Regionales Bauen ohne Satteldach: In Cham kam es zum Flachdachalarm, als ein junges einheimisches Ehepaar im Ortsteil Haderstadl sein Traumhaus bauen wollte. Gerade weil sie sich ihrer Heimat verbunden fühlen, wollten Kerstin und Andreas Mayer hier auch bauen. Und zwar zeitgemäß und modern, mit klaren Formen und großen Glasflächen und Flachdach. Im Gemeinderat war man entsetzt.

"Es gibt nichts Schöneres als ein rotes Satteldach" war die vorherrschende Meinung. Beinahe wurde der kubische Bau mit seiner plastischen Ausformung nicht genehmigt. Doch am Ende konnte Architekt Markus Weber (Schnabel & Partner, Bad Kötzting) seinen Entwurf doch noch umsetzen.

"Man kann das ländliche Bauen nicht auf die Dachform reduzieren", meint er, "es gibt auch andere Wege, ein Haus sinnvoll in die Umgebung zu integrieren. Schlichtheit und Reduzierung in Form und Materialität charakterisieren die traditionell einfache Dorfarchitektur. Deshalb passt meiner Meinung nach dieses Haus sehr wohl in die Umgebung."

In die Landschaft und das abschüssige Hang-Grundstück hat er es auf jeden Fall harmonisch eingepasst. Auch die ortsübliche Zweiteilung der Fassade (Holzverschalung oben und Putz unten) hat er aufgegriffen. Allerdings ist beim "HausmitFlachdach" das Erdgeschoss holzverschalt und das Obergeschoss weiß verputzt, die Öffnungen sind unregelmäßig gesetzt, richten sich nach Sonnenverlauf und Ausblicken und setzen gestalterische Akzente.

Im Innenbereich hat Weber die Geschossebenen durch Lufträume und Galerien verknüpft sowie horizontale Sichtachsen geschaffen. Dadurch sind lichte, offene Räume entstanden, in denen sich die Bauherren rundum wohlfühlen.

Für nachhaltige Energieeffizienz sorgen die Nutzung von Erdwärme und eine kontrollierte Wohnraumlüftung und selbst das umstrittene Flachdach trägt mit seiner extensiven Begrünung zum Energiesparen bei. Die Mayers sind überzeugt: Der Kampf für die eigenen Vorstellungen vom perfekten Haus hat sich in jeder Hinsicht gelohnt.


Ein Film von Eva Wollschläger