Sie hießen Hadassa, Dani, Ruffka oder Arie, sie waren zwischen sechs und fünfzehn Jahre alt - jüdische Kinder aus Polen und Russland, die Terror und Grauen der Nazi-Vernichtungsmaschinerie überlebt, aber Vater und Mutter verloren hatten. Auf der Suche nach Angehörigen irrten sie in den ersten Monaten nach Kriegsende allein umher, die meiste Zeit hungrig, ohne Dach über dem Kopf, ohne Geborgenheit. Einige, die Älteren, versuchten sich nach Palästina durchzuschlagen, andere träumten von Amerika. In einem Kinderlager, das die UNRRA, die Flüchtlingsorganisation der Vereinten Nationen, in Lindenfels, einer kleinen hessischen Kurstadt im Odenwald, eingerichtet hatte, fanden viele von 1946 bis 1948 vorübergehend ein Zuhause. Jüdische Lehrer und Erzieher, die meisten ebenfalls Überlebende des Holocaust, kümmerten sich um die verängstigten und verstörten Jungen und Mädchen. In ihrer Obhut lernten sie langsam wieder Kinder zu sein. Doch der Aufenthalt in Lindenfels, der so genannten Perle des Odenwalds, verlief nicht ohne Spannungen zur deutschen Bevölkerung. Bis heute fällt es der alten Generation schwer, über die jüdischen Kinder zu sprechen. Einige können sich vielleicht nicht mehr erinnern, die meisten aber wollen nicht. Die hr-Autorin Yvonne Menne hat einige der jüdischen Kinder von damals wiedergefunden. Ihre Spurensuche beginnt in Lindenfels und führt bis nach Israel. In ihrer eindringlichen Dokumentation erinnern sich die heute fast Siebzigjährigen an die Zeit, als sie Kinder waren und nach dem überstandenen Grauen mühsam wieder das Lachen lernten. Sie erzählen von ihrem Leben im Lager Lindenfels und dem mühsamen Weg mit dem berühmten Flüchtlingsschiff "Exodus" in die neue Heimat Palästina, die erst ganz allmählich zu ihrem Zuhause wurde. Zu Wort kommen außerdem jene Lindenfelser, die nicht alle Gedanken an jene Zeit aus ihrem Gedächtnis vertrieben haben.