Mit "Der Mann, der Liberty Valance erschoss" hat Regisseur und Western-Großmeister John Ford (1894-1973) einmal mehr sein künstlerisches Talent bewiesen, eine Geschichte voller Melancholie und Bitterkeit auf poetische Weise zu inszenieren.

Senator Ransom Stoddard, dessen Karriere vor Jahrzehnten in der Kleinstadt Shinbone begann, kehrt mit seiner Frau Hallie zur Beerdigung seines alten Freundes Tom Doniphon zurück. Im Ort gibt es nur wenige Menschen, die sich an den alten Stoddard erinnern, da er sich in den letzten Jahren auf seine Ranch zurückgezogen hat.

Stoddard erinnert sich an seine Ankunft im Wilden Westen, an den Überfall auf seine Postkutsche durch den berühmt-berüchtigten Banditen Liberty Valance und an sein Verlangen, sich an dem gefährlichen Gangster zu rächen, der das Städtchen und dessen Umgebung terrorisierte. Tom Doniphon hatte Stoddard und seine Mitreisenden damals gerettet und wurde damit zu seinem Verbündeten und Freund. Stoddards zahlreiche Versuche, Liberty Valance mit rechtsstaatlichen Mitteln zu stoppen, scheiterten. Schließlich startete der idealistische Anwalt eine Kampagne gegen die Landbesitzer, die Valance bezahlten. Als der gefürchtete Übeltäter erneut in der Stadt auftauchte, war die Konfrontation mit dem friedfertigen Stoddard unausweichlich: Es kam zum Showdown, an dessen Ende der junge Anwalt als "Der Mann, der Liberty Valance erschoss" gefeiert wurde. Doch in Wahrheit wurde der Gangster von Doniphon aus dem Hinterhalt erschossen. Stoddard hatte es nicht für nötig gehalten, die Sache klarzustellen. Ein Mythos entstand und ermöglichte ihm den politischen Aufstieg sowie den Eintritt in höchste Ämter.

Wie viele bedeutende Western handelt der Film von der Geburt des modernen Amerika. Indem John Ford den gesellschaftlichen Aufstieg seines Helden auf einer Lüge beruhen lässt, reflektiert und problematisiert er die idealisierten Helden des Westerngenres. Zu seinen Lebzeiten hat der Meisterregisseur John Ford eine stets ambivalente Haltung gegenüber seiner Arbeit und seinen Filmen eingenommen. Ford stilisierte seine Werke im gleichen Maße, wie er sie radikalisierte, ironisiert oder eine Distanz zu ihnen aufbaute. Dennoch bleiben gewisse Typisierungen und Stilisierungen von Berufen, Funktionen und Rollen erhalten, wie sie typisch für einen klassischen Schwarz-Weiß-Western sind. Allen voran ist dies zu finden bei den Figuren des Cowboys Doniphon und bei Ransom Stoddard, gespielt von John Wayne und James Stewart. Lee Marvin und Vera Miles überzeugen in ihren klischeebesetzten aber zugleich untypischen Rollen in einem Westen.

Ransom Stoddard: James Stewart
Tom Doniphon: John Wayne
Liberty Valance: Lee Marvin
Hallie Stoddard: Vera Miles
Dutton Peabody: Edmond O'Brien
Link Appleyard: Andy Devine
Major Cassius Starbuckle: John Carradine
Reese: Lee Van Cleef
und andere
Musik: Cyril J. Mockridge
Kamera: William H. Clothier
Buch: James Warner Bellah und Willis Goldbeck
Regie: John Ford