Der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad gehört zu den bekanntesten und zugleich umstrittensten Geheimdiensten der Welt. Seine spektakulären, nicht selten brutalen Operationen verbreiteten in den 1970er- und 1980er-Jahren nicht nur in Europa, sondern auch im Nahen Osten oft Angst und Schrecken. Vor allem die Entführung Adolf Eichmanns 1960 in Argentinien, einem der Architekten der Vernichtung der europäischen Juden durch die Nazis, machte die Organisation weltberühmt. Auch die Tötung der palästinensischen Terroristen, die während der Olympischen Spiele 1972 in München elf israelische Sportler ermordeten, zeigte die Effizienz und die Unnachgiebigkeit des Geheimdienstes.Der preisgekrönte Regisseur Amit Goren versucht mit seinem Film „Mossad“ hinter die Fassade des Geheimdienstes zu schauen. Mit exklusiven Interviews und sorgsam recherchierten Archivbildern rekonstruiert er die Geschichte der Organisation von ihrer Gründung 1949 bis heute. Agenten, Politiker und Augenzeugen sprechen direkt und unumwunden über Versäumnisse und Katastrophen.Dabei dokumentiert der Film nicht nur spektakuläre Einsätze, sondern auch gescheiterte Operationen, Misserfolge und Fehler. Fehler, die in Israel bis heute unausgesprochen bleiben, sodass Verantwortliche nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Abgeschirmt und in ihrer Struktur unsichtbar, scheint die Organisation von jeglicher Kritik ausgenommen. Welche Rolle spielte der Geheimdienst während der Massaker von Sabra und Schatila in den Flüchtlingslagern im Libanon 1982? Hätte der Jom-Kippur-Krieg 1973 verhindert werden können, wäre der Mossad der Vorwarnung eines ägyptischen Informanten rechtzeitig nachgegangen? Wieso flog der Mossad während einer Operation in Dubai 2010 auf? Welchen Einfluss hat die Organisation auf die politischen Machthaber des Landes? Und wie weit wird der Mossad von den Regierenden für politische Zwecke instrumentalisiert? Trotz seines stolzen Selbstverständnisses als Friedensstifter wird der Mossad vor allem im Nahen Osten heute eher als Kriegstreiber betrachtet. Letztendlich bleibt er das, was er immer war: gefürchtet, mächtig und nicht zuletzt umstritten.