Orchestermusiker sind der Inbegriff von Harmonie – aber es klappt nur, wenn sie zusammenspielen. Jeder ist Künstler, auf Perfektion getrimmt und endlich ein Meister seines Instruments. Um gehört zu werden, fügt er sich in die Gemeinschaft Gleichgesinnter ein: Sein ureigenster Ton ist unverzichtbar für den Klangkörper.

In einem Sinfonieorchester tummeln sich bis zu hundert hervorragend ausgebildete Musiker. Einigen – den Flötisten – sieht man ihr Künstlerdasein nicht an, anderen – den Cellisten – dagegen sehr, wenn sie ihre Celli auf die Bühne schleppen.

Eher unsichtbar für den Außenstehenden sind Rangordnung, Hackordnung, Einordnung, Unterordnung. Wer spielt wirklich die Erste Geige? Der Konzertmeister, wie es der Anstellungsvertrag vorsieht – oder hauen hier andere auf die Pauke? Spielen sich einzelne Instrumentengruppen gegeneinander aus? Gibt es die oft zitierten "Grabenkämpfe" im Orchestergraben zwischen Bläsern und Streichern? Warum gilt der Trompeter als "König" des Orchesters? Welchen Respekt genießt ein Schlagzeuger, der in manch einem Werk nur einen einzigen Ton zu spielen hat? Warum gelten Blechbläser als "Instrumental-Machos" und Harfenistinnen als sensibel, und warum die Waldhörner als "Don Juans"? Was sind "Tutti-Schweine"? Wird es den Oboen gedankt, dass sie – immer zuerst – den (Kammer-)Ton angeben? Welche Rolle spielt der Dirigent: Dompteur oder Familienvater, Sozialarbeiter oder Feldmarschall?

Geliebt hingegen werden Orchestermusiker von Humoristen und Verlegern – des Profits wegen. Denn sie sind immer eine nette Geschenkidee: Karikaturen von Wilhelm Busch bis Gerard Hoffnung und Witzbücher. Am Beispiel des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart des SWR wird das "Innenleben" eines Orchesters vorgestellt. Mit einem Augenzwinkern werden Harmonie, aber auch Disharmonie in einem Klangkörper gezeigt – das Orchester zwischen Basisdemokratie und Diktatur.


Ein Film von Simone Reich