Obwohl die Provinz Ascoli Piceno nur etwa 200 Kilometer nordöstlich von Rom an der Adria liegt, ist diese Region selbst bei vielen Italienern nur wenig bekannt. Dabei hat die gesamte Region "Marken", die im Westen und Norden an Umbrien und die Toskana grenzt, durchaus Interessantes zu bieten.

Über sechzig Theater, meist aus dem 18. Jahrhundert, sind über die Region verteilt. Von der Adria bis zu den zweieinhalbtausend Meter hohen Sibillinischen Bergen zeugen festungsartig angelegten Städte wie Offida, Ripatransone oder Acquaviva von einer bewegten Vergangenheit. Sie mussten sich schließlich nicht nur gegen die Römer verteidigen, sondern auch gegen Türken und Spanier.

In Offida wird in der Karnevalszeit diese Vergangenheit wieder lebendig. Überhaupt wird im Picenum viel gefeiert, vor allem in den Sommermonaten. Wer möchte, kann dann jeden Tag ein anderes Ereignis besuchen, von Muschel-, Oliven- oder Makkaronifesten bis hin zu Darstellungen historischer Ereignisse.

Höhepunkt der Festivitäten ist jedes Jahr am ersten Sonntag im August die Quintana in Ascoli Piceno: ein Fest in traditionellen Kostümen, bei dem die Einwohner der sechs Stadtteile als Adelsdamen, Ritter, Fahnenträger oder Schildknappen den Rahmen eines Reiterturniers bilden. Die historische Altstadt von Ascoli, mit ihren Plätzen aus Marmor, den Palästen und Kirchen aus Travertingestein, den vielen gut erhaltenen Geschlechtertürmen, bietet ideale Voraussetzungen, um die Vergangenheit wieder aufleben zu lassen.

Ein Film von Hans-Joachim Gerich
Sendung: hr-fernsehen, "Unbekanntes Italien", 03.09.2021, 10:40 Uhr