Bis in die fünfziger Jahre waren die Äolischen – oder Liparischen – Inseln selbst den Italienern kaum bekannt. Es herrschten Armut und Hunger, bezahlte Arbeit gab es nicht, wer konnte, emigrierte nach Amerika oder Australien. Die Wende brachte ausgerechnet das Kino.

Als Roberto Rossellini 1949 zusammen mit Hollywood-Diva Ingrid Bergman den Film "Stromboli - Terra di Dio" drehte, löste er die erste große Besucherwelle aus. Filmfans wollten den Schauplatz sehen und das Naturspektakel des Stromboli selbst erleben. Nach und nach bekamen die Inseln Hotels, regelmäßiger Fährverkehr wurde eingerichtet, der Tourismus schuf Arbeitsplätze. Inzwischen ist er der wichtigste Wirtschaftsfaktor auf den Äolischen Inseln, und doch konnten sie sich ihre Ursprünglichkeit in einem Maße bewahren, das man in Europa kaum vermuten würde.

Die Filmautorin Ulrike Becker war drei Wochen unterwegs und hat in vielen kleinen Begegnungen ein Porträt der äolischen Seele skizziert. Auf Salina trifft sie den passionierten Winzer Nino Caravaglio, der Malvasia-Wein erzeugt. "Diese Rebe hat das Schicksals unserer Inseln bestimmt", sagt Caravaglio. Clara Rametta kehrte aus Boston zurück und hält den alten Ortskern von Malfa am Leben, weil sie zusammen mit ihrem Mann Michele Caruso verlassene Häuser restauriert und in ein Hotel mit Feinschmeckerlokal umgewandelt hat.

Das "Signum" ist eine Oase der Ruhe und der äolischen Lebensart - die sich nicht zuletzt in den leckeren Gerichten zeigt, die Michele in seiner Küche zaubert. Kaum ein äolisches Rezept, bei dem nicht Kapern Verwendung fänden. Die kleine aromatische Knospe wächst wild, vor allem dort, wo der Boden steinig ist, auch an Stützmauern von Terrassenfeldern oder Weinbergen. So kann jeder, der Wein produziert, auch Kapern ernten. Und so ist das wichtigste Fest der Insel die Sagra del cappero, das Kapernfest. Sogar die Schönheitsrezepte der Wellness-Oase des "Signum" kommen ohne Kapern als Zutat nicht aus.

Wer nicht im Tourismus oder in der Landwirtschaft tätig ist, findet sein Auskommen durch das Meer. Die äolischen Gewässer sind sauber und fischreich, sie bieten herrliche Ausblicke, großartige Tauchgründe und traumhafte kleine Badebuchten. Der Film begleitet den Fischhändler Bartolo Greco und seine beiden Söhne Leonardo und Raul aus Lipari auf einem Bootsausflug zu solch einer "spiaggetta" sowie den Seebär Capitan Felice aus Felicudi, der einen Zweimaster mit Baujahr 1901 liebevoll restauriert hat, auf einem Segelturn. Er trifft junge Menschen, die nur während der Saisonmonate auf den Äolischen Inseln arbeiten, solche, die aus einem Stressberuf ausgestiegen sind, um sich ganzjährig dort niederzulassen, und eine Vulkanologin, für die der Stromboli der spannendste Vulkan der Erde ist.