 1400. Er ist einer der letzten, die in Deutschland erhalten sind.

Aber auch die Wickstädter sind begeistert, denn hier finden öfters auch mal kleine Konzerte und Lesungen statt. So lieben die Fischers nicht nur ihren Turm, sondern auch das Dorf und seine Bewohner.

Es wuchs mit der Entstehung eines großen landwirtschaftlichen Hofgutes, das lange Zeit zu Kloster Arnsburg gehörte und dann in den Besitz der Grafen zu Solms überging. Heute ist Wickstadt immer noch das größte Hofgut der Wetterau. Etwa 30 Leute wohnen hier.

Einer der Bewohner, die schon am längsten hier leben, ist der Kunsthandwerker Jo Pollack. Er fragte Anfang der 1970er Jahre an, ob er hier Häuser renovieren und dafür auch wohnen könnte. Jo Pollack ist beliebt im Ort, weil er viel für Wickstadt tut.

Auch Monika Fertsch ist nach dem Tod ihres Mannes nach Wickstadt gezogen, in eines der ältesten Gebäude des Hofgutes. Wo früher die Zisterzienser Mönche von Arnsburg speisten, ist jetzt Monika Fertschs Wohnzimmer. Ihre Möbel und Gemälde hat sie mitgebracht, die sich "gut machen" unter einem Kreuzrippengewölbe im gotischen Baustil. Die Säulen sind dagegen aus der Renaissance. Und draußen "wohnen" ihre Schafe, die hat sie auch mitgebracht.

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Jo Pollack (Schreiner und Kunsthandwerk)
Von-Engelbrechten-Platz 1
61194 Niddatal-Wickstadt
Telefon: 06034 5422
Mail: info@wickstaedter-werkstatt.de
Internet: www.wickstaedter-werkstatt.de
www.wickstaedter-kunstfest.de

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Ein Film von Juliane Hipp und Thea Eymüller

Sendung: hr-fernsehen, "erlebnis hessen - Außergewöhnlich wohnen", 09.02.2019, 18:45 Uhr