Der Jaguar, die drittgrößte Katze der Welt, hat auf dem amerikanischen Kontinent lange um sein Überleben kämpfen müssen. Das wunderschöne Fell des Jaguars und die Furcht der Menschen haben ihn in weiten Teilen Amerikas zum Verschwinden gebracht.

Auch in Brasilien ging es erst nach dem Artenschutzabkommen von 1976 wieder langsam aufwärts für die Großkatze. Rund um die berühmten Wasserfälle von Iguaçu hatte man lange nicht mit großen Raubkatzen zu tun, denn die wenigen scheuen Exemplare haben sich in den angrenzenden Nationalpark zurückgezogen. Doch in der letzten Zeit kommen sie bedrohlich nahe. Vor allem zwei junge Jaguarbrüder machen den brasilianischen Forschern des Nationalparks zu schaffen, da sich die Raubkatzen bis in die Touristenzone vorwagen. Jederzeit könnte es zu einem Konflikt mit Menschen kommen - es wäre das Aus für die Jaguare am Iguaçu. Auch im Pantanal, dem über 200.000 Quadratkilometer großen Schwemmland in Zentralbrasilien, schwelt immer noch der Konflikt zwischen Artenschutz und Viehzucht. Viele Farmer fürchten um ihr Vieh und lassen die Jaguare immer noch heimlich vergiften. Lucas Leuzinger ist Biologe und Farmer. Fast die Hälfte des Farmlandes der Fazenda Barranco Alto im Südpantanal überlässt er der Wildnis. Jaguar und Puma finden dort genug an wilder Beute. Leuzinger hat so gut wie keinen Viehverlust zu beklagen. Weil aber über die Wanderwege der Jaguare immer noch zu wenig bekannt ist, will der Biologe einen Jaguar mit einem Sender versehen lassen. Doch eine ungewöhnlich späte und lange Regenzeit macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Fast das ganze Land steht unter Wasser, die seit langer Zeit einbestellten Experten haben keinen Erfolg. Denn nichts ist einfacher für einen Jaguar, als vor seinen Jägern davonzuschwimmen. Im Norden des riesigen Mosaiks aus Flüssen, Wäldern und je nach Jahreszeit überfluteten Savannen verfolgt Douglas Trent seit einigen Jahren mit seiner Kamera die Jaguare in einem abgelegenen Schutzgebiet. Über 39 verschiedene Jaguare konnte er schon ausfindig machen. Diese ungewöhnlich hohe Dichte spricht dafür, dass das Schutzgebiet den Katzen als Durchgang auf der Suche nach einem eigenen Revier dient. Doch solange noch wenig über die Bedürfnisse der Jaguare bekannt ist, wird es ein langer Weg sein, der größten Katze des südamerikanischen Kontinents eine sichere Zukunft zu geben.