Nach massiven Corona-bedingten Einbrüchen bei den Touristenzahlen warb Südtirol seit dem Frühjahr 2020 intensiv um Besucher aus dem Ausland, vor allem aus Deutschland. „Südtirol ist Genuss und Naturverbundenheit: alpin und mediterran, hat Dolomiten und Weinberge. Südtirol spricht Deutsch, Italienisch und Ladinisch, hält fest an seiner Tradition und vereint sie mit der Gegenwart“, hieß es in groß angelegten Werbekampagnen. Etwa 40.000 Arbeitsplätze in der autonomen Provinz hängen direkt oder mittelbar vom Tourismus ab, auch Winzer und Obstbauern, die Hotels und Restaurants vor Ort beliefern. Der Tourismus ist als Querschnittsbranche ein Fundament der Südtiroler Wirtschaft. Vor 60 Jahren noch beherrschte Südtirol die Schlagzeilen als verarmte Unruheprovinz, erschüttert von Sprengstoffanschlägen. Eine Region, die mehrfach Spielball von Mächtigen war, von den Habsburgern, Faschisten und Nationalsozialisten. Umsiedlungen, Zwangs-Italienisierung und Sprachverbote haben tiefe Wunden gerissen. Die Konflikte der deutschen und ladinischen Volksgruppen mit den Italienern und das Streben der Südtiroler Bevölkerung nach Autonomie gegen den Widerstand der Regierung in Rom beschäftigten jahrelang die UNO. Erst 1992 galt die „Südtirol-Frage“ offiziell als gelöst. Heute ist Südtirol mit seinen 530.000 Bewohnern die reichste Region Italiens und gilt europa- und sogar weltweit als Vorzeigemodell für ein friedliches Zusammenleben verschiedener Volksgruppen. Garant dafür ist ein umfangreiches Autonomiestatut mit festgeschriebenen Minderheitenrechten. Wie funktioniert das im Alltag? Und wie ist die bisherige Saison-Bilanz im Tourismus-Sektor? In der Reportage treffen wir Südtiroler Winzer, Schützen, Wissenschaftler, Studenten, Touristiker und auch Bergsteigerlegende Reinhold Messner. Und wir erfahren von Touristen, wie sie Südtirol im Corona-Jahr 2020 erleben.