Endlich hat es geklappt: Christian Thielemann debütiert beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks! Jetzt ist die Gelegenheit, ihn mit seinem bevorzugten Repertoire der deutschen Romantik sowie mit Richard Strauss zu erleben. Der mittlerweile 62-jährige Berliner hat als Chefdirigent der Dresdner Staatskapelle und als Musikdirektor der Bayreuther Festspiele längst Kultstatus. Corona-bedingt kann Thielemann in München leider nicht die Fünfte von Bruckner dirigieren. Aber auch sein Alternativ-Programm kann sich hören lassen, zumal die ausgewählten Stücke nur selten gespielt werden. Gegenüber seinen vier Symphonien hatte es Schumanns Opus 52 nie leicht. Dabei sind "Ouvertüre, Scherzo und Finale" keineswegs ein Fragment, sondern waren von Schumann als abgeschlossene Suite oder Sinfonietta konzipiert. "Ich schrieb es in recht fröhlicher Stimmung", schrieb Schumann 1841 - und das hört man dem reizvollen Werk auch an. Zuvor leitet der große Strauss-Dirigent Thielemann ein 16-köpfiges Bläserensemble in der facettenreichen Ersten Sonatine des Garmischer Meisters. Nach dem Vorbild von Mozarts "Gran Partita" bereitete sich Strauss damit mitten im Krieg 1943 eine "Schreibtischvergnügung" oder auch "Handgelenksübung", "damit das vom Taktstock befreite rechte Handgelenk nicht vorzeitig einschläft". Der Titel "Aus der Werkstatt eines Invaliden" bezieht sich auf den Werkstattcharakter der Sonatine ebenso wie auf eine kurz zuvor überstandene schwere Grippe. Vor das altmeisterliche Spätwerk setzt Thielemann die "Wiener Philharmoniker Fanfare" für 22 Blechbläser und Pauken, die Strauss seinen "lieben herrlichen Philharmonikern" gewidmet hat. Uraufgeführt wurde die effektvolle Fanfare beim ersten Philharmoniker-Ball 1924.