Über 30 Jahre liegt die Gründung der Treuhandanstalt zurück, doch bis heute scheiden sich an dieser Institution die Geister. Die Treuhandpolitik Anfang der 90er erweist sich als historische Weichenstellung, die Ostdeutschlands Wirtschaft und Gesellschaft bis heute prägt. Fragt man heute an den damaligen politischen Prozessen Beteiligte, offenbart sich, wo Erwartungen und Ziele lagen, aber auch wo es Missverständnisse und Fehlverhalten gab, die die Treuhand zum Synonym für noch immer bestehende deutsch-deutsche Unterschiede werden lassen.

Der Film beginnt mit der Geschichte von Karl Döring, er ist Kombinatsdirektor und überzeugt davon, dass sein Kombinat fit für die Marktwirtschaft ist und mittels der Treuhand die besten Chancen im geeinten Land besitzt. Heute lässt Karl Döring kein gutes Haar an der Treuhandpolitik. Für ihn ist sie ein Ergebnis der Arroganz des Westens, ein Symbol für "Anschluss" statt Einheit.

Dagegen steht der Lebensweg des Sachsen Detlef Scheunert, der einzige Treuhanddirektor aus Ostdeutschland. Er will als junger Mann – wie so viele im Osten – das Alte, die marode DDR, hinter sich lassen. Auch er wird am Ende bitter enttäuscht. Döring und Scheunert haben eins gemeinsam: Sie sind sich sicher, der Osten braucht einen spezifischen Weg Ost – damit aber dringen sie nicht durch. Denn die Perspektive West heißt Stabilität – und keine Experimente. Eine ostdeutsche "Sonderwirtschaftszone" oder eine einkalkulierte Übergangszeit sind nie vorgesehen. Die Politik setzt ausschließlich auf die Erfahrungen der Marktwirtschaft und das schnell und um jeden Preis. Der Osten soll wie der Westen werden, die langfristigen Folgen sind damals kein Thema.

Thilo Sarrazin berichtet davon, wie er als junger Referatsleiter im Bonner Bundesfinanzministerium durch die Lektüre des "Lexikon der DDR von A bis Z" und des Statistischen Jahrbuchs der DDR zum einzigen DDR-Experten wird. Bereits im November 1989 wird er beauftragt, Ideen für eine Währungsunion und einen radikalen Systemwechsel in der DDR zu entwickeln. Als der Osten noch von Runden Tischen und dritten Wegen träumt, sind die Weichen bereits gestellt. Auf Bonner Seite ist niemandem klar, wie man der De-Industrialisierung im Osten begegnen kann – also greift der Westen auf das zurück, was er kennt: Die Rezepte der alten Deutschland-AG. Die Kosten des Prozesses sind zunächst vage Schätzungen. Später wird Theo Waigel die "Salamitaktik" Helmut Kohls angesichts der steigenden Milliardenkosten der Einheit immer wieder zu verteidigen haben.

Noch immer richtet sich aller Zorn über Misslungenes im Einheitsprozess gegen die Institution Treuhand und kaum gegen die Bonner Politik. Mittels unterschiedlicher Perspektiven der Beteiligten entsteht ein Sittenbild von Taktik, Machterhalt und Missverständnissen zwischen Staat und Markt, zwischen Ost und West, aber auch zwischen oben und unten.

Der Film zeigt, warum in diesen ersten Jahren nach der friedlichen Revolution das entstehen konnte, was Ostdeutschland bis heute prägt – ein grassierendes Misstrauen in die Eliten und Institutionen, die Wut auf "die da oben", die politische und wirtschaftliche Abhängigkeit des Ostens. Die Folgen sind bis heute spürbar. Der Schauspieler Stephan Großmann, 1971 in Dresden geboren, hat seine ganz eigene Wendebiografie und stellt im Film ernüchternde Fragen, die sich wohl viele stellen: "Was ist schiefgelaufen, und warum?" Noch 1990 sind 80 Prozent der Ostdeutschen der Meinung, die SED sei am bedauerlichen Zustand der ostdeutschen Wirtschaft schuld. Nur vier Jahre später meinen 80 Prozent, die Treuhandanstalt sei schuld am Desaster der Ostwirtschaft. 40 Prozent der jungen Leute im Osten meinen heute sogar, die deutsche Einheit sei gescheitert.


Ein Film von Ariane Riecker und Dirk Schneider