„Der Tourismus ist tot", sagt Riaan Vorster. "Seit März letzten Jahres habe ich kein Geld verdient. Die Lage ist ernst, viele Menschen in der südafrikanischen Tourismusbranche sind verzweifelt." Vorster bietet in Kapstadt Wander- und Klettertouren auf den Tafelberg an. Aber es kommen keine Touristen, vor allem aus dem Ausland nicht.

Vor der Pandemie waren es noch jährlich 17 Millionen Besucher aus aller Welt gewesen. Kapstadt, der große Touristenmagnet im Land, war in Umfragen auch 2019 wieder zum besten Reiseziel der Welt erkoren worden, wie so oft in den Jahren zuvor. Seit dem Beginn der Pandemie: ein Besucher-Rückgang von über 90 Prozent. Derzeit kommen nur inländische Touristen. "Sie sind unsere einzige Hoffnung", sagt Liesl Matthews von einem Reiseveranstalter. Reisen nach Südafrika seien seit November wieder erlaubt, aber nur während einiger Wochen voller Hoffnung im Dezember seien Touristen gekommen. Im Januar dann der nächste Rückschlag, ein harter Lockdown, seitdem Flaute im südafrikanischen Tourismus. Die harten Lockdown-Regeln wurden zwar am 1. März gelockert, aber bis Ostern gibt es keine Buchungen aus dem Ausland. Die einzigen Besucher an der weltberühmten Waterfront sind Südafrikaner.

Es sind vor allem die kleinen Tourismusbetriebe, die zu kämpfen haben. Mmabatho Molefe zum Beispiel, sie betreibt an der Waterfront ihr kleines Restaurant Emazulwini, bietet dort traditionelle afrikanische Küche an, "neu interpretiert", wie sie sagt. Auch sie möchte vom Förderprogramm der Small Enterprise Finance Agency profitieren, das mit Steuergeldern finanziert wird, insgesamt knapp 66 Millionen Euro. Aber die Verteilung der Gelder geht nur schleppend voran. 1,5 Millionen Menschen hängen in Südafrika direkt oder indirekt vom Tourismus ab, in Hotels, Naturparks, als Tour Guides, in der Gastronomie und im Transportwesen.

Mehr als die Hälfte dieser Menschen konnte schon 2020 nicht mehr ihre monatlichen Fixkosten decken. Sie glauben allesamt, dass ausländische Touristen erst dann wieder nach Südafrika kommen, wenn die gesamte Bevölkerung des Landes geimpft und das Virus mit all seinen Varianten besiegt ist. Das aber wird noch lange dauern. Und dann ist da noch der See aus Wein. 300 Millionen Liter unverkaufter Rosé-, Rot- und Weißwein. Dreimal in den vergangenen zwölf Monaten wurde der Verkauf von Alkohol von der südafrikanischen Regierung verboten. Diese Verbote hätten die Weinindustrie um mindestens drei Jahre zurückgeworfen, sagt der Winzer-Verband Vinpro. Man könne eine Branche wie den Weinanbau nicht an- und abknipsen wie eine Glühbirne, sagen sie auf dem Weingut Thokozani, das vor 20 Jahren Eigentum seiner schwarzen Arbeiter wurde. Jetzt aber haben sie monatelang kein Geld verdient. "Die nächste Epidemie, mit der wir konfrontiert werden, wird die Arbeitslosigkeit sein", sagt Denise Stubbs, die Geschäftsführerin von Thokozani. Mehr als 80 Weingüter mussten bereits Konkurs anmelden. Seit Mitte Februar darf wieder Wein verkauft werden. Es herrsche vorsichtiger Optimismus, so Vinpro.

Ein Film von Richard Klug
Sendung: hr-fernsehen, "Kein Urlaub am Kap", 30.07.2021, 10:05 Uhr