Zwei Welten werden aufeinander treffen: Jilly Latumena wohnt in einem Bauwagen, acht Meter lang und etwa zweieinhalb Meter breit, am Rande von Darmstadt. Das Bett klappt sie tagsüber hoch, heizen kann sie nur mit Holz, ihr Besitz passt auf einen Anhänger. Tina Humburg hingegen veredelt Immobilien, setzt sie in Szene, damit die Besitzer sie schneller und teurer verkaufen können - "Home-Staging" nennt man das.

Für "Puls 180" verbringen beide Frauen jeweils einen Tag in der Lebenswelt der anderen. Die Bauwagensiedlerin betritt die Welt der Immobilien: Sie erlebt, wie die Home-Stagerin leere Wohnungen geschickt dekoriert und mit Möbeln ausstattet, damit sie unter den Immobilien-Anzeigen hervorragen. Ganze Einrichtungen werden in die Wohnungen geschleppt, die sich innerhalb eines Tages in schicke Investitionsobjekte verwandeln. Dabei trifft Jilly auch Makler und Projektentwickler - und verstrickt sie sofort in Diskussionen über Immobilienpreise und Wohnungsnot. Und darüber, wie viel Platz und Luxus man wirklich braucht. Denn Jilly findet, dass jeder, egal welchen Beruf er hat, gesellschaftliche Verantwortung übernehmen muss. Die Immobilienbranche ist für sie mit schuld daran, dass Wohnen für immer mehr Menschen unbezahlbar wird.

Die Home-Stagerin dagegen sieht sich als Dienstleisterin, die auch den Wohnungssuchenden hilft. Auf dem Bauwagenplatz erlebt Tina, wie reduziert und einfach das Leben dort ist. Sie friert im Bauwagen, der auf wenigen Quadratmetern alles enthält, was Jilly besitzt. Und sie erfährt, wie umständlich man in der Siedlung Wasser heiß machen muss - nur um zu duschen. Wasser holen die Bewohner in Kanistern vom Nachbargrundstück. Das Kompostplumpsklo draußen ist eines für alle. Jilly stellt Tina umweltbewusste Aussteiger und Konsumverweiger vor.

"Puls 180" erzählt, wie unterschiedlich und wie heftig das Thema Wohnen die Menschen bewegt.

Sendung: hr-fernsehen, "Puls 180", 27.03.2019, 21:45 Uhr