Angst vor Arbeitslosigkeit, mieser Bezahlung oder Altersarmut? Für Beamte kein Thema. Rund 1,8 Millionen Beamte arbeiten bei Bund, Ländern und Kommunen. Sie haben einen Job auf Lebenszeit, bekommen mehr Netto vom Brutto, und im Alter wartet eine gute Pension. Beamte - beneidet und umstritten.

Haben Beamte zu viele Privilegien? Brauchen wir so viele Beamte? Funktioniert der Staat auch mit weniger Beamten? Oder gilt eher das Gegenteil? Nach jahrelangem Personalabbau fehlen überall Polizisten, Lehrer, Richter. In Amtsstuben stapeln sich unerledigte Akten, und die Warteschlangen der Bürger werden immer länger. Laut Beamtenbund sind über 200.000 Stellen unbesetzt. Im Wettstreit mit der Privatwirtschaft um Arbeitskräfte geht ohne den Trumpf "Beamtenstatus" gar nichts mehr?

Im "Beamtenreport" geht die Autorin Christine Rütten all diesen Fragen nach, mit Hilfe von Fakten, Studien und namhaften Experten, mit exklusiven Umfragen zusammen mit Infratest Dimap, mit Recherchen vor Ort in Schulen, Polizeirevieren und in Ämtern. Vor allem die explodierenden Pensionskosten befeuern die Diskussion um den Beamtenstatus aufs Neue.

Bildergalerie

Bildergalerie

zur Bildergalerie Der Beamtenreport

Ende der Bildergalerie

Der Rentenexperte Bernd Raffelhüschen warnt: "Die alten Bundesländer werden bald in Pensionslasten ertrinken." Was da auf die öffentlichen Haushalte zukäme, sei "hausgemacht". Niemand sei "vorsichtig genug" gewesen, "alle haben zwischen 1972 und 1982 die Zahl ihrer Beamten verdoppelt." Die Folge der Einstellungswelle in den siebziger Jahren ist die Pensionierungswelle ab 2020, dann, wenn die Beamten-Babyboomer in den Ruhestand gehen. Eine Kostenlawine rollt auf Bund, Länder und Kommunen zu, für die am Ende auch der Steuerzahler einstehen muss. Denn vorgesorgt haben alle viel zu spät und viel zu wenig.

Der "Beamtenreport" zeigt: Deutschland ist in puncto Vorsorge ein wahrer Flickenteppich. Die Rücklagen für die Beamtenpensionen sind ein Tropfen auf den heißen Stein. Braucht das deutsche Beamtentum dringend Reformen? Sollten künftige Beamte in die gesetzliche Kranken- und Rentenversicherung einzahlen? Macht das Sinn? Regierungspolitiker denken laut darüber nach. Oder was wäre, wenn freie Stellen statt mit Beamten verstärkt mit Angestellten besetzt würden? Sind die für den Staat günstiger als Beamte? Wo überall könnten Angestellte Beamte ersetzen und wo nicht?

"Der Beamtenreport" blickt in die Schweiz. Das Nachbarland hat vor 15 Jahren das Beamtentum weitestgehend abgeschafft, mit welchen Erfahrungen? Hierzulande nimmt das Thema Verbeamtung gerade eine völlig andere Richtung. Beispiel Lehrer. In den neuen Bundesländern waren Lehrkräfte bis vor Kurzem in der Regel angestellt. Seit diesem Schuljahr macht nun auch Thüringen als letztes Bundesland die Kehrtwende - nicht etwa weil an den Schulen Chaos herrschte, vielmehr herrscht Lehrermangel, und wer keinen Beamtenstatus bietet, der geht bei der Suche nach Lehrkräften leer aus.

Wie attraktiv ein Beamtenjob für junge Menschen ist, das zeigen aktuelle Umfragen. Eine Befragung unter 2.000 Studenten ergab, dass für 57 Prozent die Jobsicherheit das wichtigste Kriterium beim Berufseinstieg ist. 41 Prozent streben in den öffentlichen Dienst. Wunschberuf Beamter? Das fragt der "Beamtenreport" die Studenten an der Finanzhochschule des Landes Nordrhein-Westfalen. Über 1.000 junge Menschen büffeln hier für den künftigen Job im Finanzamt. Auch der Beamtenbund freut sich über beste Umfragewerte.

Das Image der Beamten war noch nie so gut. Ulrich Silberbach, Vorsitzender des Deutschen Beamtenbundes, überrascht das nicht, denn für ihn sind Beamte "pflichtbewusst, und das gerade in Zeiten, wo der Staat so ein Stück weit wackelt, wo unsere politische Führung ein Chaos nach dem anderen verursacht, da ist das ein Pol, der in diesem Land für Frieden und Ordnung sorgt."