Ein ganzes Dorf in der Nähe von Posen lebt davon, Sperrmüll zu sammeln, weggeworfene Möbel, Elektrogeräte und Einrichtungsgegenstände aufzuarbeiten und wieder zu verkaufen – mit Gewinn: Wir begleiten Magdalena und Wieslaw. Die Beiden sind ein gut eingespieltes Team: Er fährt nach Deutschland, um Ware zu holen, seine Frau ist für den Verkauf in ihrer Halle zuständig.

Wieslaw macht sich am Sonntag mit seinem Bus nach Deutschland auf. Sein Revier ist in Nordrhein-Westfalen. Dort fährt er viele Sperrmüllsammlungen ab und sucht gute Ware, die er sofort einlädt. Er übernachtet im Auto und ist eigentlich ständig unterwegs. Ihre Kunden sind sehr verschieden. Es sind Händler, die die Ware abkaufen, es sind Familien, die neue Gartenmöbel brauchen, manchmal sind es auch Ukrainer, die nach der Ankunft in Polen eine leerstehende Wohnung billig und schnell einrichten müssen. Rafal arbeitet anders: Bei ihm ist es kein klassischer Trödel, denn er hat sich auf eher auf wertvolle Antiquitäten spezialisiert. Diese Sachen kauft er bei Ebay oder Händlern und fährt dann einmal in der Woche nach Belgien, Holland, Deutschland, um seine Beute abzuholen. Er spricht auch Deutsch und hat überall seine Kontaktleute. Vieles kommt auch aus Wohnungsräumungen, z. B. wenn jemand verstorben ist und die Angehörigen den Hausstand auflösen möchten. Mit seinem Profi-Blick erkennt er schnell, was sich lohnt, um ein Geschäft damit zu machen. Nicht nur die alten Dinge, auch einige Kunden kommen aus Deutschland oder Belgien, das ist der Kreislauf im Sperrmülldorf Czacz. Aktuell macht die Corona-Pandemie dem ganzen Dorf zu schaffen, viele haben Angst davor, dass das Virus ihr erfolgreiches Geschäftsmodell kaputt macht.

Ein Film von Olaf Bock
Sendung: hr-fernsehen, "Czacz – das Dorf der Dinge", 08.09.2021, 10:00 Uhr