"Die Vorstellung mancher oberbayerischen Gemeinde, wie denn ein typisches Haus auszusehen hat, kann durchaus komödiantische Züge annehmen und gipfelt nicht selten in kitschiger Jodelromantik. Auch wir mussten einiges an Spott und Gelächter bei den zahlreichen Gemeinderatssitzungen über uns ergehen lassen", berichten Stefanie und Boris Alexy von ihrem langen Kampf für die Umsetzung der eigenen Vorstellungen vom idealen Haus "zwischen Mainstream und Extrawurst". "Mainstream" ist bei diesem Haus am Fuße des Hörnle in Bad Kohlgrub vor allem die Form: Der Riegel mit Satteldach erfüllt in Volumen, Dachform und Firstrichtung ordnungsgemäß die Vorgaben des Bebauungsplans. Doch dann kommen die "Extrawürste": Die massiven Mauern aus Beton sind nicht verputzt, der Baukörper wirkt dadurch roh, schwer und erdverbunden. Im Kontrast dazu lässt Architekt Wolf Frey das Dach förmlich schweben. Neunzig Zentimeter trennen Traufe und Kniestock, zwischen Haus und Dach verlaufen Glasbänder, auch die Giebel sind vollständig verglast - das Dach kann fliegen! Auch ökologisch gesehen hat das Haus einiges zu bieten. Die einen halben Meter starken Dämmwände speichern die über eine große Glasfassade im Süden gesammelte Wärme optimal. Sonnenenergie wird zudem über Solarkollektoren auf dem Dach eingefangen. Auf synthetische Baustoffe wurde weitgehend verzichtet. Viele Ortsansässige sind der Meinung, es sei "das greisligste Haus von Bad Kohlgrub" und passe überhaupt nicht in die Umgebung. Der Architekt widerspricht: Mit seiner monolithischen Form und dem rohen, steinernen Baumaterial passe das Haus hervorragend in die voralpine Umgebung. Zudem verkörpere es eine "Ästhetik des Praktischen", die regionaltypischer sei als Geranienbalkone und Lüftlmalerei. "Das Leben in den Bergen war immer hart, die Häuser mussten funktional sein, für Jodler-Dekor hatte niemand Sinn", sagt Wolf Frey.