Jakobs Welt war die Kommune. Draußen galt er als Hippie. Freie Schule, wenig Grenzen. Dabei wollte er ein normales Kind sein, sagt er heute.

Wie lebt es sich als Kind in einer politischen Kommune? Jakob Hüfken ist zusammen mit 80 Menschen aufgewachsen, in der Kommune Niederkaufungen. Vieles an Jakobs Kindheit war nicht „normal“. Er war schon früh politisch engagiert, ging als Kind auf Demonstrationen, hatte lange Haare und trug ein Porträt von Che Guevara auf dem T-Shirt. Von einigen Mitschülern wurde Jakob gehänselt und ausgegrenzt. Sie nannten ihn „Hippie“. Wir haben Jakob schon mit der Kamera begleitet, als er zwölf Jahre alt war. Neun Jahre später schauen wir, was aus ihm geworden ist.

„Ich habe mir manchmal gewünscht, ein normales Kind zu sein“, erzählt er heute. Das Anderssein habe manchmal genervt. Vor allem die Fragerei der Mitschüler störte ihn: „Ich wurde dauernd gefragt, ob wir in der Kommune alle in einem Raum schlafen. Permanent kamen Andeutungen zur ‚Kommune eins‘ von Rainer Langhans, und ich wurde immer wieder mit dem "Freie Liebe"-Thema konfrontiert.“ Doch das hatte alles nichts mit seiner Lebenswelt zu tun. Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Gleichberechtigung - viele Themen, die Jakob schon seit seiner frühen Kindheit begleiteten, interessieren ihn auch heute noch. Doch er brauchte auch ein wenig Abstand vom „Gewusel“ der Kommune. Jakob ist gerade zum Studieren nach Wien gezogen und sagt: „Ich genieße gerade das Alleinsein in meinem kleinen Studentenzimmer.“

Wie sind die Geschichten nach Drehschluss weitergegangen? Wie geht es den Kindern von damals? Diese Frage stellt sich die Reihe „Was wurde aus…“. Wir treffen Menschen wieder, die als Kinder von ihren Hoffnungen, Träumen und ihren Zielen erzählt haben. Was ist aus ihnen geworden? Jahre später erzählen wir ihre Geschichte weiter.

Sendung: hr-fernsehen, "Was wurde aus ...?", 01.09.2021, 21:45 Uhr