Ihr letzter Anfall ist schon eine Weile her. Wann der nächste kommt, weiß Josephine nicht. Niemand weiß es. Eigentlich will Josephine sein, wie alle anderen Mädchen in ihrem Alter auch. Sich mit ihren Freundinnen treffen, Fahrrad fahren, ins Schwimmbad gehen. Doch mit der Diagnose Epilepsie darf Josephine das nicht immer.

Josephine war vier Jahre alt, als sie die ersten Anfälle hatte. Mit fünf war es offiziell: Josephine leidet an Epilepsie. In Büchern hat Josephine gelesen, dass man diese Krankheit früher auch „Heilige Krankheit“ nannte. Bis heute glauben manche Menschen noch immer, dass es sich um eine Geisteskrankheit handelt. Josephine weiß, dass, wenn sie einen Krampf hat, alle sie angucken, als würde gerade das Schlimmste auf der Welt passieren. Josephine legt Wert darauf, es nicht jedem gleich aufs Brot zu schmieren, dass sie Epilepsie hat. Leider kam es in der Vergangenheit auch vor, dass sie nicht zu Geburtstagsfeiern von Freundinnen eingeladen wurde, weil deren Eltern wohl Angst hatten, dass sie während der Party einen Anfall bekommen könnte. Vor den Dingen, die sie nicht machen darf – oder zumindest nicht alleine machen darf – hat Josephine großen Respekt. Wenn sie gut mit ihren Medikamenten „eingestellt“ ist, darf sie aber inzwischen sogar alleine Fahrrad fahren. Schwimmen jedoch geht nur unter Aufsicht. Was sie am meisten nervt ist, dass sie bei jeder Kleinigkeit erst zuhause Bescheid sagen muss. „Wenn ich einen Anfall habe, macht mein Körper Dinge, die ich gar nicht möchte oder steuern kann. Trotzdem kann ich alles hören um mich herum, aber nicht sehen. Es ist wie ein Gewitter im Kopf“.

Ein Film von Marco Giacopuzzi.