Spitzbergen ist ein Ort für Furchtlose - nur 2.400 Menschen leben hier mit etwa 3.000 Eisbären. Gemeinsam mit ihrer 14-jährigen Tochter Marikken muss Sissel Nilsen die Holzvorräte an ihrer entlegenen Hütte auffüllen.

Die Frauen haben Glück: Heute herrschen nur minus acht Grad Celsius. Normalerweise ist es Mitte Februar viel kälter auf Spitzbergen. Brian Lainoff ist gerade nach drei Stunden Flug im Hauptort Longyearbyen gelandet. "Unglaublich", sagt der US-Amerikaner, "Spitzbergen ist weiter von Oslo entfernt als Rom." Der arktische Archipel liegt ziemlich genau auf halber Strecke zwischen der skandinavischen Nordküste und dem Nordpol. Brian besitzt den Schlüssel zum vermutlich sichersten Ort der Erde: dem Globalen Pflanzensamenspeicher.

Bei gleichbleibend minus 17,9 Grad Celsius lagern in dem umgebauten ehemaligen Kohlestollen Millionen Pflanzensamen aus mehr Ländern, als die UNO Mitgliedsstaaten zählt. Nur zwei- oder dreimal pro Jahr öffnet Brian die Türen zum Samen-Tresor, um neue Sendungen einzulagern. "Für mich ist dieser Ort wie eine Kathedrale", sagt er. Die Reportage geht der Frage nach, warum Menschen wie Lars Frode Stangeland sich entscheiden, im "Kühlschrank Europas" - Jahresdurchschnittstemperatur minus 6,7 Grad Celsius - zu leben.

Lars arbeitet als Sicherheitsberater für wissenschaftliche Expeditionen und will nicht mehr weg von hier. Andere, wie den Musiker Björn Anders Nymoen, zieht es immer wieder zurück. Björn zählt zu den Spitzbergen-Veteranen. 16 Jahre hat er hier gelebt, ehe er, der Liebe wegen, schweren Herzens fortzog. Aber jedes Jahr kehrt er für mindestens zwei Monate zurück: "Spitzbergen ist anders als jeder andere Ort auf der Welt, sehr ruhig und sehr aufregend zugleich."

Ein Film von Dirk Schraeder