Die ersten freien Kommunalwahlen in Hessen waren für die Familie der damals 10jährigen Lore Schwarz im hessischen Sprendlingen ein besonderer Tag: „Da war man schon enthusiastisch, dass man wählen durfte!“ Rund 1,2 Millionen Hessen durften bereits Anfang 1946 in ihren Gemeinden ihre Stimme abgeben und fast 85% taten das auch. Ein Höchstwert bei der Wahlbeteiligung, der später nie wieder erreicht wurde.

Und nur 19 Monate nach Kriegsende, am 1. Dezember 1946, hatte Hessen eine demokratische Landesverfassung. Für Kriegskinder wie Peter Schmidt aus Darmstadt, damals 7 Jahre alt, steht fest: „Demokratie, die müssen wir schützen, das ist ganz klar!“

Zeitzeugen und Zeitzeuginnen berichten: Wie war das nach 1945 – von der Diktatur zur Demokratie?

„Das ging langsam, die Prägung war unheimlich stark. Denn die Nazis hatten ja das Leben bis in die Alltäglichkeit erfasst“, erzählt der damals 16jährige Karl-August Helfenbein aus Lauterbach. Aber nach zwölf Jahren Nazi-Terror war nicht nur ihm schnell klar: „Das Gespräch mit den Amerikanern war die Entdeckung einer neuen Welt.“ Einer besseren Welt. Trotz Zerstörung, Wohnungsnot und Hunger: “Es war ein Befreiungsschlag!“, sagt auch Oswald Henzel aus Hungen, bei Kriegsende ebenfalls 16 Jahre. In der hr-Dokumentation erzählen Zeitzeug*innen vom demokratischen Neuanfang in Hessen nach 1945, den sie als Kinder erlebten. Was bedeutete die neue Freiheit für den Alltag, für die Schule, für ihr Leben?

Sendung: hr-fernsehen, "Endlich frei!", 09.03.2021, 21:45 Uhr